Otto (König von Griechenland)
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unter den größten Beschwerden manche Entsagung erduldet und auf den seit vier,sechs, zum Theil seit sieben Monaten rückständigen Sold die gegründetsten An-sprüche hatte, so zu erfüllen, wie es selbst die dringendste Nothwendigkeit gebot.Sogar der Mundvorrath sing bisweilen an zu fehlen, und noch ehe die neue Re-gierung förmlich eingesetzt war, veranlaßte der Mangel des zur Feier des Osterfestesnöthigen Bedarfs an Lämmern und Wein unter den Truppen zu Argos bereits be-denkliche Unordnungen. Auf den Dörfern hatte man die Soldaten mit dem Be-darf zur Osterfeier an die Bauern gewiesen, denen bei besserer Zeit Ersatz zugesagtwurde. Für Argos selbst, wo allein über 2000 Mann lagen, hatte GeneralTyokris, ein ehemaliger Günstling des Präsidenten, die Lieferung von 600 Läm-mern übernommen, aber deren, man glaubte absichtlich, nur 200 und zwar inschlechtem Zustande geliefert. Dies empörte natürlich die Getäuschten; einigeWeinkeller, vorzüglich die namhafter Kapodistrianer, wurden erbrochen, und inder allgemeinen Ausregung auch anderer Unfug verübt, der vielleicht noch grö-ßere Gewaltthatigkeiten veranlaßt hätte, wenn nicht bei guter Zeit Kolettis erschie-nen wäre, den gerechten Unwillen durch seine Rede besänftigt, einige frevelhafteRuhestörer mit Gewalt zur Ordnung gebracht und sogleich Anstalten getroffenhätte, daß jedem Manne ein Maß Wein und die nöthige Festkost verabreicht werde.Die Wiederholung von dergleichen Unruhen war natürlich taglich zu befürchten;denn wenn auch kurz darauf den Truppen eine abschlagige Soldzahlung, angeblichaus französischen Mitteln, geleistet wurde, so fehlte doch durchaus die Möglichkeit,sowol diese für die Zukunft zu verbürgen, als auch die Verpflegung der Truppenregelmäßig zu organisi'ren. Die Anführer wußten sich freilich in gewohnter Weisefür den Wegfall des Soldes dadurch zu entschädigen, daß sie sich doppelt so viel undmehr Rationen für ihre Corps ausliefern ließen, als diese in der WirklichkeitKöpfe zählten, ein Unwesen, dem man, bei dem Mangel aller Controle, ebensowenig steuern konnte als der dadurch von Tag zu Tag zunehmenden Verwirrung.Nicht selten erschienen ganze Scharen unbezahlter Truppen vor den Thoren vonNauplia, verlangten mit Ungestüm ihren Sold, drangen selbst in die Stadt ein,singen hier Handel an, beunruhigten und drückten dann wieder das platte Landund trieben einmal den Unfug sogar so weit, daß sie das drei Viertelstunden vonNauplia entfernte Dorf Arrhia, wo die zur Stadt gehörige Wasserleitung be-ginnt, förmlich besetzten und auf drei Tage den Einwohnern das Trinkwasser ab-schnitten. Viele Einwohner verließen daher die Stadt und brachten ihre Habselig-keiten nach Zante in Sicherheit, da zu erwarten war, daß sich die Truppen, bei derHülflosigkcit des öffentlichen Schatzes zuletzt doch durch gewaltsame Eingriffe indas Privareigenthum der Bürger bezahlt machen würden.
Als die neue Regierung ihre Verwaltung begann, fand sie in den leerenStaatskassen nichts als Rechnungen für 80,000 Thaler, welche man in den letz-ten Monaten unter Augustin Kapodistrias angewendet hatte, um Deputirte zukaufen und Beschlüsse im Sinne der Gewaltherrschaft durchzusetzen. Die erstenGeldmittel wurden durch freiwillige Beiträge einiger wohlgesinnten Bürger undFremden gewonnen; und nach Verfluß von anderthalb Monaten gewann man120,000 Thaler durch rückständige Pachtgelder, eine Summe, die freilich auch mitden Bedürfnissen noch nicht in geeignetem Verhältnisse stand. Die Regierunghielt es daher für nöthig, mittels der Residenten die Hülfe der vereinten MächteAnspruch zu nehmen, bekam aber, nachdem die Residenten deshalb mit denGesandten zu Konstantinopel in Unterhandlungen getreten waren, bereits am1. Zun. die definitive Erklärung, die Gesandten seien nicht ermächtigt, die griechi-sche Regierung mit Subsidien zu unterstützen. Um so dringender wurde daher dielchleunige Einrichtung einer zweckmäßigen Benutzung der öffentlichen Hülssquel-len. Worin diese bestanden, und welcher Art sie waren, ist früher schon einmal an-Conv.-Lex. der neuesten seit und Literatur- 01. 25
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