380 Otto (König von Griechenland)
von Unentschiedenheit und Kraftlosigkeit, eine Blöße, welche die Kapvdistrianernur zu gut zu benutzen verstanden. Durch die kühne Bewegung der Rumelioten ^aus ArgoS und gegen Nauplia, sowie durch die Entschlossenheit der Bürger derletztgenannten Stadt war diese Partei zwar in ihrem Mittelpunkte zersprengt wor-den, allein sie lebte fort in ihren Theilen, welche in den verschiedenen Provinzendes Landes, im Heere, in der Flotte, im Senate, und selbst, wie wir oben be-merkt haben, imSchooße der Regierung sich geltend zu machen wußten. Die Lang-samkeit und Schwache der Regierung erleichterten ihren gegenseitigen Verkehr undso bildete sich die Opposition planmäßig unter den Augen der Regierung aus, wah-rend diese ganz außer Stand war, dem Wachsthum derselben auf irgend eine WeiseEinhalt zu thun. Es war allgemein bekannt, daß in Nauplia selbst fortwahrendVersammlungen der Kapvdistrianer gehalten und von hier aus Verbindungen mitden Befehlshabern des Heers und der Flotte der alten Regierung in den Festungenund auf den Inseln angeknüpft wurden, welche eine gemeinschaftliche Gegen-revolution zum Zwecke hatten. Die Rädelsführer, Rhodios, Kalcrgis, Axelos,Axiotis und Andere, trugen sogar kein Bedenken, dies öffentlich zu bekennen, undwußten einem damals umlaufenden Gerüchte, daß Rußland ihre Absichten undPlane begünstige, so viel Glauben zu verschaffen, daß man es wenigstens für be-denklich halten mochte, ihnen mit Nachdruck entgegenzutreten. Namentlich ge-lang es ihnen, Frankreichs und Englands Benehmen gegen Griechenland in einsehr zweideutiges Licht zu stellen, und selbst der persönlichen Einmischung einigereinflußreichen Deutschen in die jüngsten Ereignisse wurden Absichten untergescho-ben, welche die ihnen günstige Meinung in. Volke wenigstens hätte wankend ma-chen können. Und was geschah von Seiten der Regierung gegen diese Umtriebe ?So viel wie nichts! Blos einige Rumeliotenhäuptlinge, Grivas, Zarras, Chrisio-tis, welche noch vor der Stadt lagerten und davon Kunde erhalten hatten, beschlos-sen dem Unwesen durch einen kühnen Schlag ein Ende zu machen, rückten einesAbends mit ihren Scharen unter großem Getümmel in Nauplia ein, durchsuchtendie ihnen als verdächtig bezeichneten Wohnungen der bereits entflohenen Kapvdi-strianer, und kehrten Tags darauf mit der Erklärung, sie seien nur gekommen, umder Regierung und den Residenten persönlich ihre Hochachtung zu bezeigen, ruhigund unverrichteter Sache wieder in ihr Lager zurück. Dieses vorübergehende undplanlose Unternehmen blieb natürlich ohne alle Folgen; die Kapvdistrianer fandensich wieder zusammen, erneuerten ihre Umtriebe und erweiterten ihren Einfluß sogut sie konnten. Unter Anderm schreibt man die Auflösung des taktischen Corps zuNauplia und in einigen andern festen Plätzen, welche schon im Mai erfolgte undder Regierung als ein arger Mißgriff zur Last gelegt wurde, einzig und allein dengeheimen Intriguen der Kapvdistrianer zu, welche auf diese Weise der Regierungeine ihrer Hauptstützen zu entziehen und ihren Plan, sich zunächst der Festungenzu versichern, um so gewisser ausführen zu können hofften. Scharenweise verlie-ßen die Taktiker ihre Standquartiere zu Nauplia, Korinth, Patras u. s. w., undschlössen sich, des verhaßten regelmäßigen und noch dazu schlecht bezahlten Diensteslängst müde, den Palikarenhaufen der rumeliotischen Häuptlinge beider Theilean, welche ihnen um so lieber den Zutritt gestatteten, je mehr es ihnen darum zuthun war, durch Vergrößerung ihrer Scharen sich ihre Macht und Selbständigkeitzu sichern.
Um dagegen den Desertionen nur einigermaßen Einhalt zu thun und derBesitznahme der festen Plätze durch die Truppen der Gegenpartei zuvorzukommen,sah sich die Regierung in die verzweifelte Nothwendigkeit versetzt, bei den Residen-ten um die Besetzung von Nauplia, Patras und Korinth durch Truppen der Allianzzu bitten. Blos die noch in Messenien verweilenden Franzosen standen hierzu zuGebote, und erhielten daher unverzüglichen Befehl, gegen Nauplia und Patras