Otto (König von Griechenland)
379
welches seit dem 30. Apr. wieder unter dem Titel einer „Nationalzeitung"früher: „Allgemeine Zeitung", /ei txH er-
schien, die Namen der ersten Staatsbeamten bekannt gemacht. Staatssecretairward D. Ehristidis, «secretair der auswärtigen Angelegenheiten Spiridion Tri-kupis, Secretair der Marine D. Bulgari, Secretair des Kriegs KonstantinZographos, Secretair der Finanzen Fürst A. Maurokordatvs, welchem ein Fi-nanzrath von drei Mitgliedern, Zcenos, Kladis und Vlassis, zur Seite stehen sollte.Den wichtigen Posten eines Gouverneurs von Nauplia und Argos übernahmPapalexopulos.
Es leuchtet jedoch von selbst ein, daß durch diese formellen Bestimmungen,von welchen man für die Herstellung der Ruhe und Ordnung so viel erwartenmochte, im Wesentlichen nur wenig gewonnen war. Denn der wenn auch nurscheinbare Sieg der nationalen Partei steigerte den Haß und die Leidenschaft dergestürzten Kapodistrianer bis zum Entschluß des verzweifeltsten Widerstandes, undsie hatten hierbei um so leichteres Spiel, je mehr die neue Regierung sowol durchdie Art ihrer Zusammensetzung, als noch mehr durch den Mangel der dazu nöthi-gen Mittel gleich anfangs an entschiedener Thätigkeit gehindert ward. Die sie-gende Partei hatte freilich die durch die Nothwendigkeit der Verhältnisse und dasBenehmen der Residenten unvermeidlich gemachte Zusammenstellung der Regie-rung aus Vertretern des alten und neuen Systems in der Hoffnung zugegeben, daß dieAnHanger des alten und neuen Systems nach und nach auf die Grundsätze und Planeder Regierung von Perachore eingehen würden; und diese Hoffnung war um so leben-diger, da die liberalen Mitglieder der Regierung, Kolettis, Konduriotis und Pp-silantis, durch den Eintritt des Kosta Bozzaris eine offenbare Majorität über dieVertheidiger der Maßregeln der Regierung von Nauplia, als welche Metaras,Zaimis und Plaputas betrachtet wurden, zu gewinnen schienen. Allein in derWirklichkeit gestalteten sich diese Verhältnisse bald anders als man erwartet undgewünscht hatte. Anstatt daß die Regierung durch Einheit der Gesinnung undThat die allerdings zu fürchtende Opposition hatte entkräften sollen, noch ehesie durch bestimmte Gestaltung befestigt werden konnte, zeigte sich vielmehr sogleichbei der Berathung über die wesentlichsten Maßregeln der neuen Verwaltung unterden Mitgliedern der Regierungscommission selbst jener nachtheilige Zwiespalt derMeinungen, welcher die Bildung einer systematischen Opposition im Sinne derKapodistrianer so sehr begünstigte. Hielten es z. B. die vier liberalen Glieder derRegierung für nothwendig, den Federungen der Eparchien zufolge, das verhaßtePersonal der Verwaltung aus den Zeiten der Präsidentschaft zu wechseln, so ver-teidigten dagegen die drei übrigen jede nur einigermaßen haltbare Individuali-tät, welche in ihrem Sinne dem alten Systeme huldigte. Während serner jenedarauf drangen, die noch in Argos und um Nauplia angehäuften Truppen derRumelioten in die Eparchien zu vertheilen, um dadurch ihre Verpflegung zu er-leichtern und ihren Gehorsam zu sichern, widersetzten sich die Andern dieser Maß-regel unter dem Vorwande, der Peloponnes müsse verschont bleiben, was mannicht erwarten dürfe, da bei der vorgeschlagenen Vertheilung feindselige Berührun-gen zwischen Rumelioten und Moreoten unvermeidlich werden würden. Wir werdenGelegenheit haben, darauf aufmerksam zu machen, welche üble Folgen in diesemPunkte, bei der Mittellosigkeit des öffentlichen Schatzes schlecht berechnete Nachgie-bigkeit hatte. Allerdings glaubten die vier im Sinne der Nation handelnden Mit-glieder der Regierung, ungeachtet sie durch die Majorität der Stimmen eine äußereÜberlegenheit in jedem Falle hätten behaupten mögen, eher durch Schonung ihre Geg-ner für sich gewinnen zu können, als daß sie sich durch rücksichtslose Durchführungihrer Plane der Gefahr offenbarer Spaltung und neuer Unruhen auszusetzen ent-schlossen gewesen waren. Ihr ganzes Wesen bekam dadurch leider den Anschein