378 Otto (König von Griechenland)
einen Partei Triknpis, von der andern Zographos aufgegeben worden war, undder an ihrer Stelle gewählte Rumeliotc der Kapodistrias'schen Partei, AnastasiaLpdorikis, gleichfalls nicht genügen wollte, den allgemein geachteten Kosta Bozza-ris zum Mitglied der Regierungscommissi'on vor. In einer vereinten Sitzung derRegierung und des Senats ward der Vorschlag angenommen, und da sich unter-dessen auch die übrigen Mitglieder der Regierungscommifsion zu Nauplia einge-funden hatten, so gelang es endlich der siegenden Partei, wenigstens äußerlich gegendie noch fortlebende Faction der Kapodistrianer eine entschiedene Stellung anzuneh-men. Mitglieder der provisorischen Regierung waren demnach G. Konduriotis,D. Vpsi'lantis, A. Zaimis, I. Kolettis, A. Metaxas, Kosta Bozzaris und D.Plaputas. Allein noch hinderte sie die Hartnäckigkeit des Senats, förmlich ihreWirksamkeit zu beginnen, da er ohne alle gesetzliche Befugniß das der Regierungzustehende Recht, die erledigten Senatorstellen zu besetzen, blos in der Absicht inAnspruch nahm, die eben offenen fünf Stellen nach Willkür mit Leuten seinerFarbe zu besetzen und so die Opposition zu verstärken. Diesem trostlosen und Unge-wissen Zustand ward jedoch endlich durch die Entschlossenheit der Einwohner vonNauplia, welche sich längst für die nationale Partei entschieden und zum Schutzeihres Eigenthums eine Bürgergarde gebildet hatten, ein Ende gemacht. Siezogen nämlich nach mehren fruchtlosen Vorstellungen einzelner Deputationen derBürger am 19. Apr. gemeinschaftlich, über 509 Mann stark und von einer gro-ßen Menge Volkes begleitet, vor das Versammlungshaus des Senats, erklärten,daß Niemand den Sitzungssaal verlassen dürfe, bevor Senat und Volk sich aus-geglichen, und gaben nicht undeutlich zu verstehen, daß, wenn die Senatorellsich langer weigern würden, den billigen Foderungen der Regierung und denWünschen des Volkes nachzugeben, sie nicht anstehen würden, zum Wohle derNation von den Mitteln Gebrauch zu machen, welche in ihrer Gewalt standen.Dieser Schritt verfehlte seine Wirkung nicht. Nach Verzug von einer Viertel-stunde erschien Kolettis, welcher eben gegenwartig war, um mit dem Senat zuunterhandeln, auf dem Balcon des Senatshauses, und erklärte, alle streitigenPunkte seien glücklich beseitigt und die Regierung sehe sich sonach im Stande, ihreWirksamkeit ungehindert zu beginnen. Dies geschah in der That noch an demsel-ben Tage durch eine Proclamation, worin die Eommission den Anfang ihrer Ver-waltung förmlich ankündigte, die schleunigste Berufung einer Nationalversamm-lung versprach und die Nation zu Vergessenheit des Geschehenen, Folgsamkeitgegen die Regierung und Dankbarkeit gegen die verbündeten Mächte ermahnte.In gleichem Sinne ward Tags darauf eine Proclamation an die Heerführerder verschiedenen Truppencorps erlassen, worin ihnen Vermeidung aller Feinb-seligkeiten, ruhiges Verweilen in ihren Stellungen bis auf weitere Befehle undSchonung der friedlichen Bewohner der Landschaften gegen die Versicherung bal-diger Befriedigung ihrer dringendsten Bedürfnisse zur Pflicht gemacht wurde.Einige Tage später, am 96. Apr., ward die innere Organisation der Regierungs-commissi'on durch ein besonderes Decret festgesetzt Die Hauptbesiimmungen des-selben waren: 1) Die Präsidentschaft wechselt monatlich unter den Gliedern derEommission; 9) es sind täglich zwei ordentliche Sitzungen, die Berufung zu au-ßerordentlichen sieht dem jedesmaligen Präsidenten zu; 3) die Staatssecretaire derverschiedenen Departements werden stets zu der zweiten taglichen Sitzung gezogen,und können auch zur ersten Zutritt haben, welche überdies noch jedem Bürger offensteht, der der Regierung mündliche oder schriftliche Gesuche vorzutragen hat.Schon am 30. Apr. erfolgte hierauf die Berufung der Nationalversammlung,mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß, wo die Wahlen der Abgeordneten nichtauf dem gesetzmäßigen Wege vor sich gegangen wären, es den Wählern frei stehensolle, neue Deputirte zu wählen. Zugleich wurden in dem officiellen Wochenblatte,