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dessen die Greuelscenen in Konstantinopel begannen, die Spannung mit Rußlandimmer zunahm und der östreichische Botschafter Graf Lützow abgerufen wurde,trat O. an dessen Stelle und er hat diesem, bei dem taglich zunehmenden Verfall derPforte und bei den dadurch unvermeidlichen Conflicten der großen, politischen undmateriellen Interessen Ostreichs, Rußlands, Englands und Frankreichs äußerstschwierigen Posten mit dem Rufe vieler Gewandtheit, kluger Mäßigung und edlerGesinnungen vorgestanden. Als Ibrahim Pascha gegen Konstantinopel vordrang,und die Russen als Hülfsvölker vor der Hauptstadt des osmanischen Reiches er-schienen, ging O. nach Wien zurück. Ihn ersetzte der Sohn seines ehemaligenChefs, der Freiherr Bartholomaus von Stürmer, der früher auf St.-Helena, inBrasilien und Portugal diplomatische Auftrage besorgt hatte. Auf der Heimkehrlitt O Schissbruch an der Küste von Neapel. (17)
Otterstedt (Joachim von), königlich preußischer Gesandter in derSchweiz, in Karlsruhe und Darmstadt. Geboren 1774 zu Berlin, trat er frühin Kriegsdienste und machte als Lieutenant im Infanterieregiment Woldeck einenFeldzug in Polen mit. Unzufrieden mit seinen nachherigen Verhältnissen in derGarnison zu Berlin, nahm er den Abschied und suchte sein Glück in Frankreich zumachen, wo eben die Revolution in vollem Gange war. Eine Bandfabrik, die erzu gründen unternahm, konnte nicht gedeihen, und er wandte sich wieder nachDeutschland. Hier trat er nach einiger Zwischenzeit als Cabinetssecretair bei demKönige von Würtemberg in Dienst, heirathete eine Hofdame der Prinzessin Katha-rina von Würtemberg, nachherigen Königin von Westfalen, und erhielt in Folge dieserVerhältnisse eine neue Anstellung als westfälischer Oberforstdirector in Kassel. AmHofe des Königs Hieronymus waren aber Gunst und Ungunst wandelbar; das Ver-hältniß der Frau von O. zur Königin wurde aufgelöst, und O. zog sich mit sei-ner Familie und einer starken Pension nach Frankfurt am Main zurück. Hierprivatisirte er, als die Siege der Verbündeten ihm gestatteten, sich ihrer Sache an-zuschließen, und bei Errichtung der Generalgouvernements vom Mittelrhein wurdeer unter dem Generalgouverneur Justus Gruner als Commissair zu Worms ange-stellt. Nach dem pariser Frieden reiste er mit dem berühmten Rechtsgelehrten, Dr.Iassoy aus Frankfurt am Main, zum Eongresse von Wien, um seine Angelegen-heiten dort zu verfolgen. Eine Zeit lang war er daselbst dem Kronprinzen von Wür-temberg attachirt. Beim Wiederausbruch der französischen Unruhen durch Napo-leon's Rückkehr von Elba trat er in preußische Dienste und wurde als diplomati-scher Agent bei der freien Stadt Frankfurt accreditirt. Nach dem zweiten pariserFrieden bewirkte er hier die Verhaftung des berühmten Obersten von Massen-bach und erhielt, nachdem er zuerst zum Ministerrefidenten in Nassau, dannzum Gesandten in Darmstadt befördert worden war, späterhin auch noch dieGesandtschaft am badischen Hofe und die in der Schweiz. Seinem unermüdli-chen Geschäfts- und Diensteifer ist auf diese Weise die ausgebreitetste Anerken-nung geworden.
Ottingen - Wallcrstein (Ludwig Kraft Ernst, Fürst), baltischerStaatsminister des Innern, wurde am 31. Jan. 1791 geboren, und da er seinenVater früh verlor, verfloß seine Jugend unter der Vormundschaft seiner Mutter,einer geborenen Herzogin von Würtemberg. Die Geschäfte des kleinen Fürsten-thums und der Vormundschaft lagen meist in der Hand des nachmals im Mini-sterium des Äußern zu München angestellten, im publicistischen Fache nicht unbe-kannten und um die deutschen Handelsvereine vielfach verdienten Präsidenten vonBelli. Der junge Fürst entwickelte ausgezeichnete Talente, zumal für Geschichte,für redende und bildende Kunst. Was die Brüder Boisseree für die niederländischeund niederdeutsche Malerschule gethan, that er für die alte oberdeutsche und bairi-schc Malerschule, für die Schule Siegmund Holbein's von Augsburg, der Kra-