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Ostrowski 369
war Senatsprasident des Herzogthums Warschau und behielt diese einflußreicheStellung auch wahrend des Königreichs bei, und seine Mutter war Apollonia Le-dochowska, die Tochter des Palatins vonCzerniechow. Zum öffentlichen Leben vonJugend auf bestimmt, sollte er, obwol noch Knabe, nach dem Wunsche seines Va-ters jenen wichtigen Verhandlungen des vierjährigen Reichstags beiwohnen, des-sen Arbeiten in der Constitution vom 3. Mai 1791 ihr Ziel fanden. In jenendenkwürdigen Tagen erwachte in ihm die brennende Vaterlandsliebe, welche seit-dem den Hebel seines ganzen Lebens ausmachte. Große Ereignisse wirkten in sei-ner Jugend machtig auf seine Erziehung und seinen Beruf. Als nach dem un-glücklichen Ausgange des Krieges von 1792 gegen die Russen sein Vater sich wei-gerte, der entehrenden targowitzer Conföderation beizutreten, wurde er auf demReichstage zu Grodno seiner Stellen entsetzt und auf seine sequestrirten Güter inder Ukraine verwiesen, wo er wahrend des Ausstandes des heldenmüthigen Kos-ciuszko (1794) in Unthätigkeit verweilen mußte. Er ließ seinen Sohn, damit dieEntwickelung der Kenntnisse, des Charakters und Nationalgefühls des Knabennicht versäumt werde, auf einem Besitzthume in preußisch Polen erziehen. Dochauch hier erreichte ihn Rußlands Rache. Kaiser Paul befahl in einem Ukas, daßalle Polen als neue russische Unterthanen nach einem vorgeschriebenen Plane aufkaiserlichem Gebiete erzogen werden sollten. Nichtsdestoweniger gelang es dem jun-gen O. die Universität Leipzig zu beziehen, wo er unter Aufsicht eines französischenLehrers 1800 seine Studien beendigte. Bald darauf übernahm er die großen Gü-ter seines Vaters, wo er an der Seite einer tresslichen Gattin den Namen Ujazd zudem des polnischen Hofwyl erhob. Als 1896 die Vorhut der französischen Ar-mee unter Mural ihren Einzug in Warschau hielt, war O. einer der Ersten, welchesich in die Ehrengarde aufnehmen ließen, die nachmals den Stamm der berühmtenLancierregimenter bildete. Der Friede von Tilsit und die Gründung des Herzog-tums Warschau riefen ihn in die Civillaufbahn. Zum Landboten von Brzezinpernannt, war er schon damals auf der Seite der Opposition. Während des Krie-ges mit Ostreich 1899 war er Mitglied der provisorischen Regierung und wußtenach dem blutigen Treffen bei Rasczyn, nachdem Poniatowski ehrenvoll capitulirthatte, dem Feinde jeden Vortheil des Sieges zu entreißen. Als 1812 bei Napo-leon's Zug nach Moskau das Zauberwort: Wiederherstellung des Vaterlandes, inallen Polenherzen wiedertönte, wurde er in das Hauptquartier des Kaisers nachWilna abgeschickt, um seine Absicht in Hinsicht Polens zu vernehmen. Mit tie-fem Kummer in seiner Seele kehrte er zurück, denn dem Eroberer war es niemalsErnst gewesen mit Polens Wiedergeburt. Als aber nach Moskaus Brand der grö-ßere Theil der Mitglieder des Bundesrates in Zamoyski's Hände die bekannte Er-klärung vom 13. Apr. 1813 zu Gunsten Rußlands niederlegte, wagten nur dreiStimmen, sich der Mehrheit entgegenzusetzen, und unter ihnen O. Er folgte Na-poleon in das Hauptquartier nach Dresden und war, der Armee an StanislausPotocki's Seite folgend, Zeuge von Poniatowski's Unfall bei Leipzig. Auf derElsterbrücke kurz vor deren Einsturz dem Tode entronnen, wurde er theils von Ko-sacken, theils von Preußen verfolgt und endlich nur durch seine Geistesgegenwartund die Ankunft des Prinzen August von Preußen vom Untergange gerettet. Nach-dem Polen eine Verfassung erhalten hatte, schickten die Abgeordneten des Volkesden Grasen O. nach Paris, um dem Kaiser Alexander, der sich damals dort auf-hielt, den Dank der Nation darzubringen. Bei der allgemeinen Auseinander-setzung zwischen den Höfen von Preußen, Rußland und Östreich zum polnischenGeschäftsführer ernannt, verwaltete er dieses schwierige Amt mit Umsicht undKlugheit. Nach dem Tode seines Vaters, der als Senatspräsident die Verfas-slngsurkunde aus den Händen der russischen Minister empfangen und in propheti-schem Geiste vor der ganzen Versammlung des Reichstags die Worte: ,M>Itte»rLonv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. M. 24