Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

368 Ostrowski

folgreich ermuntert. Werfen wir einen Blick auf die Richtung der Staatsverwal-tung überhaupt, so tritt in der Beschrankung örtlicher Verwaltungsbehörden undin manchen administrativen Einrichtungen fortwahrend das Centralisationsystemhervor; so in Böhmen, so auch in Ungarn, wo aber die eifersüchtige Nationalitätin der neuesten Zeit gegen dieses Streben sich gewehrt hat.

Wahrend die Regierung für die Förderung der materiellen Interessen eifrigsorgt und auch für die wissenschaftliche Begründung technischer Fertigkeiten treff-liche Lehranstalten gestiftet hat, wahrend sie in dieser Beziehung zum Fortschreitenin der Bildung ermuntert, sehen wir andere Erscheinungen, die dem geistigen Stre-ben feindlich entgegen treten. Daß auch hier die Besorgniß herrscht, Licht unterdem Volke führe zu unruhigen Bewegungen, ist nicht zu verkennen. Vieles, wasgeschieht, scheint darauf berechnet, das Licht abzuhalten. Seit 1814 waltet dieCensur mit steigender Strenge, mag der Schriftsteller sein Werk in der Heimatoder im Auslande herausgeben wollen, und die literarische Police! gibt ihre Ur-theilsprüche nach mehrfacher Abstufung von den unschuldigen Büchern, die öffent-lich feil geboten werden dürfen, bis zu den hoch gefahrlichen, die sogleich aus demLande geschafft werden sollen. So hat sich Ostreich wie als Handelsstaat auch lite-rarisch abgesperrt, aber diese Schlagbaume schützen so wenig als die Aollwächtervor verbotenen Waaren Auch andere Wächter sind seit Jahren thätig, dem Ein-dringen des Lichts zu wehren. Die Jesuiten, seit 1820 wieder angesiedelt, habensammt ihrer Sippschaft, den Redemtoristen oder Liguorianern, immer mehr Ein-gang gewonnen und sich besonders in Galizien des Jugendunterrichts wieder be-mächtigt. Einige Bischöfe, wie in Grätz und Trient, wiesen sie ab, und meinten,die ihnen untergebenen Geistlichen waren tüchtig und thätig genug, das Volk zubelehren, und in Grätz wollten auch die Bürger die Ansiedelung nicht dulden. Be-fremdet lesen wir 1830 eine Verordnung, daß Uberreste vom Kreuz des Heilandesund andere Reliquien in Concursmassen und Verlassenschaften nicht verkauft,nicht an Protestanten übergehen, sondern an die geistliche Behörde abgegeben wer-den sollen. In demselben Jahre ward ein Verein zur Verbreitung guter katholi-scher Bücher gestiftet, der schon 2000 Mitglieder zählte, aber nach den Schriften,die er vertheilt, vielleicht in seiner Einrichtung, doch nicht in seinem Zwecke mitdem viel wirkenden britischen Verein zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse ver-glichen werden kann. Wie nachtheilig die Verfinsterung wirkt, zeigte sich in trau-rigen Erfahrungen, als 1831 in Ungarn, wo der Volksunterricht ganz unter derObhut und Zucht der Geistlichkeit steht, nach dem Ausbruche der Cholera der aber-glaubige Pöbel sich den rohesten Verirrungen überließ. Aber in Ungarn hatte auchder Fürst Primas die vor 40 Jahren errichtete Normalschule, in welcher prote-stantische und katholische Lehrer unterrichteten, förmlichen Verträgen zuwider,>830 aufgehoben. Der edle Kern des Volkes ist in den deutschen Provinzensolchen Versinsterungsversuchen entwachsen, besonders in Böhmen, wo zwar It^sibei der Jubelfeier der Heiligsprechung des Schutzheiligen Johann von Nepomukzahlreiche Pilger nach Prag strömten, den Ablaß zu verdienen, aber im folgendenJahre bei dem Jubelseste ihrer protestantischen Nachbarn in Sachsen eine erfreu-liche Theilnahme sich kund gab.

Ostrowski (Anton Johann, Graf), Senator Woiwode und Oberbe-fehlshaber der Nationalgarde von Warschau, einer der Volkslieblinge und unei-gennützigsten Patrioten im letzten polnischen Aufstande, gehört einer Familie an,die seit Jahrhunderten zu den ausgezeichnetsten in Polen gezählt wird. Der be-rühmte Christian O., aus dem alten Stamme der Ravita, welcher 1410die siegreichen Heere des Königs Jagello gegen die deutschen Ritter anführte, warfein Ahnherr. Anton Johann ist 1782 zu Warschau geboren. Sein Vater, Tho-mas Oftrow-O., bekleidete die ersten Staalsamter zur Zeit der Republik,