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Ostindisch-chinesischer Handel und ostindische Compagnie 361
pagnie veranstaltet und so viel zum Bedarf nothig dem Meistbietenden zugeschla-gen werden sollte, wenn auch nur ein Penny für d^s Pfund über den Ausrufpreisgeboten würde. Dieses Gesetz wurde vielfach umgangen. Die ostindische Com-pagnie gab in ihren Rechnungen, die sie der Schatzkammer vorlegen mußte, dieEinkaufpreise höher an und wußte auch bei der Cursberechnung zu gewinnen, in-dem sie das Tael Silber, wonach in Kanton verkauft wird, und das in den letztenJahren ungefähr 54 Schillinge betrug, 10 Pence höher rechnete. Ebenso wenigwurde das Gesetz bei den Versteigerungen beobachtet, und der Ausruspreis, derder den Einkaufpreis, die Zinsen und den gewöhnlichen Gewinn in sich begreift,nicht selten weit überstiegen, wie 1830, wo bei dem Congothee, der zwei Drittheiledes gesammten Verbrauchs liefert, 22, 45 bis 72 Procent über den Ausrufpreisgewonnen wurden. Auch die bedeutenden Kosten der Factorei in Kanton wurdenauf die Theepreise geschlagen. Diese Anstalt der Compagnie bestand seither aus12 Supercargos und aus 8 Schreibern, die in die Ämter der Ersten aufrückten.Beide hatten freie Wohnung und Kost, und die Supercargos theilten jahrlich nachVerhältniß ihres Alters eine Summe von mehr als 80,000 Pfund Sterling untersich, die aus den Procenten der Einfuhr und Ausfuhr hervorging. Der Vorstanddes Ausschusses harte 8600 und kein Supercargo weniger als 500 Pfund Sterling.Sie wohnten jahrlich drei bis vier Monate in Kanton, um den Verkehr mit denHongkaufleuten zu besorgen, welchen sie die die eingeführten Waaren abliefertenund dagegen den Thee empfingen. Sobald die Schisse nach England abgesegeltwaren, gingen die Beamten der Factorei nach Macao, wo sie wahrend der übrigenZeit des Jahres wohnten. In neuern Zeiten stiegen die Kosten der Factorei undbetrugen 1829 gegen 90,000 Pfund Sterling. Diese Anstalt dient blos dazu,Söhne, Brüder und Vettern der Direktoren zu bereichern.
Die Wortführer der ostindischen Compagnie haben oft behauptet, daß derVerkehr mit den Chinesen, deren Eigenheiten ein vorsichtiges Benehmen foderten,bei der Freigebung des Handels Störungen erleiden könnte, daß Streitigkeitenentstehen und mit dem Verlust des Handels dem Staate die Vortheile eines bedeu-tenden Einfuhrzolles entgehen würden. Die Erfahrung der Amerikaner hat dieFrage entschieden. Sie treiben seit 50 Jahren einen gewinnvollen HandelnachChina ohne kostbare Factoreianstalten. Die Chinesen sind überdies bei all ihrenEigenheiten ein handelsluftiges Volk, viele ihrer reichen Kaufleute besuchen denöstlichen Archipel, viele siedeln sich in Batavia und Singapore an, und jahrlichsegeln Schisse von 800 — 1000 Tonnen aus den südlichen Hafen Chinas nachJapan, Börnes, Celebes. Selbst wenn sie dem Handel der Fremden abhold wa-ren, würden sie ihn doch nicht hindern können, wie namentlich die trotz allen Ver-boten immer vermehrte Einfuhr des Opiums beweist. Neuere Erfahrungen, diebesonders die unternehmenden amerikanischen Kaufleute gemacht haben, beweisenaber, daß die Chinesen gern Verkehr mit Fremden anknüpfen. Gingen die Euro-paer nicht nach Kanton, den Thee zu holen, so würden die Chinesen, da ein großerTheil der Volksmenge von der Ausfuhr dieses Erzeugnisses lebt, ihn nach Sin-gapore und Batavia schicken. Man hat häufig gesagt, daß grade aus den eigen-thümlichen Einrichtungen der Chinesen das lästige Monopol der Hongkaufleutehervorgegangen sei. Die chinesische Regierung hat den Handel mit dem Auslandegewissen beschränkenden Anordnungen unterworfen und nicht nur in Kanton, son-dern in jedem Hasen Sicherheitskaufleute ernannt. Jedes fremde Schiff muß derseiner Ankunft sich an einen dieser Kaufleure wenden, der für die Bezahlung derEinfuhr- und Ausfuhrabgaben und für das gute Betragen der SchiffsmannschaftBürgschaft leistet. Diese Versicherung ist leicht zu erlangen, da jeder Hong sieübernimmt. Wie die Amerikaner, die jährlich gegen 40 Schisse nach Chinaschicken, in ihrem Verkehr erfahren haben, steht dem Capitain die Wahl des Hong