Ostindisch-chinesischer Handel und ostindische Compagnie 349
vom Ministerium an O. der Ruf zu diesem wichtigen Amte, und in der That hattedie mehrjährige Ruhe, ländliche Lust und geistesstärkende Studien seine Gesund-heit so weit wiederhergestellt, daß er den Ruf zu erneuerter kirchlicher Tätig-keit nicht ablehnen durfte. Die ihm hierdurch übertragene Wirksamkeit war um sogrößer, da der bischöfliche Stuhl zu Hildesheim durch den Tod des Bischofs FranzEgon von Fürstenberg erledigt war. Ein Zusammentressen verschiedener Umständeund dunkle Gerüchte erhielten die Erwartung über die bedeutungsvolle Wahl einesneuen Oberhirten fortwahrend gespannt, und wenn die öffentliche Stimme sichlaut für O. aussprach, so war seine Bescheidenheit mehr darauf gerichtet, einensolchen Ruf abzulehnen, als dessen Verwirklichung zu befördern. Am 26. März1829 erfolgte die Wahl; alle Stimmen hatten sich in der Person des DomdechantsO. vereinigt und es war ein wahres Volksfest für alle Bewohner Hildesheims, alsder versammelten Menge der Name des Erwählten, den sie als Mitbürger schon soinnig verehrten, bekannt gemacht wurde. Obgleich fast niedergebeugt durch denhohen Beruf, welchem O. sich durch die Übernahme der bischöflichen Würde unter-zog, so gab er dennoch nach einer längern Prüfung dem allgemeinen Verlangennach. Nach Beendigung des kanonischen Jnformationsprocesses und Beseitigungmehrer Schwierigkeiten von Seiten der römischen Curie, erfolgte unter dem 27.Jul. 1829 die papstliche Praconisation als Bischof von Hildesheim, und am 4.Ott. die feierliche Consecration und Einführung durch den Bischof von Paderborn.Ein reiches Feld segensreicher Thätigkeit ist ihm so übergeben; die Art, wie er seineStellung gefaßt hat, in Beziehung zur Kirche, zum Staate, zur römischen Curieund zu seiner Diöcese, verheißt um so mehr segensvolle Früchte, da er in echterMenschenliebe und reiner Frömmigkeit seiner Heerde als Muster vorangeht. Mitwahrer Friedensliebe widmet er sich einem so viel verzweigten Berufe. WelcheKraft und Würde ihm zu Gebote steht, hat er bei verschiedenen Gelegenheiten undnamentlich bei den Verhandlungen über das neue Staatsgrundgesetz für das König-reich Hanover dargelegt. Den schönsten Segen der Zukunft bereitet er durch diesorgsame Pflege, welche er mit seltener Uneigennützigkeit den höhern katholischenUnterrichtsanstalten und der zweckmäßigen Verwendung der Wohlthätigkeitssondswidmet. So große Freude es den Hildesheimers macht, an der Spitze ihres Bis-thums einen so würdigen eingeborenen Prälaten zu sehen, ebenso zufrieden ist dasMinisterium mit der Wirksamkeit des Bischofs, wovon noch neuerlich die Verlei-hung des Commandeurkreuzes des Guelphenordens einen öffentlichen Beweis ab-gelegt hat. (10)
Ostindisch-chinesischer Handel und ostindische Com-pagnie. Die Vereinigung des Handels und der Regierung erklärte CharlesGrant, der Präsident des Loarck ok control, nach per Eröffnung der wichtigenVerhandlungen über die Erneuerung des Freibriefs der ostindischen Compagnieam 13. Zun. 1833, für eins der wesentlichen Hindernisse einer wirksamen Ver-waltung des britischen Indiens. Seit Jahrzehenden haben dies die gründlichstenKenner der indischen Zustände gesagt und bewiesen, und es ist ein neuer Triumphder öffentlichen Meinung in England, daß ihre Foderungen jetzt von den Macht-habern als die Grundlage eines neuen Verfaffungsgesetzes den Wortführern desVolkes vorgelegt werden. Das Schwert in der einen Hand, das Hauptbuch in derandern, Thee und Nankin versteigernd und die alten Reiche indischer Fürsten stür-zend, leiteten die Vorsteher der Compagnie die Schicksale von 115 Millionen.Der ganze ostindisch-chinestsche Handel war während eines Zeitraums von beinahe140 Jahren bis auf unsere Tage fast ausschließend in den Händen einer Handels^gesellschaft, die in einer Zeit gegründet wurde, wo die europäische Handelspolitiknur von monopolistischen Ansichten ausging. Zur Anknüpfung von Handelsver-bindungen mit entfernten Weltgegenden mußte es zu einer Zeit, wo weder Capital