Olshausen (Justus)
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der „Evangelischcn Kirchenzeitung" von Hengstenberg. Endlich gab er diesen Grund-sätzen Anwendung in seinem angefangenen „Commentar übersammtliche Schriftendes Neuen Testaments" (1. und 2. Th., Königsberg 1830 fg., 2. Aufl. 1833 fg.).Niemand wird O. die zur Auslegung des Neuen Testaments erfodeiliche gründlicheSprach- und Sachkenntniß absprechen wollen, allein die Grundsatze seiner Methodehindern ihn, diese immer hinlänglich anzuwenden, und führen ihn nur zu oft zu will-kürlichen Deutungen, worin er sich wieder der altern, mit Recht verworfenen allego-risch -mystischen und dogmatischen Auslegung naherr, nach welcher man in die Bibelhineintragt, was nicht in ihr enthalten ist. Die sogenannte historisch-grammatischeAuslegung hat in der Weise, wie sie von einseitigen Berstandesrationalisten, die,entblößt von allem tiefern religiösen Sinne, das Heilige in der Bibel oft in das Ge-"»»i meine herabzogen, und Alles aus bloßen Zeitmeinungen zu erklaren geneigt waren,den Ansprüchen an eine wahre Schriftauslegung freilich nicht entsprechen können;allein diese Mangel treffen doch nur die Art der Anwendung dieser Methode, nichtdie Methode selbst, und wenn also auch nicht zu leugnen ist, daß der Ausleger re-M ligiöser Schriften mit eignem religiösen Sinn begabt sein muß, so kann doch dieses«ÄtzW nur unter der Norm der historisch-grammatischen Auslegung geltend gemacht wer-den. Jene Mangel in der Anwendung nun hat O. in der Federung eines „tiefernSchristsinnes" richtig erkannt und zu vermeiden gesucht, aber nicht ebenso hat erdie unerläßliche Norm der historisch-grammatischen Auslegung anerkannt. In sei-ner idealisirten Ansicht von dem Christenthum, die ihm als entscheidendes Gesetzbei seiner Auslegung des Neuen Testaments vorschwebt, ist eine Tiefe des religiö-sen Gefühls, und selbst eine gewisse Freiheit der geistigen Auffassung nicht zu ver-kennen, wie man sie in den kirchenhistorischen Darstellungen Neander's auch findet.Insofern ist O.'s religiöse Denkart von dem geistcsstumpfen und engherzigen dog-matischen System unsers gewöhnlichen Pietismus, sowie von dem kirchlich-starrenund verfolgungssüchtigen Fanatismus der Partei der „Evangelischen Kirchenzei-tung" wohl zu unterscheiden Seine Theilnahme an dieser beschrankte sich auchwol nur aus Bertheidigung gegen dort wider ihn geschehene Angrisse. Eine gesundei»!, und vernunftgemäße Ansicht von dem Christenthum jedoch wird auch mit dieser ci-biiii genthümlichen mystischen Gnosis sich nicht befreunden können. (21)
Olshausen (Justus), Bruder des Vorigen, ward geboren den 9. Mai1800 zu Hohenfelde in Holstein, erhielt seine erste Bildung durch seinen Va-ter und auf den Schulen zu Glückstadt und Eutin, studirte seit Michaelis1816 auf der Universitär zu Kiel, und legte sich vorzugsweise unter Kleuker's An-leitung auf das Studium der orientalischen Sprachen, die er auch seit Michaelis1819 in Berlin und seit Michaelis 1820, auf Kosten der dänischen Negierung,in Paris studirte. Hier waren Silvestre de Sacy und Kiesser seine vorzüglichstenLehrer im Arabischen, Persischen und Türkischen; Langles unterstützte ihn auf dieliberalste Weise durch Mittheilung von Handschristen aus der königlichen Biblio-thek und von Büchern aus seiner eignen Sammlung. Genaue Freundschaft knüpfteer mit mehren jüngern Orientalisten, namentlich Deutschlands, die Paris gleich-zeitig mit ihm besuchten; unter Andern mit dem in Kurdistan erschlagenen Pro-fessor Schultz aus Gießen. Erst im Sommer 1823 kehrte er ins Vaterland zu-rück, und ward sogleich als außerordentlicher Professor zu Kiel angestellt. Alleinschon im Sommer 1826 ging er im Austrage der danischen Regierung wieder nachParis, um die Handschriften des Zendavesta ans Licht zu ziehen, die seit An-guetil's Zeit ungenutzt lagen. Unter der Begünstigung Remusat's und St.-Martin's nahm er vollständige Abschriften und Collationcn alleraltpersischen Hand-schriften zu Pans, die er nachher 1828 zu Kopenhagen zu vervollständigen Gele-genheit hatte. Er begann die Herausgabe des einen dieser Bücher, nämlich desVendidad, unter dem Titel: „Veuckieiuck ^enck ^vestu? i>urs vicesimu nckkuc
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