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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
328
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328 Ophausen (Hermann)

Bundesbeschlüsse nicht aufgehoben, und sie wird, wenn nicht das ganze öffent-liche Leben Deutschlands eine andere Richtung bekommt, nach und nach wol inallen Ständcversammlungen die Regel werden, wie sie schon 1832 in Mei-ningcn den Standen gestattet worden ist. Ein Grund, welchen man oft gegen sieangeführt hat, trifft sie eigentlich nicht, nämlich daß die »misten Deputieren, wiesie nach den jetzt bestehenden Wahlordnungen gewählt werden könnten, nicht imStande waren freie Vorträge zu halten und ihre Ansichten klar und bestimmt aus-einanderzusetzen, Zierliche Redner braucht man nicht, von dem Übrigen aber gilt,daß, wer nur überhaupt fähig ist, einen Gegenstand richtig zu beurtheilen, auch baldlernen wird, seine Gedanken einfach und deutlich auszusprechen. Wer wohldenkt, schreibt gut und spricht gut. Ist aber in der That die Standeversammlungnicht mit Männern versehen, welche sich zu gründlichen Einsichten über die an siegelangenden Gegenstände erheben: so ist dies ein Beweis, daß die Wahlordnungverbessert werden müsse, weil es doch wol nöthiger sein dürfte, auf den Besitz derunentbehrlichen Kenntnisse als auf den Besitz eines gewissen Betrags steuerbarerGüter zu sehen. (3)

Orshausen (Hermann), ältester Sohn des als Superintendent und Con-sistorialrarh in Eutin verstorbenen 1)r. Detlev Johann O., der durch eineGeographie für Schulen, mehre pädagogische Schriften und Predigten sich eben-falls als Schriftsteller bekannt gemacht hat. Geboren am 21 Aug. 1796 zuOldesloh in Holstein, wo sein Vater damals Pfarrer war, erhielt er seine ersteBildung theils auf der Gelehrtenschule zu Glückstadt, theils durch die unermüd-liche Sorgfalt feines Vaters. Seit Michaelis 1814 siudirte er auf der Universitätzu Kiel, bezog 1816 die Universität zu Berlin, und hier fesselten ihn vorzüglichNeander's Vortrage und persönlicher Umgang, die wesentlich zur Entwickelung derihm eigenthümlichen theologischen Denkart beitrugen. Beim Reformationsfeste48t'7 gewann er den von der theologischen Facultät in Berlin ausgefetzten Präsund ward 1818 als Repetent bei dieser Facultat angestellt. Er wurde 1820 zumLicentiaten der Theologie promovirt, 1822 zürn außerordentlichen Professor derTheologie in Königsberg und 1827 zum ordentlichen Professor daselbst ernannt,nachdem er vorher 1826 die theologische Doctorwürde erhalten hatte. Seineschriftstellerische Thatigkeit hat sich fast ganz auf Erklärung des Neuen Testamentsconcentrict, eine frühere kirchengeschichtliche Schrift ausgenommen:Histori-w<occlesiasticae veteris nxirmmentu pruecffmu" (Berlin 1820). O. gehört zu denmystischen Supranaturalisten, in der Weife, wie diese Denkart vorzüglich inNeander reprasentirt ist. Er geht von der Thatsache einer übernatürlich gegebenenOffenbarung aus, bleibt aber in der Auffassung derselben nicht bei dem einfachennatürlichen Sinne derselben stehen, wie die gewöhnlichen Supranaturalisten deralten Schule, sondern er sucht ihr durch geistige freiere Auslegung eine höhere Be-deutung unterzulegen. Man könnte daher diese Classe von Theologen, im Gegen-satz der empirischen Supranaturalisten, welche die Offenbarung nur als Thatsa-chen der Erfahrung auffassen, auch idealisirende Supranaturalisten nennen. Esmußte ihm daher zunächst daran liegen, die Thatsache der Offenbarung selbst durchNachweisung der kanonischen Echtheit ihrer Urkunden sicher zu stellen, und zu die-sem Zweck sollte die Schrift dienen:Die Echtheit der vier kanonischen Evange-lien, aus der Geschichte der zwei ersten Jahrhunderte erwiesen" (Königsberg1.823). Ferner mußte er die Methode der Auslegung zuerst theoretisch entwickeln,nach welcher der Offenbarung der höhere ideale Sinn zu geben wäre, und dies ver-suchte er in zwei kleinern Schriften:Ein Wort über riefern Schriftsinn" (Königs-berg 1824), undDie biblische Schriftauslegung, noch ein Wort über den tiefemSch> istsinn" (Königsberg 1824), und er vertheidigte seine Hermeneutischen Ansich-ten, der buchstäblichen Auslegung der empirischen Supranaturalisten gegenüber, in