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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
321
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Offenbachcr Messe . 321

forschung, richtige Auffassung des Sinnes und eine klare gebildete Sprache sich em-pfahl, aber doch im Ganzen nicht den Eindruck machte, den die alte kirchliche Über-setzung, ihrer großen UnVollkommenheiten ungeachtet, zurückläßt. Gleiche Vorzügeund gleiche Gebrechen haben Ö.'s Kirchenlieder und Predigten. Bei allem Geistund Hellem Verstände befaß er weder Phantasie noch die Gabe das Herz zu ergrei-fen. Seine Predigtentwürfe waren hinsichtlich der Anordnung und logischen Ge-dankenentwickelung trefflich; aber eine ausgearbeitete Predigt schrieb er in seinenspatern Lebensjahren nicht, und die Predigten aus seinen Jugendjahren erhoben sichnicht über das Mittelmäßige. Jene Entwürfe gab er als Director des Semina-riums heraus, einer Anstalt, die er gegründet hatte, und die nach seinem Tode ein-^ ^ ging, weil sie ihrem Zwecke wenig entsprach, O. starb am 2. Oct. 1829 und hinter-, ^ sieß siiner taubstummen Tochter ein nicht unbedeutendes Vermögen. (9)

^ Offen dach er Messe. Ossenbach war in früherer Zeit mehr Fabrikstadt^ Wz als Handelsplatz. Crome, in seinerftatistischen Übersicht des Großherzogthums Hessen(1822), führt 58 Inhaber von Fabriken und Manufacturen in Ossenbach an.Aus die Erweiterung von Offenbachs Handel wirkten insbesondere seit seiner Ver-einigung mit dem Großherzogthum Hessen mehre wichtige Umstände; dahin ge-hören namentlich die neue Schiffbrücke über den Main und eine Anzahl neuerKunst-und Commercialstraßen, seit 1819 gemeinschaftlich vom GroßherzogthumHessen mit Kurhessen unternommen und ausgeführt. Das wichtigste Ereigniß die-ser Art war jedoch die Zottvereinigung zwischen Preußen und dem Großherzog-thume Hessen vom 14. Febr. 1828. Vor dieser Vereinigung hatte der Ver-trieb der preußischen Fabrikate in das Großherzogthum und selbst der Verkehrzwischen den einzelnen Theilen dieses Landes fast ausschließend durch die Vermit-telung von Frankfurt am Main stattgefunden; namentlich wurde eine beträcht-liche Quantität von den Erzeugnissen Oberhessens fder Theil des Großherzog-thums rechts des Mains) an frankfurter Handelsleute verkauft, und ging erst ausihren Händen in die der Consumenten in der hessischen Provinz Starkenbnrg aufdemlinken Mainufer über. Ganz anders aber gestalteten sich die Verhältnisse durch denAbschluß des preußisch-hessischen Handelsvereins. Die Erzeugnisse der vereinigtenLande konnten nach ihrem Vertriebe in das Ausland nicht mehr als inländisch be-trachtet werden und mußten der Zollabgabe unterliegen. Um also ihren bisheri-gen Absatz an hessische Kunden nicht zu verlieren, sahen sich mehre frankfurterKaufleute veranlaßt, in Hessen Niederlagen für preußisch-hessische Waaren zu er-richten, wozu sich das nahe gelegene Ossenbach am passendsten darbot. DiesemBeispiele folgten alsbald einige preußische Fabrikanten, und da hierdurch die hessi-sche Regierung aufmerksam wurde, so gestattete sie daselbst einen öffentlichen freienVerkauf während der Dauer der frankfurter Herbstmesse im Jahre 1828. Schondieser erste Versuch war befriedigend ausgefallen. Das gesammte, im Sept. jenesJahres eingeführte Meßgut überstieg 8999 Centner, Hierunter sind nur die un-mittelbaren Meßzufuhren, aber keineswegs die Waaren begriffen, welche schon frü-her in Offenbach gelagert hakten und etwa ein Drittel der angegebenen Quantitätbetragen mochten. Verkauft wurden im Herbste 1828 über 7999 Centner, wor-unter der Verkauf in der Stadt Ossenbach selbst sowie der Vertrieb in ganz kleinenQuantitäten nicht enthalten ist. Die Hauptgegenstände des Verkehrs waren Le-der, wozu die preußische Rheinprovinz mit etwa zwei Dritteln und das Großherzog-thum mit einem Drittel beitragt, sowie wollene, baumwollene und leinene Waaren.Die Zahl der Verkäufer hatte etwa 189 betragen: 89 aus dem Großherzogthum,88 aus Preußen und 27 aus Frankfurt am Main. Aufgemuntert durch dieseserste günstige Resultat, bewilligte die großherzoglich hessische Regierung am 5. Febr.1829 der Stadt Ossenbach jährlich zwei Messen, welche gleichzeitig mit denen inFrankfurt a M. gehalten werden sollten. Als Hauptzweck dieser Messen wurdeConv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. Hl. 21