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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
320
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326 Odmann

Dünnbier und Wasser bestehend. Gegen ungemischtes Wasser hatte er eine s»große Scheu, daß er sich nicht einmal wusch, sondern die Hände, wenn sie zuschmuzig wurden, so gut es gehen wollte, mit Kleie abrieb. Seine Umgebung warbesonders in seinen letzten Jahren nichts weniger als sauber, aber dennoch war seinSchlafzimmer in der spatern Zeit seines Lebens der Sammelplatz der Gelehrten zuUpsala und berühmter Reisenden, der Hörsaal vieler lernbegierigen Jünglinge undzuweilen ein Eoncertsaal, wo Oratorien aufgeführt wurden, zu welchen er den Textgeschrieben hatte. Bei dieser Lebensweise blieb Ö's Gesundheit, einige kleine Fie-beranfalle abgerechner, wahrend seines übrigen Lebens unerschüttert und er behieltdie ganze Lebendigkeit seines Geistes. Er erhielt 1790 den Ruf als Adjunct derTheologie an der Universität zu Upsala und Pfarrer zu Altupsala und rückte 1799zum ordentlichen Professor aus. Bei seiner Verpflanzung von Wermdö nach sei-nem neuen Wohnort wurde die größte Behutsamkeit angewandt. In einem hei-ßen Sommer trug man ihn, in Kissen und Decken eingehüllt, in die Kajüte einesFahrzeuges, das schnell nach Stockholm und von da nach Upsala fortruderte, woO. ausgepackt und in einen leichtbedeckten Wagen gelegt wurde, der ihn in dosPfarrhaus zu Altupsala brachte. Am nächsten Sonntage hielt er indeß seine Antritts-predigt in der Dorfkirche, fuhr aber bald darauf nach Upsala und legte sich in seinBett, das er nicht wieder verließ, bis er zu seinem Grabe getragen ward. Als1809 eine furchtbare Feuersbrunst in Upsala wüthete, und fast alle Stadttheilein großer Gefahr waren, wollte man ihn bewegen, sich nach seinem Psacr-hause zu begeben, aber er antwortete, sein Tod würde unvermeidlich sein, wenn ersein Zimmer verließe, und wäre auch auf der andern Seite die Gefahr noch so dro-hend, so möchte er doch lieber von einem Freunde, dem Feuer, als einem Feinde,der Kälte, den Tod emfangen. Sein Bett war sein Lehrstuhl und sein Schreib-tisch. Er schrieb in einer anscheinend unbequemen Stellung auf seinen aufwärtsgebogenen Knien. Seinen Auszügen und Reisebeschreibungen widmete er bis 1895nur seine Erholungstunden, und bearbeitete mehre Originalwerke, wie sein geo-graphisches Handwörterbuch über das Neue Testament, worin er die Früchte seinerreichen Belesenheit sammelte; seinen Versuch über die'Apokalyse, der beweisen wollte,daß die Prophezeihungen derselben nur auf die Zerstörung Jerusalems durch TitusBezug hätten; und zerstreute Versuche über die Schriften des Neuen Testaments,ein Werk, das in exegetischer Hinsicht Epoche in Schweden machte. Ö. war schon1792 Mitglied der Bibelcommission und trat bald nachher auch in den Ausschuß,welcher den Auftrag hatte, das Gesangbuch, das Evangelienbuch, das Ritual undden Katechismus zu verbessern Es war damals, wie noch jetzt, in Schweden ge-wöhnlich, solche Arbeiten Ausschüssen zu übertragen, was aber meist die Folgehatte, daß nach langem Streite abweichender Meinungen nichts oder nur Flickwerkentstand. Die neue Bearbeitung des Katechismus, des Rituals und des Ge-sangbuchs kam erst später durch Wallin zu Stande. Die Bibelcsmmission hatseit 50 Jahren fleißig an einer neuen Übersetzung gearbeitet, über einzelne Verselange berathen uud gestritten und dennoch ist nicht ein einziges biblisches Buch inder Übersetzung so weit gediehen, daß die Commission im Ganzen damit zufriedenwäre. Der Bischof Tingstadius und Ö. waren die bedeutendsten Mitglieder,beide ausgezeichnete Orientalisten, beide im Besitz gleiches Ansehens, aber auch ei-ner so voll Eigendünkel und so hartnäckig als der andere. An Geist und poetischemSchwung war Tingstadius seinem Nebenbuhler überlegen, aber er hatte wenigerKenntniß der Einzelheiten, besaß nicht Ö.'s hellen und scharfen Blick, und hatteer einen Gedanken gefaßt, einen Ausdruck ergrissen, der ihm poetischer als die Ur-schrist erschien, so wollte er ihn in die Übersetzung einzwängen. Ö. appellirte dage-gen an das Publicum, indem er 1814 seine Übersetzung des Matthäus herausgab,die zwar durch eine seltene Kenntniß aller exegetischen Hülfsmittel, vielfache Selbst-