Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
316
Einzelbild herunterladen
 

316 Ooilon-Barrot

Ken hatte, dem Lande erhalten, bis die Rückkehr des Königs 1815 erfolgte. ZuAnfange des JahreS 181? ward O. erster Adjutant im Generalcommandostabe,indem alle Commandoangelegenheiten der sächsischen Trnppen in der Person desGenerallieutenants von Le Coq vereinigt waren, die Stelle eines Chefs des Gc-neralstabs aber mit dem mobilen Theil der Armee verknüpft war. In dieserFunction rückte er 1820 zum Grade eines Obersten der Cavalerie auf und verbliebdarin bis zu dem 1880 erfolgenden Tode des commandirenden Generals von LeCoq, und da durch selbigen eine Veränderung in der Organisation des Armeecom-mandos eintrat, so erfolgte die Ernennung O.'s zum königlichen Generaladjutanten,die er noch gegenwartig bekleidet. Wahrend er auf Wartegeld gesetzt, unter derfremden Regierung in stiller Zurückgezogenheit lebte, schrieb er denFeldzug Napo-leon's in Sachsen im Jahre 1813" (Dresden 1815, 2. Ausg. 1816), ein Werk,welches vorzüglich wegen seiner wahrheitsgetreuen Schilderung Beifall gefundenhat und sowol ins Französische als auch auszugsweise ins Englische übersetzt wor-den ist. Zu O.'s frühern Lieblingswissenschaften gehörten vorzüglich Topographieund Geometrie, und seine kleinen Reisen waren immer auf diese Studien gerichtet.Schon 1803 ward er als Rittmeister der Garde du Corps Lehmann's eifriger jSchüler und Freund, bereiste mit diesem das Riesengebirge und übte sich in denZeiten der Muße erst in ökonomischen Vermessungen, spater aber, nach dem Todeseines Lehrers, in größern topographischen Arbeiten, weil es ihm am Herzen lag,gewissenhafte Aufnahme, im Sinne Lehmann's, der Welt zu überliefern. So ver-danken wir ihm dieGegend von Bautzen" (1820), mit einem Commentar überdie Schlacht vom 20. und 21. Mai 1813, und dieTopographische Karte des be-suchtesten Theils der sächsischen Schweiz", einer Gegend, an welche sich nur einmit allen Vortheilen und Kenntnissen der praktischen Geometrie vertrauter Situa-tionszeichner wagen darf. Dieses Blatt 2s UMeile in sich fassend gehörtzu den correctesten und vollendetsten der neuern Zeit. Es ist ebenfalls mit einemCommentar (Dresden 1830) begleitet.

Odilon-Barrot, Advocat zu Paris, der Sohn eines Mitglieds desNationalconvents, wurde am 10. Jul. 1791 zu Villefort im Departement Lozeregeboren, in der Anstalt zu St.-Cyr und im Napoleon erzogen und trat 1814als Advocat am pariser Cassationshofe auf. Das Talent, welches O.-B. hier ent-wickelte, zog die Aufmerksamkeit der wiederkehrenden Bourbons auf sich. Man botihmeine Unterpräfectur an, die er aber ausschlug, und er gehörte 1.5 Jahre hin-durch zu den standhaftesten Widersachern der Restauration. Als Vertheidiger derangeklagten Patrioten und als Mitglied der geheimen Vereine gewann er in hohemGrade die Gunst des Volkes und wäre ohne das Gesetz, wonach nur Vierzigjährigewählbar waren, sehr bald in der Kammer der Abgeordneten erschienen. Er verthei-digte kurz nach der Wiederkehr der Bourbons den als Septembriseur angeschuldig-ten Regnault, der zum Tode verurtheilt, mit lebenslänglicher Haft davonkam undendlich durch die Juliusrevolution befreit wurde. Mit Kraft und Nachdruck spracher 1816 zu Gunsten der Protestanten in Südfrankreich, welche damals den grau-samsten Verfolgungen preisgegeben waren. Im folgenden Jahre äußerte er vorGericht auf die von Lamcnnais aufgeworfene Frage, ob denn das Gesetz atheistischsein solle, das berühmt gewordene:Oui, !a Io> est ntkee", d. h. das Gesetzunparteiisch gegen die AnHanger jedes Glaubens, alle Religionen sind vor demGesetze gleich. Einige Jahre später vertheidigte er Dumoulin in der Pairskam-

mer, wurde selber, weil er die individuelle Freiheit gegen Pasquier's Ministeriumverfocht, angeklagt, aber freigesprochen, trat dann 1822 für den unglücklichen Ca-ron auf und erlangte durch diese und die folgenden Vertheidigungen den Ruf einesder ausgezeichnetsten und patriotischsten Anwalte Frankreichs. So lange die außer-parlamentarische Opposition gegen die Ministerien der Restauration in den Ve»