O'Connell
Verhandlungen über die Parlammlsreform war O'C. besonders bei den Berathun-gen über das irlandische Wahlgesetz thätig, und die Minister gaben ihm in einigenFallen nach. Er neigte sich zwar entschieden auf die Seite der Radicalen, dochwar er zu besonnen, ihre Grundlage einer Parlamentsreform, allgemeines Stimm-recht, Abstimmung durch Kugelung und dreijährige Parlamente, die er selber noch1.830 in einem angekündigten Antrage gefodert hatte, hartnackig zu verfechten.Auch außer dem Hause der Gemeinen verfocht er die Sache der Reform, und inden entscheidenden Tagen, wo nach der Niederlage der Minister im OberhauseAlles auf dem Spiele stand, hielt er am 11. Mai in der Versammlung der Wäh-ler von Westminster eine Rede, welche die ganze Kraft und Eigenthümlichkeit seines ITalents entwickelte. Auch aus der Entfernung wirkte er machtig auf die Stirn- 'mung der Irlander, und sein Wink vermochte aufzuregen oder zu beruhigen. Diepolitischen Versammlungen waren thatiger als je, und die Parteizwiste erhöhten das 'Elend der Landleuce, die 1831 nach einer Misernte zur Verzweiflung getriebenwurden. Die Bedrückungen der Grundherren reizten wie die Aufregungen derParteiführer. Nächtliche Gewaltthaten und Mord an Hellem Tage waren ge-wöhnliche Grauel. Der Widerstand gegen die Bezahlung der Kirchenzehntcnwurde mit einer Beharrlichkeit und Gleichmäßigkeit ausgeführt, worin berechnendeLeitung sichtbar war. Das Heilmittel für diesen zerrütteten Zustand zu finden,war schwer. Die untern Volksclassen durch Erziehung zu erheben, dem Boden,von welchem 5,000,000 Morgen wüstes Land und Moore sind, eine größere Flachefür den Anbau abzugewinnen, um das darbende Volk zu nähren, waren dringendeBedürfnisse, aber die Noth des Augenblicks konnte dadurch nicht gelindert werden.Die Regierung schickte reichliche Geldhülfe und dachte zunächst an die Milderung desDrucks, den die herrschende Kirche ausübt, indem sie von neun Zehntheilen der Be-völkerung gehässige Zehnten zieht, und im Dec. 1831 wurde von dem Parlamentein Ausschuß ernannt, der über eine Verbesserung der bestehenden gesetzlichen Ein-richtungen berathen sollte. *) Diesen Vorarbeiten folgte der Antrag der Regie-rung, die für kirchliche Zwecke wie die an Laien zu entrichtenden Zehnten aufzuheben.Es war der Anfang zur Lösung der Aufgabe, welche dem nach den neuen Wahl-gesetze berufenen Parlament vorbehalten bleiben sollte, die Beruhigung des un-glücklichen Landes zu sichern. Bei den neuen Wahlen ward O'C. Abgeordneterder Stadt Dublin, und es war ein wiederholter Beweis seines mächtigen Einflus-ses, daß fünf Glieder seiner Familie von irländischen Grafschaften und Städtenin das Haus der Gemeinen geschickt wurden, unter welchen Maurice O'C.,auch als geistreicher Dichter bekannt, Abgeordneter für die Grafschaft Cläre ist.Die fortdauernden Ruhestörungen durch die Aufreizungen der Unionsfeinde(repealers), durch die Verweigerung der Zehnten, durch offenen Widerstandgegen die Behörden, und die neuen Gefahren, welche die beginnende Em-pörung gegen das Eigenthumsrecht der Grundherren drohte, gaben der Re-gierung die dringendste Auffoderung, zuerst den Gesetzen Ansehen zu verschaf-fen, und Stanley brachte einen Gesetzentwurf zur Unterdrückung der Unrwhen in das Parlament, welcher in die Hände der Verwaltung eine außer-ordentliche Macht legte, um sie stark genug zu machen, allen die Vollziehungsge-walt lähmenden Umtrieben der Factionen zu begegnen. Trotz dem Widerstande der
*) Der Druck der bestehenden Verfassung geht aus folgenden Angaben hervor.In der Diöces Graigen wohnen 7441 Katholiken, 127 Protestanten. Die Zehntenbetragen jährlich 1600 Pfund Sterling, dazu zwei Pfarrhäuser mit Pfarrland und60 Pfund jährliche Kirchensteuer. Castletown zählt 27S8 katholische, IL prote-stantische Einwohner und die Zehnten betragen jährlich 1031 Pfund Sterling. LnKinvarra 437k Katholiken, 2 Protestanten, Betrag der Zehnten 360 Pfund Ster-ling. In Kilmoon 769 Katholiken, keine Protestanten, jährliche Zehnten 300Pfund Sterling.