3!0 O'Connell
er seinen Anspruch, nur den Verfügungen des neuen Gesetzes unterworfen zu sein.Mehre Mitglieder des Hauses erklärten sich für ihn, und bemerkten, daß es einenungünstigen Eindruck auf die öffentliche Meinung machen müßte, wenn das neue Ge-setz nicht in dem versöhnenden und freisinnigen Geiste vollzogen würde, aus welchemes hervorgegangen; aber Peel und Andere wußten die buchstäbliche Deutung des Ge-setzes geltend zu machen, wol nicht ohne geheime Empfindlichkeit gegen den Mann, dersie so barsch zur Apostasie gedrängt hatte. O'C. weigerte sich, den alten Eid zuleisten, und es ward eine neue Wahl für die Grafschaft Cläre ausgeschrieben.Gleich nach der Entscheidung des Parlaments erließ O'C. ein Schreiben an dieWahler, in welchem er in einem ganz andern Tone sprach als vor den Schrankendes Hauses der Gemeinen. In ihm, sagte er, sei die Grafschaft Cläre beschimpftworden und man habe ihn herabgewürdigt, weil Cläre ihn erwählt. „Ihr", fuhr erfort, „habt Irlands Glaubensfreiheit erkämpft; noch ein solcher Sieg und wir ha-ben die politische Freiheit unsers Vaterlandes errungen. Dieser Sieg ist nöthig,um die Rechte und Freiheiten der Katholiken zu schützen, damit sie nicht von derhinterlistigen Politik jener Menschen untergraben werden, die falsch gegen ihreeigne Partei, nie wahr gegen uns sein können." DaS neue Gesetz entging auchnicht seinem Tadel, besonders die Verfügung gegen die Zunahme der Mönchsorden.„Ich hoffe", sagte er, „durch mich soll diese elende Nachahmung des schlechtestenund noch immer bestehenden Theils des französischen Jakobinismus aus dem Ge-setzbuche vertilgt werden; eine armselige Nachahmung, welche ausführen will,was Natur und Religion verbieten, die Mönchsorden in Irland zu unterdrücken."Wenn die Wahl auf ihn fiele, wollte er unter Anderm den kleinen Freisassen ihrWahlrecht wieder verschassen, den Augiasffall der Gesetze reinigen, wozu seine Er-fahrung ihn befähige, die abscheuliche Ungerechtigkeit gegen die Jesuiten undMönchsorden offenbar machen und aus allen Kräften für die Parlamentsreformarbeiten. Die Mitglieder des katholischen Vereins versammelten sich wieder, undbestimmten einen ansehnlichen Theil der Katholikensteuer dazu, O'C.'s Wahl zuunterstützen. Er fand keinen Gegner und wurde gewählt. In seiner Rede an dieWähler war er so freigebig mit Schmähungen gegen seine politischen Gegner, alsmir Versprechungen. Nicht sechs Monate werde er im Parlament sitzen und allerDruck werde von dem Volke genommen sein. Er reizte nicht blos auf der Wahl-bühne die Gemüther, bei jeder Gelegenheit redete er zu dem Volke, und verkündete,daß er durch dieselben Mittel, welche den Katholiken Glaubensfreiheit errungen,an der Aufhebung der „verhaßten Union, dieses Schandflecks auf dem National-charakter", arbeiten werde, um Irland sein eignes Parlament wiederzugeben, da-mit das Land nicht mehr von britischer Aristokratie, von britischen Ränken undbritischen Interessen abhänge.
Kaum war die Emancipation gewährt, als eS offenbar wurde, daß sie dasssbel, welches tief an der Wurzel des gesellschaftlichen Auslandes saß, nicht vertilgthatte; sie sollte Irlands Arche sein, und wurde hinausgestoßen, auf unruhigemund trübem Wasser zu schwimmen. Das Land war wieder der Schauplatz neuerParteikämpfe. Die Protestanten hegten Besorgnisse, da ihre Gegner ihnen offendrohten und die Oranienmänner öffneten wieder ihre Logen. Fanatiker wollten inmanchen Gegenden des Landes, trotz dem versöhnenden neuen Gesetze, durch die >Feier des 12. Jul. die Erinnerung an die Zeit des alten Glaubmsdrucks wiederaufregen. Die Katholiken vereinigten sich dagegen in bewaffneten Banden, wenndie Policei bei Ruhestörungen einschreiten wollte. Einige Grafschaften waren inoffener Fehde, und nur durch das Kriegsvolk konnten blutige Ausbrüche verhindertwerden. So war Irlands Lage, als O'C. bei der Eröffnung des Parlaments imFebr. 1830 seinen Sitz einnahm. Er hielt seine erste Rede, indem er bei den Ver-handlungen über die Adresse gegen Gouldurn, den Kanzler der Schatzkammer,