306 D'ConneÄ
gesandt, die Landleute aufzureizen, wahrend die katholischen Priester auf das Ge-wissen des Volkes wirkten. Die Sprecher erklärten laut, Aufregung wäre ihrZweck und Aufregung sollte es geben, so lange sie es nörhig fänden. Eine neueWahl ward in der Grafschaft Cläre ausgeschrieben, als einer ihrer Abgeordneten,Vesey Fitzgerald, eine Stelle in der Verwaltung annahm. Niemand zweifelte ander Wiedererwählung des achtbaren Mannes, der stets ein Verfechter der Eman-ripation gewejen war; der katholische Verein aber stellte ihm, einem AnHanger desMinisteriums, den großen Aufrcger entgegen; die Katholikensteuer (cMdolic rem),die der Verein zu bestimmten Zeiten in allen Gegenden des Landes erheben ließ,ver-schaffte Geld. O'C. setzte seinen Sachwalterbcruf zum Pfände, daß er nicht nur alsKatholik gesetzmäßig gewählt werden könnte, worin er allerdings recht hatte, sonderndaß er auch seinen Sitz im Parlament einnehmen dürfte, ohne die gesetzlich vorge-schriebenen Eide zu leisten. Die «Wortführer des Vereins durchzogen die Gras- !schaft, um diese Meinung zu verkündigen, und die katholischen Priester gingen vonKirchspiel zu Kirchspiel, das Volk in den Kapellen zu versammeln und zu er-mahnen. Jeder Altar, sagt Shiel, ward eine Rednerbühne. Wer gegen O'C.stimmte, predigten die Pciester, würde gegen Gott und den heiligen Glaubenstimmen, die Hand der Ketzer stärken, die Bedrückung der heiligen Kirche ver-ewigen, und sich selber zeitlicher und ewiger Strafe aussetzen. Die wohlhaben-den Grundbesitzer, die fast alle für Fitzgerald stimmten, verbündeten stch gegen dieüberlegenen Widersacher. Am Wahltage, am .'-0. Jun., zogen die erwähntenkleinen Freisassen, die sogenannten Vierziger (korties) in Scharen, von demPfarrer geführt, zu der Wahlbühne in Enm's, dem Hauptorte der Grafschaft,für „Gott und O'C." zu stimmen. Ein Priester war aufrichtig genug, seinenPfarrkindern zu sagen, daß der Zweck eher durch die Wahl eines Freundes der ka-tholischen Sache als eines Katholiken, dem das Parlament verschlossen bleibe»würde, erreicht werden könnte, und ermahnte sie, nach dieser Ansicht zu stimmen;aber kaum waren sie auf dem Wahlplatze angekommen, als sie sich durch die Rednerdes Vereins für O'C. gewinnen ließen, und der Pfarrer verlor durch den Einfluß desVereins später seine Stelle. Fitzgerald betheuerte eindringlich seine treue Anhäng-lichkeit an die Sache der Katholiken und ermahnte das Volk, das alte Band, dassie an ihre Grundherren knüpfte, nicht leichtsinnig zu zerreißen; aberO'C.'s feurigeBeredtsamkeit riß das Volk hin. „Die Zeit ist gekommen", sagte er, „wo dasSystem, das unser Vaterland verfolgt hat, aufhören muß. Es Wird fortan nichtgenug sein, zusagen: Lieber Freund, ich will dir wohl, nein, man muß uns durchThaten zeigen, daß man »nö wohl will. Es ist Zeit, daß dieses Wesen ein Ende
nehme, und ich komme hierher, ihm ein Ende zu machen Komme ich in das
Parlament, so werde ich mich betrachten als einen Geschworenen zwischen demVaterlande und dem König. Sendet den achtbaren Herrn (Fitzgerald) hinein, under wird berechnen, wie viel Rheinwein und Champagner er verbraucht hat, seineAmtsgenossen zu bewirthcn. Sendet ihr mich ins Parlament, so will ich der ab-scheulichen Abgabe für die Erbauung protestantischer Kirchen und der Lieferung desAbendmahlweins ein Ende machen. Seid euch einander treu und mir, und derSieg ist unser /t. Er siegte. Die Wahl wurde von dem Sheriff für gesetzmäßigerklärt. Mehre Wähler überreichten dem Hause der Gemeinen zwar eine Vorstel-lung gegen O'C.'s Wahl, aber die Sitzung war so weit vorgerückt, daß vor der Ver-tagung des Parlaments keine Entscheidung erfolgen konnte.
Dieser Umstand mochte auch O'C. abhalten, gleich im Parlament zu erschei-nen und Sitz und Stimme zu fodern, wie er früher verkündigt hatte. Einer derersten Schritte des Vereins nach der Wahl aber war, einen Ausschuß zu ernennen,der für diejenigen Wähler sorgen sollte, welche wegen der abgegebenen Stimme et-wa von ihren Grundherren an ihre Zinsrückstände hart gemahnt werden sollten,