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Dritter Band (1833) M bis R
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Oberlm

Mann unbefangen. Und wie konnten Sie denn Schulmeister werden? Nun, ichhatte viele Jahre lang die Schweine in Waldbach gehütet, und als ich zu alt undschwach dazu geworden war, schickte man mich hierher, die Kinder zu hüten. Inden andern Dorschen des Steinthals stand es nicht besser und die Schulmeisterwaren, wenn auch nicht Schweinhirten, doch Schäfer. Im Sommer trieben sieihre Heerden auf die Berge und im Winter lehrten sie die Kinder lesen, was sie sel-ber nicht verstanden. Stuber's erste Serge war, den Schulunterricht zu verbes-sern, was ihm um so schwerer wurde, da das Schullehreramt sein Ansehen so sehrverloren hatte, daß keiner der geachtetem Einwohner einen Sohn diesem Berufewidmen mochte. Ebenso große Schwierigkeiten machte die Einführung eines Abc-buches. Wer klug genug war einzusehen, daß in ganzen Seiten unverbundenerSylben doch ein Sinn sein müßte, glaubte, es wäre Ketzerei oder Zauberei darinverborgen. Nach sechs Iahren hatte der wackere Pfarrer durch seine Beharrlich-keit schon so viel gewonnen, daß ein Schulhaus errichtet war und selbst die Erwach-senen in Sonntagsiunden und an Winterabenden Unterricht erhielten. Sein Nach-folger war nicht so thätig, und als das Pfarramt nach einigen Jahren wieder er-ledigt war, hielt es Stuber für Gewissenspflicht, eine eintragliche Pfründe zuverlassen und in das Steinthal zurückzukehren. Mit glücklichem Erfolge nahm er''eine frühern Bemühungen wieoer auf, bis nach sechs Jahren der Verlust seinerFrau ihn bewog eine Predigerstelle in Strasburg anzunehmen. Er hielt es aberfür seine Pflicht,-sein unvollendetes Werk in die Hände eines würdigen Nachfol-gers zu legen, und dachte an O., dessen Eharakter er kannte. O, nahm den Rufan, entschlossen, Alles, was er wußte und vermochte, zum Wohl seiner Pfarrkindecanzuwenden. In seiner religiösen Begeisterung ging er anfangs über die Grenzender Klugheit hinaus, und scheint durch voreilige Versuche, eine strengere Zucht ein-zuführen, mit den alten Gewohnheiten des rohen Volkes in Kampf gerathen zusein, was so viel Unzufriedenheit erregte, daß sich eine Partei erhob, die den An-schlag machte, ihn aufzulauern und ihn zu züchtigen. O. erhielt eine Warnung.Er predigte an dem zur Ausführung bestimmten Sonntage über den Tert:Ichaber sage Euch, daß Ihr nicht widerstreben sottet dem Übel, sondern so dir Jemandeinen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar."Die Unzufriedenen versammelten sich nach dem Gottesdienste in dem Hause einesihrer Genossen, und als sie sich eben fragten, was denn der Pfarrer thun würoe,wenn er sich gezwungen sähe, seine in der Predigt verkündigten Grundsätze auszu-führen, trat O. plötzlich in ihre Mitte.Hier bin ich", sprach er mit ruhigerWürde.Ich kenne eure Absicht. Ihr wollt mich züchtigen, weil ihr mich fürstrafbar haltet. Habe ich die Regeln des Verhaltens verletzt, die ich euch gegebenhabe, so straft mich dafür. Es ist besser, daß ich mich in eure Hände überliefere,als daß ihr der Niederträchtigkeit schuldig werdet, mir aufzulauern." Diese Wortewirkten; die überraschten Bauern baten ihn um Verzeihung, und versprachen, niewieder an der Ausrichtigkeit seiner Beweggründe zu zweifeln. Seine verstandigeFrau, die er einige Jahre nach seiner Anstellung heirathete, mäßigte durch ihre Be-sonnenheit seinen Eifer, und leistete ihm wirksamen Beistand in der Ausführungseiner wohlthätigen Entwürfe. Einer seiner ersten Plane war, Verbindungswegezwischen dem Steinthal und den benachbarten Städten zu öffnen. Alle Wege imThale waren während der längsten Zeit des Jahres ungangbar, und die einzigeVerbindung des Kirchspiels mit der Nachbarschaft bildeten Schritlsteine in derreißenden Breusch, die nach Strasburg hinabfließt. Abgeschieden in ihrem Thals,konnten die Bewohner weder Absatz für ihre Erzeugnisse finden, noch selbst die wö-chigen Ackerbauwerkzeuge sich verschaffen, und begnügten sich daher nur an denGewinn ihres nothdürftigen Unterhalts zu denken. O. versammelte seine Psarr-kindcr und schlug ihnen vor, eine Verbindung mit der nach Strasburg führenden