298 Novosilzoff
erwarten; sucht man aber treue und wahre Bilder des wirklichen Lebens, so wirdman sich durch seine Lustspiele völlig befriedigt finden. Die vorzüglichste (Ii.)Ausgabe seiner dramatischen Werke erschien zu Florenz in 7 Banden 1827—28,und enthält 22 Stücke. Mehre neuere sind ungedruckt, unter Andern ein Drama,welches die Geschichte Torquato Tasso's zum Gegenstande hat. (58)
N ovosilzoff(Grafvon), russischer Staatsminister, Mitglied des Reichs-raths, Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg, betrat schon infrüher Jugend die diplomatische Laufbahn. Seine eigentliche Thätigkeit aber be-ginnt mit dem Jahre 1805, wo er, nachdem er früher mehre Sendungen zur Zu- ^friedenheit seines Hofes beendigt hatte, als russischer bevollmächtigter Minister an !Napoleon abging, um, wie man allgemein glaubte, zwischen diesem und Eng-land einen Frieden zu vermitteln. Allein schon in Berlin, wo er am 23. Jun. an-kam, erhielt er neue Verhaltungsbefehle, welchen zufolge er unter dem Vorwande,seine Pässe aus Paris abzuwarten, seinen Aufenthalt verlängerte. Die mit vie-lem Geräusche angekündigte Sendung, deren plötzlicher Gegenbefehl großes Aus-sehen erregt hatte, ließ gar bald den Zweck durchblicken, von Neuem ein Bündnißzwischen Preußen, Ostreich und Rußland gegen Frankreich einzuleiten. In die- ^sem Jahre gelang es ihm jedoch nicht, den König von Preußen zur Kriegserklärung 'gegen Napoleon zu bewegen. Glücklicher war er in Hinsicht auf Ostreich. DerKrieg wurde erklärt, und N. kehrte eilends nach Petersburg zurück. Vor seinerAbreise eröffnete er jedoch dem Fürsten Hardenberg in einer Note, der KaiserAlexander sei zur Unterhandlung mit dem Oberhaupte der französischen Regierunggeneigt gewesen, jedoch ohne dessen Kaiserwürde anzuerkennen; der Hauptgrundseines Allianzantrags sei der heiße Wunsch gewesen, zur Wiederherstellung desallgemeinen Friedens mitzuwirken, die den feierlichen Vertragen zuwiderlaufendeEinverleibung des Freistaats Genua habe denselben jedoch unmöglich gemacht.Alle in Berlin anwesenden Gesandten, mit Ausnahme des französischen, Laforest, !wurden von der Note in Kenntniß gesetzt. Eine energische Widerlegung, welcheaus Napoleon s eigner Feder geflossen sein soll, erschien im ,Munitenr". Mack'sEapitulation von Ulm, der Sieg bei Austerlitz, die Einnahme von Wien und an-dere während der vier Kriegsmonate errungene Vortheile brachen das Bündniß.Im Jun. 1806 schickte Alexander Herrn von Oubril nach Paris, welcher balddarauf den Frieden mit Frankreich unterzeichnete. Der Kaiser von Rußland ge-nehmigte aber den Vertrag nicht, und Friedrich Wilhelm III. nahm das Schutz-und Trutzbündniß, welches N. ein Jahr früher einzuleiten versucht hatte, an.N. wurde zwar seitdem nicht mehr zu Unterhandlungen gebraucht, verlor aber dieGunst seines Monarchen nicht. Zum Geheimrath ernannt, ward er 1814 Mit-glied der russischen provisorischen Negierung des Königreichs Polen und bald dar-auf Dirigent der Commission, welche der Kaiser zur Entwerfung eines Gesetz-buchs für seine Staaten niedergesetzt hatte. Als aber der Ruf von demagogischenUmtrieben in Deutschland auch über die Weichsel gedrungen war und unter denGroßen im moskowirischen Reiche ein panisches Schrecken verbreitete, fand manfür angemessen, dem milden Fürsten A. Czartoryski die Oberaufsicht über die Uni-versität Wilna abzunehmen und sie N. zu übergeben, der für den ersten Demago- ^genfeind in ganz Rußland galt. Bald darauf ernannte ihn der Kaiser noch über-dies zu seinem Generalcommissair im Königreich Polen. Auf seine Entscheidungwurden 1825 viele Studirende, darunter die ausgezeichnetsten Köpfe, wie FranzMalewski, Thomas Zan und Adam Mickiewicz, weil sie einen literarischen Clubgebildet hatten, verbannt; jüngere aber, weil ein Knabe (Felix Plater) die Worte!„Es lebe die Constitution von 1791!" mit Bleistift an die Wand geschrieben, theilsgeknutet, theils gefangen gesetzt, theils als gemeine Soldaten in die russischen Re-gimenter gesteckt. Von nun an wurde der Name N. nur mit scheuem Blick und