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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
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280 Nobbe

Nobbe (Karl Friedrich August), geboren am 7. Mai 1791 zu Pforte, woer seit 1804 auf der Fürstenschule unter Jlgen's und Lange's Leitung sich zu sei-nem Berufe vorbereitete, für welchen er seit 1810 auf der Universität zu Leipzigunter Beck und Hermann noch mehr sich ausbildete, indem günstige Verhaltnisse,die er Beck und dem Oberhofprediger Reinhard verdankte, es ihm möglich mach-ten, dem Studium seiner Wissenschaft längere Zeit als es gewöhnlich der Fall istobzuliegen. Nachdem er einige Zeit an der Thomasschule zu Leipzig als Hülfsleh-rer angestellt gewesen war, ward er 1816 dritter Lehrer an der dortigen Nikolai-schule, 1820 Conrector und 1828Rector dieser Anstalt. Schon 1817 hatte ersich das Recht, an der Universität Vorlesungen zu halten, erworben, und wurde1827 zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannt. Er gehört zu denSchulmännern, die durch Schriften und durch praktische Wirksamkeit wohlthätiggewirkt haben, den Streit zwischen den Realisten und Humanisten (vergl. Gym-nasialwesen) durch Vermittelung der Extreme zu schlichten und die Gelehrten-schulen mit den Foderungen der Zeit in Einklang zu bringen. Seine pädagogischenAnsichten über Gymnasialeinrichtungen hat er in den ProgrammenDe optimararione constituonllsk! rei sclrolasticae nostrire" undDe maturitate stuüiorumscllolasticnrum sevi Nelanclrtliomemi et no-tri", und in Beziehung auf viel be-sprochene Fragen unserer Zeit in zwei andern (1832 und 1833)De scüolae in-stitutionikus nck rei putilicne iormam accommockanciis" undDe sckola vonprofananlia", fruchtbar entwickelt. Leipzig bot zu pädagogischen Verbesserungenein weites Feld dar. Die Stadt besitzt zwei altbegründete Gelchrtenschulen, dieThomasschule und die Nikolaischule, die unter ihren Lehrern berühmte Namen,wie Jakob Thomasius, Ernesti, Fischer, Reiske, zählen und bis in die neuereZeit die Einrichtung beibehalten hatten, welche sie, wie alle Gymnasien Sachsens,dem belebenden Einflüsse des Zeitalters der Reformatoren verdankten. Die viel-fachen Verbesserungen des Schulwesens, durch welche sich der Stadtrath seit demEnde des 18. Jahrhunderts verdient gemacht hat und andern Städten Sachsensmit einem rühmlichen Beispiele vorangegangen ist, traf besonders seit 1820 auchicne beiden Anstalten, indem man sowol die meist auf das Schulgeld angewiesenenLehresbesoldungen sixirte und das Schulgeld von einer städtischen Einnahmebehördeerheben ließ, als auch den Kreis der Unterrichtsgegenstände erweiterte und auf dieFoderungen der Zeit und die örtlichen Bedürfnisse verständige Rücksicht nahm, ohnedie bewährten Grundlagen des Gymnasialunterrichts zu verrücken. Bei der Um-bildung der Nikolaischule wurde N.'s thätige Mitwirkung in Anspruch genommen,und ihm verdankt diese Anstalt seitdem vorzüglich eine genauere Bestimmung ihrerGrenzen und eine zweckmäßige Verbindung des Realunterrichts und der humani-stischen Studien, indem die zwei untern Classen in ein Progymnasium umgeschas-fen wurden, welches zum Theil auch Realschule im beschränkter« Sinne des Wor-tes ist, inwiefern es nur solche Zöglinge aufnimmt, die zu ihrem Berufe einer hu-manistischen Grundlage bedürfen. In diesen Classen ist der Realunterricht durchdie von N. herbeigeführte Einrichtung nach den Zeitbedürfnissen weiter ausgedehntworden, als in dem die vier obern Classen bildenden Gymnasium, wiewol auch in >diesem die dem Realismus gewidmeten Lehrstunden vermehrt wurden, ohne denHumanismus im Besitz des ihm gebührenden Vorrangs zu stören. Von Jahr zuJahr wurden mehre Classencombinationen, die dem methodischen Unterricht ent-gegen standen, aufgehoben, die Lehrer in eine günstigere Lage gesetzt, und eine Leh-rerwitwenkasse ward errichtet. Die Lehrer sind nur an ihre Fächer gewiesen, undin den obern Classen ist auch ein Lehrer der deutschen Sprache und Beredsamkeitangestellt. Durch diese Einrichtungen ist jene Anstalt, wie die Thomasschule, indie Reihe der vorzüglichsten Gelehrtenschulen Sachsens getreten, die sich verständigeiner vorwaltenden Richtung zum Realismus enthalten haben, welche man eben jetzt