Nitzsch (Karl Immanuel) 289
tenberg gehalten zc." (Wittenberg 1814). Zur allmäligen Umbildung seinerDoqmatik trugen theils Amtserfahrungen, theils Bekanntschaft mit Daub's undsei Schleiermacher's Schriften und die wissenschaftliche Untersuchung bei, aus welcherdie „Theologischen Studien" (1. St., 1816) hervorgegangen, ein dogmenhistorischer. Mi«! Versuch über die theogonische Vorstellung des Alterthums mit besonderer Unter-scheidung der physischen, logischen und ethischen Theogonie. Daß diese „Studien"^ ^ ^ nicht fortgesetzt wurden, war die Schuld äußerer Verhaltnisse. Die Abhandlung,^ die den Inhalt des ersten und einzigen Heftes ausmacht, wandte dem Verfasser dasZutrauen der theologischen Facultät zu Berlin und 1817 aus ihren Händen die^ oeceÄ. Doctorwürde zu. Er erlangte um dieselbe Zeit Ersatz für die verlorene akademischeWirksamkeit, indem er, als ordentlicher Lehrer am neu errichteten Predigerseminare angestellt, zur rhetorischen Interpretation klassischer Reden und zur Vorlesung über
die Geschichte des kirchlichen Lebens verpflichtet wurde. Ein Zeugniß seiner prakti->: Ha h^z schen Gemeinschaft mit den Seminaristen geben die 1819 zu Berlin erschienenenst?), „Predigten in den Kirchen Wittenbergs gehalten". Genöthigt der Gesundheit we-BiikchW gm eine Amtsveränderung zu suchen, trat er 1820 die Propstei und Superinten-Ntzi w' dentur zu Kemberg an, und fuhr fort von hier aus den Rehkopf'schen amtswissen-^ schastlichen Predigerverein zu leiten, zu dessen Vorsitzer ihn schon zu Wittenbergdas Vertrauen der Amtsbrüder erwählt hatte. In dieser Eigenschaft hat er zweiBerichte durch den Druck bekannt gemacht, in deren zweitem Di. Lücke einigeGrundgedanken seiner Abhandlung über die Gattung der Apokalypse gesunden zuGmA» äußert. Andere Mußestunden verwendete er auf die Versuche „Über denMenschenmörder von Anfang Joh. 8, 46" (Berliner Zeitschrift für Theo-Mi ^ ^ie, 1821, Heft 3) und „Über den Text und Sinn der heiligen Einsetzungs-kriii Ml'' Dr. Schultheß" („Analekten" von Rosenmüller und Tzschirner, 4.
'»TM 1^^ wurde er nach Bonn berufen, daselbst systematische und
W km irische Theologie zu lehren und dem Universi'tätsgoltesdienste und einem homi-Mischen Seminarium vorzustehen. Er hat von hier aus an der liturgischen Ange-.legmheit der Kirche seines Landes in drei Abhandlungen Theil genommen, deren einebesonders von beiden Parteien Billigung erhielt: „Vom gemeinen Gottesdienst in^7 der deutschen evangelischen Kirche" (Gieseler's und Lücke's „Zeitschrift für gebildete^ Christen der evangelischen Kirche", I, 2,1823); „Über Dr. Feßler's liturgischesHandbuch, eine Verwahrung der evangelischen Kirche gegen ihr angedichtete litur-3'sche Grundsätze" (Tzschirner's „Magazin für christliche Prediger", II, 2,1824);^ „Theologisches Votum über die preußische neue Agende w," (Bonn 1824). NochiM. jx, andern Streit führte ihn sein Berussgefühl, als Delbrück den Lessing'schenAngriff auf das protestantische Schriftprincip wiederholte, und er vereinigte sich^ mit Lücke und Sack zu den drei theologischen Sendschreiben „Über das An-sehen der heiligen Schrift und ihr Verhältniß zur Glaubensregel in der protestan-W.i' - tischen und in der alten Kirche" (Bonn 1827). Andere Aufsätze, z. B. überden Religionsbegriff der Alten, sind in den „Theologischen Studien und Kri->!,« tiken" niedergelegt, einer Zeitschrift, zu deren Herausgabe er seit 1828 mit Ull-'»6^ wann, Umbreit, Lücke und Gieseler verbunden ist, und für welche er vorzugsweisedie praktische Theologie der neuesten Zeit in kritischen Übersichten darstellt. EineL stit seinen Studienjahren gehegte Idee vereinter Darstellung der christlichen Glau-bens- und Sittenlehre, in deren Verfolgung ihn Schleiermacher's Encyklo'pädie be-ßlh. stärkte, ist durch das Lehrbuch: „System der christlichen Lehre", verwirklicht wor-bsB ! den, welches zuerst Bonn 1829, dann 1831 zum zweiten Male erschien. Zu-IrM letzt hat er kirchliche Vorträge mitgetheilt, deren Druck von Studirenden ge-Wünscht worden: „Predigten aus der Amtsführung der letztvergangenen Jahre"M. (Bonn 1833). (86)
Nonv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. III. 19