284 Nikolaus I. (Kaiser von Rußland)
gebung einen neuen Anstoß, indem er dieselben seiner unmittelbaren Aufsicht un-terwarf. Rußland besaß kein eignes Gesetzbuch; es galt weder das römische nochein anderes subsidiarisches Recht und die Gesetzgebung bestand aus einer Masse ein-zelner im Laufe vieler Jahrhunderte gegebenen Gesetze. Schon Peter der Großeließ Vorarbeiten zu einem allgemeinen Gesetzbuche machen, die unter seinen Nach-folgern fortgesetzt wurden, und von 1700—1804 bestanden 10 verschiedene Ge-setzcommissionen, deren Bemühungen aber um so geringem Erfolg hatten, jeschwieriger es war, die Gesetze zu sammeln. Die Richtung der meisten Commis-sionen war mehr dahin gegangen, ein neues Gesetzbuch zu schassen, als die beste-henden Gesetze zum Grunde zu legen und zu ordnen. Durch eine Verfügung vomZI. Jan. 1826 verwandelte der Kaiser die Gesetzcommissi'on in die zweite Sectiondes Eabinets, von deren Arbeiten ihm zu destimmten Zeiten genauer Bericht er-stattet werden sollte. Die Thatigkeit ausgezeichneter Manner förderte dieses Un-ternehmen so glücklich, daß 1832 die systematische Zusammenstellung der gültigenGesetze vollendet und in 15 Banden gedruckt war. Nach einer Verordnung vom31. Jan. 1833 soll diese Sammlung mit dem Anfange des Jahres 1835 Gesetz-kraft erlangen. *) Die Militaircolonien erhielten schon im Der. .1826 eine neueVerfassung, welche den Wirthen der angesiedelten Soldaten wie diesen selbst Er-leichterungen gewahrte, was um so mehr durch die Klugheit geboten wurde, dadie Einrichtungen Alexander's in diesen Anstalten viel Unzufriedenheit erweckt hatten.Das Marinecorps erhielt 1827 eine neue Einrichtung und die Einkünfte der Umterrichtsanstalten für das Seewesen wurden so bedeutend erhöht, daß dieGcsamml-zahl der Marinecadetten auf mehr als 500 stieg. In Beziehung auf landwirth-schastl'che Cultur wurde vorzüglich die Vervollkommnung der Schafzucht in denOstseeprovinzen seit 1827 durch Begründung von Stammschafereien begünstigt.Die Volksbildung, welcher besonders der Mangel zweckmäßiger Unterrichtsanstaltennachtheilig war, wurde durch einige seit 1828 angeordnete Einrichtungen befördert,wozu besonders auch die Gründung eines pädagogischen Centralinstituts in Peters-burg und die Verbesserung der Dorfschulen gehörten, für welche Lehrer aus derdauerlichen Bevölkerung herangebildet werden sollten. Nach dem Tode seinerMutter, die am 6. Nov. 1828 nach kurzer Krankheit starb, nahm der Kaiser dievon ihr gestifteten Erziehungsanftalten unter seinen Schutz und übertrug einemeignen Staatssecretair die Verwaltung dieser Stiftungen. In Odessa ward eineSchule für die morgenlandischen Sprachen gegründet, und zur Bildung von Lehrernfür die in der krimischen Halbinsel wohnenden Tataren eine besondere Anstalt beidem Gymnasium zu Symferopol errichtet, worin vorzüglich die Söhne tatarischerGeistlichen aufKosten der Krone unterrichtet werden sollten. In Moskau ward 183sieine Schule für Seeleute, in Petersburg eine neue Lehranstalt für Wundarzte ge-gründet, und die Theaterschule zur Bildung einheimischer Künstler erhielt eine mueEinrichtung. Die umfassenden Unternehmungen zur Erhöhung des Culturzustan-des hatten selbst wahrend der Kriegsjahre, die 1826 mit dem Kriege gegen Per-sien begannen, ihren Fortgang. Eine Gesellschaft von Gelehrten begleitete dasHeer und untersuchte die von Paskewitsch besetzten Lander Asiens in naturgeschicht-licher und statistischer Hinsicht. General Emanuel durchforschte in Gesellschaftmehrer Gelehrten den Kaukasus, und zwei andere Gelehrte wurden mit mehrenZeichnern in die von den russischen Heeren besetzten türkischen Lander gesandt, unidie merkwürdigsten Denkmaler und Inschriften zu sammeln, wahrend ein Alter-thumsforscher das ganze Küstenland von der Donau bis Sizeboli untersuchte.Alexander von Humboldt (s. d.), der 1829 mit Ehrenberg und Rose das östlicheRußland bis Sibirien bereiste, wurde von dem Kaiser freigebig unterstützt, un>
S. „kl^els lle» ootioas kistorigues -ur la formation llu eorx« lles lois rv!sss" (Petersburg 1333).
l»l,'