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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
280
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- 280 Niemojewski

König hat weder das Recht, sie ihm zu rauben, noch sie zu verkürzen " Er setzteseinen patriotischen Bemühungen die Krone aus, indem er mit seinem Bruder Bo-naventura die Schrift entwarf, welche die Minister wegen der Verordnungengegen die Preßfreiheir in Anklagestand versetzte. Der Einfluß seiner Beredtsamkeitbeunruhigte die Machthaber und man trachtete auf alle Weise, ihn und seinen Bru-der aus der Landbotenkammer zu entfernen. N. hatte einem polnischen Offizier,welcher. der Theilnahme an der neapolitanischen Revolution beschuldigt, auf Befehldes Großfürsten Konstantin 1822 gesetzwidrig verhaftet worden war, seinen Bei-stand zugesagt und ihm versprochen, bei dem nächsten Reichstage eine Beschwerdezu erheben. Von dem Großfürsten defragt, antwortete er freimüthig mit demBekenntniß seines constitutionnellen Glaubens. Sein beredtes Schreiben wurdedem Kaiser Alexander vorgelegt. Der Großfürst berief ihn nach Warschau, underklärte in Gegenwart der Minister, N. habe sich gegen den König vergangen, undes sei ihm untersagt, je irgendwo in des Königs Gegenwart zu erscheinen. ZumBeweise der Mittheilung mußte N. diese schriftlich ihm vorgelegte Erklärung unter-zeichnen, wobei er aber gegen den Großfürsten sich verwahrte, daß des Kaisers Ver-bot nicht auf seine Vollmacht als Landbote oder auf seine Gegenwart bei dem Reichs-tag ausgedehnt werden könne, dem der König nur bei den Feierlichkeiten der Er-öffnung und des Schlusses beiwohne Als 1825 der dritte Reichstag ausgeschrie-ben wurde, machte sich N. auf den Weg, ungeachtet er erfuhr, daß ihm Gefahrdrohte. Vor den Thoren der Hauptstadt angekommen, ward er von Gensdarmenüberfallen, deren ersten Angriff der Großfürst selbst, hinter dem Thore verborgen,geleitet haben soll. Man führte ihn auf sein Gut zurück, wo ihn Gensdarmen.wie in einem Gefängnisse, mit verletzender Zudringlichkeit bewachten. Sein Bru-der Bonaventura wurde dürch einen feilen Menschen wegen angeblicher persönlichenBeleidigungen in einen Criminalproceß verwickelt, dessen Entscheidung man, nachden erhaltenen Weisungen, bis zu Ende des Reichstages verzögerte. N. brachteseine Beschwerde an den Kaiser. Die Antwort war, der Kaiser wisse, was ihm be-gegnet sei, und habe den Behörden, die nach seinen Anordnungen gehandelt, denBefehl ertheilr, jede weitere Klage abzuweisen. Nach Alexander s Tode versprachihm der Großsürst Begnadigung, wenn er in einem unterwürfigen Schreiben dasGestandniß seines Unrechts ablegen wolle. N. zog solcher Demüthigung die Ge-fangenschaft vor. Vergebens baten seine Freunde für ihn, vergebens verkaufte erseine Güter in Polen, um einen andern Wohnsitz wählen zu können, und ebensowenig konnte er seine Freiheit erlangen, als er, nachdem er in Posen Güter ange-kauft hatte, dem Kaiser Nikolaus den Eid der Treue verweigerte. Sein Bruderthat ohne Erfolg einen Schritt bei dem Kaiser, als dieser in Warschau sich krönenüeß. ,.Sie wissen", war die Antwort,worauf es ankommt, und Ihr Bruderkennt die Bedingungen, unter welchen er sich seine Freiheit verschaffen kann." DieRevolution erlöste ihn. Er ging nach Warschau und wurde einige Zeit nachhervon Chlopicki ins Ministerium berufen. In der Sitzung vom 30. Jan. 1831,welche eine Nationalregierung begründete, erhielt er das Ministerium des Innern,er aber war der Einzige unter seinen Amtsgenossen, der nicht Mitglied einer Kam-mer war, weil er seit dem Verkaufe seiner Güter kein Eigenthum mehr in dem Kö-nigreiche besaß. An den Arbeiten der Ausschüsse nahm er dagegen thätigen An-theil, und er brachte durch seinen Einfluß die Gesetze vom 19. und 26. Febr. zurAbstimmung, welche die Nationalversammlungen im Auslande anordneten undfür gültig erklärten. Er blieb den Grundsätzen der constitutionnellen Monarchie imSinne Benjamin Constant's unerschütterlich treu, weshalb man ihm und seinengleichgesinnten Freunden häufig den Namen Benjaministen beilegte. Seiner Festig-keit war es vornehmlich zuzuschreiben, daß die Nationalregierung, deren Mitglied erwar, sich während ihrer Dauer in dem Kreise strenger Gesetzlichkeit hielt. Gegen