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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
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Niemojewski

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Niederlanden nicht ohne Erfolg gepflegt. Daß der Flötenspieler Drouet und derViolinist Beriot beide Niederländer sind, jener aus Amsterdam, dieser aus Löwen,mag beilausig erwähnt werden, aber Holland besitzt fortdauernd manche ausgezeich-nete Talente, von welchen die Mehrzahl aus Einheimischen besteht. Gertruds vanden Berg im Haag, eine Deutsche, aber seit ihrer frühen Jugend in Holland; Cla-sina van Brüssel aus Amsterdam; van Gelder, Zögling der Musikschule zu Amster-dam; Födor, Mitglied des niederländischen Instituts; Mühlenfeldt, Musikdirektorin Rotterdam, ein Deutscher; Fräulein Franco Mendes in Amsterdam gehören zuden vorzüglichsten Klavierspielern. Ausgezeichnete Violinisten sind Kleine in Amster-dam; Lübeck, Hofkapellmeister und Direktor der Musikschule; Bon und Tours inRotterdam; vorzügliche Violoncellisten, außer dem unlängst verstorbenen Rauppe,Franco Mendes aus Amsterdam und Gans in Rotterdam. Unter den Flötenspie-lern steht van Boon aus Utrecht, jetzt in Amsterdam, an der Spitze. Zwar ist un-ter den Componisten noch keiner zu klassischer Vollendung gelangt, doch hat Wilmsdurch seine Compositionen holländischer Volkslieder verdienten Beifall gewonnen.Bertelman, Lehrer der Composition an der Musikschule, ist ein gründlicher Conlra-punktist und hat durch sein Requiem seine Tüchtigkeit bewährt. Van Bree hatm verschiedenen Compositionen und van Cate in der holländischen OperSeid undPalmira" viel Talent gezeigt. Die Kunst des Gesangs wird fleißig ausgebildet,der Chorgesang. Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Haag haben

vor.

Sangervereine. Im Haag und in Amsterdam sind königliche Musikschulen, vonwelchen diese vorzüglich zur Bildung von Theatersängern bestimmt ist, beide aberden Sinn für Musik verbreiten. Rotterdam, Delst, Utrecht und andere Städtebesitzen Singschulen, welche für die musikalische Bildung bereits wohlthätig gewirkthaben, deren Fortschritte sich auch in der Ausführung von Kirchencompositionen inverschiedenen Städten zeigen Das Nationaltheater verrath ein löbliches Streben,doch muß es sich meist auf Übersetzungen beschränken, da die Zahl holländischerOriginalopern sehr gering ist. Der Volksgeschmack neigt sich der deutschen Musikzu, und zwar entschieden in Städten, wo es keine französischen Theater gibt, beson-ders in Rotterdam, und wiewol man auch Rossini und Auber huldigt, so scheintsich doch einige Selbständigkeit in Holland zu entwickeln. In den südlichen Nie-verlanden ist der Geschmack durchaus französisch und die Tonkünstler in Belgien,meist Franzosen, folgen nur den Mustern ihrer Heimat. (74)

Niemojewski (Vincenz), stammt aus einer seit dem 16. Jahrhun-derte wegen ihres Patriotismus berühmten Familie und ward am 5. Apr.1781 zu Slupia in Großpolen geboren. Nachdem er im Piaristencollegium zuWarschau eine gründliche Vorbildung erhalten hatte, ging er !800 nach Deutsch-land, um in Halle und Erlangen die Rechte zu studiren, und übernahm, da seinStammgut unter preußischer Herrschaft lag, zur weitern Ausbildung seiner Kennt-nisse ein Ehrenamt bei der Regierung zu Kalisch. Als nach der Schlacht bei Jenadie Hoffnungen der Polen neu belebt wurden, berief ihn Dombrowski in den Ver-waltungsrath und er leistete bis zur völligen Einrichtung des Herzogthums War-schau nützliche Dienste, worauf er sich aber auf seine Güter zurückzog, um in länd-licher Abgeschiedenheit sich dem Studium der Staatswissenschaften zu widmen, bisihn 1818 seine Mitbürger zum Landboten bei dem Reichstage des neuen König-reichs Polen erwählten. So lange die Verwaltung sich nur einige minder bedeu-tende Eingriffe in die Verfassung erlaubte, zeigte sich N., wie die übrigen patrioti-schen Landboten, versöhnlich gegen die Regierung, als aber zuerst die Preßfreiheitgefallen war und die Reaktion entschiedener hervortrat, wurde N. der kräftigste Füh-rer der Opposition.Ich weiß", sagte er 1820 in der Landbotenkammer,daßvomCapitol bis zum tarpejischen Felsen nur ein Schritt ist, aber nichts kann mich ab-halten, die Wahrheit zu sagen. Die Constitution ist Eigenthum des Volkes, der