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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
278
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278 Niederländische Literatur und Kunst

net, daß bei Ausbesserungen der Häuser die gothischen Giebel und die vorspringen-den, die engen Straßen verdunkelnden Erker weggeschafft werden sollten; aber erstnach der wiedererlangten Unabhängigkeit wurde diesem Übelstande allgemein abge-holfen, und die Stadt hat in den letzten Jahren das heiterste Ansehen erhalten. Aufdem Lande sind die Fortschritte noch sichtbarer, und in dieser Beziehung hat Nord-niederland seine alte Überlegenheit nicht verloren. Ein großer Theil der ehemaligenLandhauser war während der Zeit des gesunkenen Wohlstands, besonders nach derVereinigung mit Frankreich, niedergerissen worden, und man könnte sich dieserWirkung der unglücklichen Zeit freuen, wenn man sieht, daß überall neue geschmack-vollere Wohnungen auf den Trümmern der alten sich erhoben haben Auch dieöffentlichen Spaziergange einiger größern Städte verdienen Erwähnung, und be-sonders ist Arnheim durch die Umwandlung seiner alten Wälle in anmuthige Anla-gen verschönert worden. Harlem hat durch die geschmackvollen und großartigenAnlagen in dem nahen Gehölz (Haarlemmerhout) schöne Umgebungen gewonnen,und in Utrecht werden jetzt ahnliche Umwandlungen vorbereitet; vorzüglich aberverdankt Haag den neuen Schöpfungen in seinem prächtigen Walde, welche dieSpaziergange mit den Dünen und dem Meere verbinden, den schönsten öffentlichenGarten, den irgend eine Hauptstadt besitzt Es ist jedoch nicht zu leugnen, daß dieBaukunst im höhern Sinne keineswegs einen völlig befriedigenden Anblick gewährt.Große und prachtige Paläste und öffentliche Gebäude erheben sich zwar überall; aberabgesehen von Bequemlichkeit und Annehmlichkeit, die mehr als je beachtet werden,läßt sich mit Grund bezweifeln, ob der Styl dieser Gebäude rein sei, ob die Schön-heit der äußern Architektur mit den Überresten des elastischen Alterthums oder auchnur der nächst vorhergegangenen Jahrhunderte verglichen werden könnte; wiewolmehre Gebäude, z. B. die Paläste des Prinzen von Oranien zu Soestdijk und zuTervueren, das Univecsitatsgebäude zu Gent, die Schauspielhänser zu Brüssel undLüttich auszuzeichnen sind. Die Sculptur ist auch in der Zeit des höchstenKunstruhms der Niederlander unter ihnen me zu bedeutender Ausbildung gekom-men, woran sowol örtliche Verhältnisse als die politischen und religiösen Einrich-tungen des Landes Schuld waren, und die Kunstgeschichte nennt nur einige Na-men von Holländern und Belgiern, die zur Auszeichnung gelangten. In neuernZeiten aber hat diese Kunst besonders in Belgien sich erhoben, wo Parmentier undCalloigne geachtete Namen sind. Royer im Haag und Gabriel in Amsterdamsind tüchtige Künstler, und Kessels, jetzt in Italien, erregt große Erwartungen.Die niederländische Malerschule hat in der neuern Zeit sowol in den südlichenals in den nördlichen Provinzen gleichzeitig einen Aufschwung genommen, der dieHoffnung erweckt, daß sie des alten Ruhmes sich wieder würdig machen werde.Besonders zeigte sich in Antwerpen ein glückliches Streben, das durch eine treff-liche Akademie belebt wurde. Die Kunstausstellungen gaben vorzüglich in Gent,Antwerpen, Haag, Brüssel Beweise erfreulicher Fortschritte, als die neuesten Er-eignisse auch hier störend einwirkten. Unter den neuen Malerck sind, außer denschon länger bekannten Künstlern wie van Os, Pieneman, van Bree, Schotels,vorzüglich Lans, Odevaern, de Lelie, van Strij, Bauer, Schouman, Paelinck,Navez, Jelgerhuis und die beiden Krüseman mit Auszeichnung zu nennen. Be-sonders hat sich auch die echt niederländische Kunstgattung, die Genremalerei, durchdas Verdienst technischer Vollendung zu den Vorzügen der alten Schule erhoben.Auch der 1831 in München gestorbene Landschaftmaler Cogels gehörte durch Ab-stammung und Bildung der neuern niederländischen Schule an. Die Kupfer-stechkunst besaß in der neuesten Zeit an Vinkeles und van Senus, beide aus Am-sterdam, ausgezeichnete Talente, als der Tod sie zu früh ihrer Laufbahn entriß.Der junge Künstler de Mare, der den ersten Preis der Akademie gewann und jetztim Auslande sich bildet, erweckt große Hoffnungen. Die Musik wird in den