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Dritter Band (1833) M bis R
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277
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Niederländische Literatur und Kunst 277

unermeßlicher Reichthumsanhäufungen und vorzüglich der Erhebung hervorragen-der Großen entgegenwirkte. Nur wenige Kirchen und andere öffentliche Gebäudemachen eine Ausnahme, die aber keineswegs mit den großartigen Kirchen des Mit-telalters und einigen Bauwerken des 17. Jahrhunderts, z. B. dem Moritzpalaftim Haag und dem ehemaligen Stadthause zu Amsterdam, verglichen werden kön-nen. Bequemlichkeit und Reinlichkeit wurden immer mehr das eigenrhümliche Ge-präge der hollandischen Baukunst; nirgend Großartigkeit, nirgend auch nur Zierlich-keit, als insofern sie mit Haus icher Annehmlichkeit nothwendig verbunden war. Fastnur einige Landhäuser zeichneten sich als schöne Bauwerke aus, unter welchenHope's Haus den ersten Rang behauptet. Aus dieser vorhecrschenoen Neigung zuländlichen Bauanlagen ist der Umstand zu erklären, daß die in England geschaffeneneuere Gartenkunst unter den Holländern, trotz allen natürlichen Hindernissen,eine allgemeinere Verbreitung gefunden hat als selbst in ihrer ursprünglichen Hei-mat. Einförmige Ebenen, öde Heiden sind mehr als in irgend einem andern Landein reizende Anpflanzungen umgewandelt worden. Hollands Wiedererhebung unddie Bildung des Königreichs der Niederlande gaben auch der Kunst in allen Thci-len d>s Landes einen mächtigen Aufschwung. Die Zunahme des Wohlstandes,die in Vergleichung mit der zunächst vergangenen Zeit ausfallend war, der Schutzder Regierung, begünstigt durch die monarchische Einheit und bereitwillig ge-währt von einem Fürsien, der auf diesen friedlichen Ruhm stolz war, wie von sei-ner kunstliebenden Gemahlin, die Begeisterung des holländischen Volkes nachden wiedererlangten Unabhängigkeit und die Zufriedenheit des bessern Theilsder Belgier, die sich einer lange entbehrten Nationalität erfreuten: all diese Um-stände erklären diese allgemeine Erhebung. Die Baukunst in allgemeiner Bedeu-tung gibt Zeugm'ß von Viesen Fortschritten. Der früher schon in den nördlichenProvinzen so treffliche Kanalbau erhielt wesentliche Verbesserungen, seit der allge-meine Aufschwung durch jene Einheit und Zusammenwirkung begünstigt wurde,die man in den Zeiten der republikanischen Herrschaft nicht gekannt hatte. Diesehr unvollkommenen Heersiraßen, deren Verbesserung nicht nur landschaftlicheAbgeschlossenheit, sondern selbst dieBeschaffenheit des niedrigen, fast überall schwan-kenden, von Flüssen und Kanälen durchschnittenen Bodens große Hindernisse ent-gegengesetzt hatte, wurden nach dem Muster der belgischen in prächtige Kunststraßenumgewandelt, so viel die Ortlichkeit es erlaubte. Die südlichen Provinzen theiltendie Vortheile der Centralisation, die sich dort in kräftiger Thätigkeit zeigte; undso verbreitete sich allmälig über das ganze Königreich ein Netz von Land- und Was-serwegen, wie es wol nie der Gewerbsamkeit und dem Handel in irgend einem Lan-de sich darbot. Die Wiederbelebung der Kunst hatte besonders auch auf Schier«ßen und Wasserbauten einen wohlchätigen Einfluß. Die bürgerliche Baukunstzeigt gleiche Fortschritte. Vor der Bildung des Königreichs der Niederlande warmdie nördlichen Provinzen in dieser Hinsicht den südlichen um zwei Jahrhundertsvorgeschritten; seitdem aber wurden hier im Vertrauen auf die Gegenwart undin der Hoffnung auf die Zukunft die Verbesserungen eingeführt, die dort im Laufejener Jahrhunderts sichtbar geworden waren, und mehre belgische Städte, diefrüher hinter den holländischen zurückgestanden hatten, sollten sich bald über dieseerheben. Auch in Nordniederland aber verschönerten sich immer mehr die StädteUnd ihre Umgebungen. Zwar sieht man dort nicht jene großartigen Anlagen, diein Brüssel, in Lüttich und andern belgischen Städten neue Scadttheile geschaffenund das ganze frühere Ansehen derselben umgewandelt haben; aber dessenungeach-tet wird das Auge des Reisenden sowol durch Verschönerungen der Straßen als dereinzelnen Gebäude erfreut. Besonders hat sich in dieser Hinsicht Leeuwarden, diereiche und blühende Hauptstadt Frieslands, vor andern Städten Nordniederlandsausgezeichnet. Schon während der französischen Herrschaft wurde 1811verord-