276 Niederländische Literatur und Kunst
dam und Ontijd im Haag auszuzeichnen. Die mathematischen Wissen-schaften haben in der neuesten Zeit an van Swinden zu Amsterdam einen berühm-ten Pfleger verloren, der unter Napoleon's Herrschaft nach Paris berufen ward,um an den Berathungen über die neue Einrichtung des Maßes und Gewichts An-theil zu nehmen und in einem trefflichen Berichte den entworfenen Plan entwickelte.Unter den lebenden Mathematikern stehen in der ersten Reihe Krayenhoff undHuguenin, de Gelder, Professor zu Leyden, und van Marum, Secretair derAkademie der Wissenschaften und der Teyler'schen Gesellschaft zu Harlem. Rühm-lich eifern ihnen nach Garnier, Professor zu Gent, van Rees, früher Professorin Lüttich. jetzt in Utrecht, und Uylenbroek in Leyden, der jetzt handschriftlich hin-terlassen? Werke des großen Huygens herausgibt. Um die Astronomie habenQuetelet in Brüssel, Moll und van Utenhove, Beide in Utrecht, van Beek inAmsterdam sich verdient gemacht. Die Naturwissenschaften besitzen inPaals van Troostwijk zu Amsterdam den einzigen Überlebenden der einst berühm-ten holländischen Chemiker Van Möns und Parmentier in Belgien sind geach-tete Namen. Stratingh, Professor in Groningen, ist jetzt vielleicht der vorzüg-lichste Chemiker in den Niederlanden Neinwardr, Professor in Leyden, hat sichum die Naturgeschichte und insbesondere die Botanik sowol durch seine gelehrtenUntersuchungen als durch seine ergebnißreiche Reise nach Indien große Verdiensteerworben. Der Bruder des oben genannten Arztes van der Hoeven, Professorin Leyden, widmet sich der Zoologie mit großem Eifer. Die speculative Philo-sophie ist in der neuesten Zeit in Holland wenig beachtet worden und in Belgienkann davon gar nicht die Rede sein. Zur Geschichte der Philosophie hat van derHeusde in seinen nicht blos dem Philologen schatzbaren Untersuchungen Beitragsgeliefert. Kinker hat sich nach van Hemert durch die Verbreitung der neuern phi-losophischen Systeme der Deutschen Verdienste erworben, ohne dabei den selbstän-digen Forscher zu verleugnen. Unter den jungem Gelehrten ist Schröder, Profes-sor in Utrecht, ausgezeichnet. In der Geschichte ist abermals van Heusdeals der tüchtigste Kenner des Alterthums zu nennen. Stuart, der für die Erzäh-lung der römischen Geschichte 30 Bande brauchte, ist unlängst gestorben. Unterden neuesten Bearbeitern des gesammtcn Gebiets der Geschichte, besonders derLandesgeschichte, sind vorzüglich Scheltema, Kampen und de Ionge in Hollandund Dewe; in Belgien zu erwähnen Die Staatswirthschaftslehre hatdurch verschiedene Schriften über Angelegenheiten des Tages manche schätzbareAufklärung erhalten, ist aber besonders durch das wichtige Werk des Grafen vonHogendorp: „Betrachtungen über die polirische Ökonomie", gefördert worden, dassowol durch die darin enthaltenen Untersuchungen als durch die Anregung zu neuenForschungen wohlthätig gewirkt hat.
Die Kunst theilte nicht das Schicksal, das die Literatur in den südlichen.Provinzen der Niederlande in tiefen Verfall brachte. Der Generalgouverneur derZstrcichischen Niederlande, der Herzog Albert von Sachsen-Teschen, und seine Ge-mahlin Marie Christine zierten Brüssel mit Bauwerken im edelsten Styl. DieMalerei, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts überall in Europa ver-fallen war, erhob sich vorzüglich wieder in Antwerpen. Die nördlichen Pro-vinzen waren in dieser Hinsicht, wie das übrige Europa, in Lethargie versunken.
Seit van Huysum, dem ersten Blumen- und Fruchtmaler in Europa, hatte Hol-land bis auf die neueste Zeil keinen ausgezeichneten Maler. Die Baukunst schuf >dort kein bedeutendes Werk. Setzten die Natur des Bodens und der gänzlicheMangel einheimischer Baustoffe der Hervorbringung großer Bauwerke machtigeSchwierigkeiten entgegen, so lag ein nicht minder wirksames Hinderniß in den re- ^publikanischen Einrichtungen, in dem Geiste der Gleichheit, der zwar einen bedeu-tenden allgemein verbreiteten Wohlstand herbeiführte, aber zugleich der Entstehung