Niederlande seit dem Jahre 1829 271
erlassen werden soll, ausgerüstet und auf dem Kriegsfuße erhalten; er hat seine'DG, Seemacht vermehrt und in den Colonien einen kostbaren und blutigen Krieg ge-führt. Dabei behauptete das Königreich fortwahrend eine Achtung gebietendest die ^ Stellung. Im russisch-türkischen Kriege 1829 war der niederländische Gesandtest'eG . in Konstantinopel ein umsichtiger Vermittler der europäischen Interessen; 12steGnk !- niederländische Kriegsschiffe schützten damals den Handel im mittelländischen Meeregegen kühne Piraten. In Ostindien war jedoch die Lage Niederlands eine Zeitlangsehr schwierig. Der neue Generalgouverneur van den Bosch, welcher im Mai1829 Nachfolger des Herrn van der Capellen wurde, sollte die Empörungen aufJava dampfen, die Beschwerden der holländischen Unterthanen erledigen und dengesunkenen niederländischen Handel in Ostindien von Neuem beleben. Der kühneJnsurgentenhäuptling Diepo Negoro hatte nämlich 1829 abermals die Fahne derEmpörung auf Java erhoben und konnte erst nach mehren Niederlagen 1830 zurUnterwerfung genöthigt werden. (Er lebt jetzt unter Aufsicht im Fort Menado aufEelebes.) Der Kaiser von Solo ward 1831 nach Amboina gebracht, und das Landam Soloflusse mit der Colonie vereinigt. Auch auf Sumatra wurde die nieder-ländische Herrschaft erst nach langem Kampfe behauptet und befestigt. Daß aberunter diesen Umständen auch die 1829 erfolgte Besitznahme und Gründung einerFestung Dubus auf Neuguinea von Java aus habe behauptet und befestigt werdenkönnen, ist nicht wahrscheinlich. Die Blüte des Handels entfaltet sich nicht durchErweiterung des Colonialgebiets, sondern durch die zweckmäßige Verwaltung des-selben. Die Kraft des Reiches selbst ruht nicht in fernen Welttheilen, auch nicht aufdem Meere, sondern in Altniederland auf dem Charakter, demMuthe und dem Ge-meingeiste eines alten edeln Volkes. Der Niederländer und sein König haben sichihrer Väter würdig gezeigt, und die Kräftigkeit des niederländischen Staats in derjüngsten Gefahr erinnert an Temple's Worte. „Nie hat ein Staat", sagt dieser großeStaatsmann — der Stifter der Tripleallianz, welche Ludwig XI V. stolze Ent-würfe vereitelte — „eine so rauhe Erziehung in seiner Kindheit, in seinen Jüng-lingsjahren so viel Gewöhnung an Gefahr und Arbeit gehabt; doch sind dies Dinge,welche die Leibesconftitution zu befestigen und zur Gesundheit beizutragen pflegen."
So hat der neueste staats- und völkerrechtliche Kampf Niederlands mit Belgienund Europa die Manneskraft eines Staats bewährt und gestählt, den die Reforma-tion und derHandel, den Wissenschaft, Kunst, Gesetz und Freiheit geschichtlich großerzogen haben. Außer den bei dem Art. Belgien und dem Art. LondonerCon-ferenz angeführten Schriften und Aktenstücken, nennen wir noch drei Darstellun-gen der neuesten Begebenheiten aus dem belgischen Standpunkte: den Aussatz im„Ltiiliburgll review", Jan. 1833; Nothomb 's „Tsssi 8UI la rävolntion(Brüssel 1833); und „1^>a öelnflyue «ck I» llollantle. lettre ü l^orck Xbercieen,psr Victor äe la Narre" (Brüssel 1832). Für Holland haben Ch. Durand undMünch mehre Artikel in öffentlichen Blättern geschrieben; insbesondere Ch. Du-rand : „I)ix jours cke campaAne, ou la Holiamle en 1831" (Amsterdam und Ley-den). Noch aber ist keine gründliche Darstellung erschienen, aus dem objectivenStandpunkte, auf welchen sich der Verfasser der schon angeführten Flugschrift:»Noch ein Wort :c.", erhoben hatte. Über das verwickelte niederländische Finanz-system (Decennal- und jährliches Budget und Syndicat) hat das Beste einDeutscher, Oslander, der seit längerer Zeit in den Niederlanden ansässig ist,anonym geschrieben: „Geschichtliche Darstellung der niederländischen Finanzenjeit der wiedererlangten Selbständigkeit des Staats im Jahre 1813" (Am-sterdam 1829). Sie geht bis zum Jahre 1830 und ist vom Verfasser auch"ms Französische übersetzt (Ebend. 1830). Der Verfasser hatte früher eine „Be-leuchtung des Kampfes über Handelsfreiheit und Verbotsystem in den Nieder-landen" herausgegeben. Zur Kenntniß des Landes und seiner Bewohner ist