Niederlande seit dem Jahre 1829 263
schnitten. Am folgenden Tage (8. Aug.) griff der Prinz von Oranien die Maas-armee (12,000 Mann und 24 Stück Geschütz) unter dem General Daine beiHasselt an; im Augenblick wurden sie aus der Stellung bei Curange geworfen;General Daine räumte Hasselt; zwei hollandische Dragonerregimenter mit vierStück Geschütz warfen sich auf seine Nachhut, ein panischer Schrecken löste dieGlieder der Belgier auf und General Daine sammelte seine Scharen erst in Ton-gern und Lüttich. In letzterer Stadt proclamirte der Gouverneur der Provinz,Tielemans, die Maasarmee sei nicht geschlagen, nur ein grundloser Schreckenhabe sich ihrer bemächtigt u. s. w. Es ist wahr, den Sieg bei Hasselt hatten dieNiederländer blos mit einigen Kanonenschüssen erkämpft. Ohne einen Mann Ver-lust zu haben, machten sie 400 Gefangene und erbeuteten über 3000 Gewehre,7 Kanonen, 10 Munitions- und 30 Gepäckwagen. Die Maasarmee war nichtmehr, und Daine's Flucht nach Tongern hatte den Holländern die Straße nachTirlemont und Löwen geöffnet; der Prinz von Oranien nahm schon am 10. seinHauptquartier in Tirlemont. Unterdessen war der König Leopold bereits am 7. inLöwen eingetroffen, wo er am 8. und 9. die 20,000 Mann starke Scheldearmeeconcentrirte. Unter ihm befehligten die Generale Tielen von Terhove, Niellon,Goblet und Andere. Ehe aber noch das französische Heer, das schon mit 15,000Mann bei Wavre stand, einschreiten konnte, erfochten die Holländer am 12. Aug.unter dem Prinzen von Oranien einen entscheidenden Sieg bei Löwen, warfen dasgeschlagene belgische Heer in diese Stadt zurück, besetzten die Straßen nach Namur,Tervueren und Brüssel, drangen gegen Mecheln hin vor und nöthigten dadurchden König Leopold, das Heer hinter Löwen, in welche Stadt schon Kugeln sielen,zurückzuziehen, und sich selbst, da er von Brüssel abgeschnitten war, über Mechelnin seine Hauptstadt zu begeben. Schon war der Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar mit der zweiten Division gegen Brüssel bis auf zwei Stunden vorgedrun-gen und hatte auf dem Pzerenberge (Moni 3e 1er) seine Stellung genommen, alseine Capitulation auf dem Pellenberge bei Löwen am 12. Nachmittags zu Standekam, nach welcher die belgischen Truppen Löwen räumten, diese Stadt am 13.den holländischen Truppen übergaben und die Feindseligkeiten bis zum 13. Mittagseingestellt wurden. An demselben Tage rückten zwei französische Regimenter inBrüssel ein, wo sie als Retter mit Jubel empfangen wurden. Lord William Rüs-sel, der ein Schreiben des englischen Gesandten in Brüssel, Sir Robert Adair,an den Herzog von Sachsen-Weimar überbrachte, hatte den Wassenstillstand vor-geschlagen, und Sir Robert kam selbst am 12. zu dem Prinzen von Oranien, umden Vertrag zu bewirken. Als nun der Prinz auch durch den französischen Gesand-ten Grafen Belliard von dem zwischen dem König der Niederlande und Frankreichgetroffenen Übereinkommen, nach welchem das niederländische Heer, auf den Fallder Dazwischenkunft eines französischen Heers, in das alte Grundgebiet Nordnie-derlands sich zurückziehen sollte, unterrichtet worden war, so verließ er Löwen am14., und führte sein tapferes Heer, das in einem 12tägigen Feldzuge den bel-gischen Übermuth gedämpft, die Maasarmee vernichtet und das Scheldeheer gänz-lich geschlagen hatte, nach Nordbrabant in seine Stellung vor dem Kriege zurück.Er hatte durch seinen Heldenmurh die früher in Antwerpen verscherzte Liebe derNation wieder gewonnen. Die französischen Truppen räumten Belgien erst am26. Sept.
Der glorreiche Kampf und die würdige Haltung des niederländischen Volkesmachten auf die öffentliche Meinung in Deutschland und England einen tiefenEindruck. Das 34. Protokoll der londoner Conferenz ordnete jetzt einen sechs-wöchigen Waffenstillstand zwischen Holland und Belgien an, und am 20. Ott.ward beiden Theilen ein Schlußprotokoll, nebst einem von den fünf Mächten ver-bürgten Friedensvertrags in 24 Artikeln, vorgelegt. Belgien nahm den Tractat