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Niederlande seit dem Jahre 1829 259
27. in Antwerpen ein, das der Prinz von Oranien, nach Erlassung eines sehr wohl-wollenden Abschieds an die Belgier, schon vorher verlassen hatte, und die Hollän-der, von allen Seiten, schon am 26. von Antwerpens Einwohnern angegriffen,wurden gezwungen, sich am 27. mit Verlust in die Citadelle zurückzuziehen. Wiehierauf der Bruch des Waffenstillstandes und der tollkühne Angriff der Antwerpe-ner auf dieses Bollwerk der Scheide das Unglück Antwerpens durch das Bombar-dement am 27. zur Folge hatte, ist im Artikel Belgien erzählt worden. Nunwar an keine Aussöhnung zwischen dem Haufe Oranien und den belgischen Macht-habern zu denken. Der schmerzlich enttäuschte, von den belgischen Blättern ver-leumdete*) und von den Holländern wegen seiner Proklamation vom 16. Ott. hef-tig getadelte Prinz von Oranien eilte nach dem Haag, um sich bei dem Könige zuentschuldigen, hierauf über Rotterdam (am 2. Nov.) nach England, wo die Eon-ferenz in London am 1. Nov. zusammengetreten war, um die belgische Trennungs-und Unabhängigkeitsfrage schiedsrichterlich zu vermitteln. Ihr Erstes war, demKriege zwischen Nord- und Südniederland Einhalt zu thun. Die Holländer warenauf Vertheidigung beschränkt und schützten sich gegen den kleinen Krieg der zucht-losen belgischen Scharen durch Überschwemmung; auch erklärte der König die ganzeKüste von Westflandern in Blockadestand. Durch einen kühnen Handstreich undim Einverständniß mit den empörten Einwohnern bemächtigten sich die Belgieram 10. Nov. der Festung Venloo, welche nur 500 Mann Besatzung hatte. Balddarauf (16. Nov.) mußte der einflußreichste Beschützer der bisherigen Ordnung,der Herzog von Wellington, nebst allen Ministern aus der britischen Reichsver-waltung treten. Der König Wilhelm und sein Ministerium sahen sich jetzt in einesehr verwickelte Stellung versetzt. Holland mußte die Lasten der ungeheuer»Staatsschuld allein tragen; es mußte die Kosten der Ausrüstung eines Linienheersund der Schutterei bestreiten, die Seemacht verstärken und unterhalten, den Kriegmit den in Aufruhr befindlichen Vasallenfürsten auf Java und Sumatra führen;es sah sich von seinen Bundesgenossen und von den Mächten verlassen, welche dieBürgschaft der Staatsverträge übernommen hatten, die jetzt, nach Anerkennungder belgischen Unabhängigkeit, im Interesse Frankreichs und im Sinne der euro-paischen Friedenspolitik aufgehoben und durch schiedsrichterliche Protokolle ersetztwurden. Es sah sich endlich von dem revolmionnairen Geiste, der die Völker Eu-ropas bewegte, und von der öffentlichen Stimme in England bedroht, verleumdetund in Voraus verurtheilt! In dieser verzweiflungsvollen Lage konnte den kleinenStaat nur die weise Standhaftigkeit seines Königs, die vollkommenste Eintrachtzwischen Volk und Regierung, die sittliche Begeisterung einer religiösen aufgeklar-ten Nation, der Heldenmuth des Heers und der folgerichtige Gang einer klugenStaatskunst von Demüthigung und Untergang retten. Alle diese Rettungskräfteaber sah Europa in dem kleinen unbeachteten Holland vereinigt, und allmälig ver-wandelten sich Gleichgültigkeit, Geringschätzung, Vorurtheil in Achtung undBewunderung für Altniederland. Das erste Mittel der Rettung war Zeitgewinn,und diesen erlangte das haager Cabinet durch seine Diplomatie. Das zweite warCredit, um Hülfsquellen für den Widerstand bereit zu halten, und diese wurdendurch Anleihen bei der Nation selbst eröffnet.
Den von der Conferenz vorgeschriebenen Waffenstillstand nahm König Wil-helm am 21. Nov. an, ohne jedoch deshalb mit Belgien eine Übereinkunft abzu-schließen. Es bestand also nur eine Einstellung der Feindseligkeiten. In Folgederselben wurde die Schelde der Schiffahrt geöffnet, und von den Belgiern dieBlockade der Festung Mastricht, sowie von Holland die Blockade der flandrischen
Schon 1829 hotte der von einem Italiener am 26. Sept. verübte und erst1831 in Neuyork entdeckte Di bstahl der Diamanten der Prinzessin von Oranienzu einer Menge unsinniger Gerüchce Anlaß gegeben.
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