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Dritter Band (1833) M bis R
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Niederlande seit dem Jahre 1829

cr durch Mitwirkung aller guten Bürger in den aufrührischen Provinzen die Herr-schaft wiederherzustellen hoffe; er wolle jedoch die Generalstaaten auffodern, dieUebel, über welche Belgien seufze, zu untersuchen und die Frage zu beantworten:ob es thunlich sei, die durch Tractate wie durch das Grundgesetz bestimmten Verbin-dungen zwischen den beiden Theilen des Reichs ihrer Form und Natur nach abzuän-dern? Auch wandte er sich (7. Sept. 1830) an die Machte, welche den Tractat zuParis am 30. Mai 1814 und den mit ihm am 31. Mai 1815 geschlossen hatten,mit dem Verlangen, ihre Aufmerksamkeit auf solch eine Abänderung des Grund-gesetzes zu richten, die von den Generalstaaten durch den Plan einer Trennung derVerwaltung Belgiens und Hollands vorgeschlagen werden konnte; zugleich ersuchteer sie, ihre Bevollmächtigten für diesen Zweck in dem Haag zu versammeln. HUnterdessen hatte aber auch die belgisch - französische Partei Abgeordnete mitVollmachten nach Paris gesendet, um die französische Regierung zur Unter-stützung der belgischen Sache zu bewegen. Hier waren die Propaganda und dieKriegspartei, welche auf Wieoererlangung Belgiens und der R.^eingrenze hin-arbeiteten, sehr thatig für die belgische Unabhängigkeit, und die Regierung des aufseinem Throne noch nicht befestigten Ludwig Philipp's ließ es geschehen, daß inParis Bureaus eröffnet wurden, wo Freiwillige Empfehlungen an die provisori-sche belgische Regierung nebst Waffen und Uniformen erhielten.

Die außerordentliche Versammlung der Generalstaaten, welche über dieTrennungsfrage entscheiden sollte, war bereits am 13. Sept. 1830 im Haag vondem Könige mit einer Rede eröffnet worden, in welcher er unter Anderm sagte:Von vielen Seiten meint man, daß das Heil des Staats durch eine Revisiondes Grundgesetzes und selbst durch eine Absonderung von Provinzen, welche durchVertrage und Grundgesetze vereinigt sind, befördert werden würde. Jndeß kanneine solche Frage nur unter den Formen erwogen werden, welche das Grundgesetzbefiehlt... . Vollkommen bereit, allen billigen Wünschen entgegenzukommen,werde ich nie dem Parteigeiste ein Zugeständniß machen, noch Maßregeln meineZustimmung verleihen, welche die Interessen der Nation der Leidenschaft und derGewalt preisgeben würden." Der Präsident, Eorver-Hoost, rheilte hieraus derVersammlung eine königliche Botschaft mit, welche eine schnelle, gründliche undaufrichtige Beantwortung folgender zwei Fragen verlangte: 1) Hat Erfahrungdie Nothwendigkeit dargethan, die Nationalinstitutionen abzuändern? 2) Mußin diesem Falle die durch das Grundgesetz und durch Tractate zwischen den beidenTheilen des Reiches bestehende Verbindung in ihren Formen ober in ihrem Wesengeändert werden ? Bei den Verhandlungen über diese Frage schien die holländischePartei die Oberhand zu gewinnen; allein es war mehr Nationalabneigung, die zsich kundgab, als Widerspruch gegen die Trennung. Holland, sagten die Am-sterdamer und Rotrerdamer, hat seit 15 Iahren nichts gewonnen als römischeIntriguen und französische Sitten, die für unsere Natur nicht passen; dagegen hatHolland zum Besten der Undankbaren einen Theil seines Handels eingebüßt. Es

ist wahr, daß wir für die Staatsschuld mehr Zinsen aufzubringen haben werden;

das können wir durch Zölle von den Belgiern wieder einnehmen; zudem entgehen»wir den großen Ausgaben, welche die Unterhaltung der belgischen Grenzfestungen ^gegen Frankreich jahrlich erfodert; auch die alleinige Benutzung der Colonienkommt in Gegenrechnung. Diese Colonien haben den Wohlstand der Belgier be-gründet; ihre Manufacturen genießen dort gegen fremde eine Vergünstigung von25 Procenc zum Nachtheil Hollands, welches zum Schutz der Belgier verhindertward, mit dem Auslande zu tauschen. Nun werden Amsterdam und Rotterdamnicht mehr mit Antwerpen zu theilen haben. Wo der Belgier bisher in Holland

*) Diese Thatsache führt das , IlllmburZb revlsw", Jan. I8s3, S. 4^6, an.