Neuenburg
größtenteils aus Neuenburgern und den königlichgesinnten Landleuten bestand.Der gesetzgebende Rath wurde versammelt, die Emancipationsfrage wurde von ihm,wie es zu erwarten stand, doch mit geringer Majorität, nicht im Sinne Derjenigen,die Lostrennung des Landes von Preußen wollten, entschieden. Dieses und mancheAusschreitung der königlichen Partei brachte die Erbitterung der Republikaner oderPatrioten aufs Höchste. Die Art der Reaction selbst hatte vorzüglich in der fran-zösischen Schweiz das Volk gegen Neuenburg erbittert, die entflohenen Haupterdes Aufstandes fanden in den Cantonen Waadr und Genf günstige Aufnahme underhielten manche Ausicherungen thatiger Unterstützung Sie faßten daher denebenso unbesonnenen als gefahrlichen Entschluß, einen neuen bewaffneten Aug ge-gen die Stadt Neuenburg zu unternehmen, und unterhielten für diesen Zweck mitihren AnHangern im Lande fortwahrenden Briefwechsel. Ihr Versammlungsortwar Pverdun im Canton Waadt. Dahin begab sich am Iii. Dec der eidgenössischeRepräsentant Monod, um die bewaffnete Schar im Namen der Schweiz zu zer-streuen, kam aber am 17. mit der Nachricht, daß die Insurgenten sich im vollenAnmärsche und schon auf neuenburgischem Gebiete befänden. Diese, durch Spionebestätigte Nachricht veranlaßte den General von Pfuel, noch einige Truppen in dieStadt zu ziehen und das Land in Kriegszustand zu erklären. Der 17. vergingohne Angriff, obgleich Bourquin mit etwa 80 Waadtländern in Bevaix, dreiStunden von Neuenburg, angekommen war; da beschloß Pfuel durch plötzlichenAngriff und große Übermacht den Aufstand mit einem Mal zu unterdrücken. UmMitternacht marschirtcn 400 Mann unter dem Befehl des Obersten Perreg.auxnach den von den Truppen Bourquin's besetzten Dörfern; Cortailloud und Bevaixwurden überfallen und ohne Widerstand genommen. Unter den 60 Gefangenen,welche nach Neuenbürg gebracht und daselbst den Mishandlungen des Pöbels aus-gesetzt wurden, befand sich einer der Anführer, Rösinger. Am nämlichen Tagewurde noch eine zweite Expedition nach dem Val de Travers mir etwa 1200 Mann,die Pfuel selbst commandirte, gemacht, welche gleichfalls glückte, indem die über-raschte und geringe Anzahl der Republikaner nirgend Widerstand leisten konnte. Am19. war das Land wieder frei von Insurgenten, die Dörfer, welche es mit ihnengehalten, wurden entwaffnet, Chaux-de-Fonds, der Sitz der Jnsurrection, unterwor-fen, eine Menge Gefangene nach Neuenburg gebracht, Bourquin aber war nachFrankreich entkommen. So stellte Herr von Pfuel Ruhe und Ordnung wieder her;die eidgenössischen Repräsentanten, deren Mission erledigt war, gingen nach Hause.Nach diesem vollständigen Siege folgte die schnelle Bestrafung der Insurgenten.Rösinger wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurtheilt; des KönigsGnade verwandelte das Urtheil in lebenslängliche Festungsstrafe, und er wurde au-i ßer Landes auf die preußische Festung Ehrenbreitstein gebracht. Andere wurden zu5 — LOjähriger Kettenstrafe verdammt. Der Eifer der königlichgesinnten herr-schenden Partei ging so weit, daß später eine große Mehrheil des gesetzgebenden Ra-thes die Bitte an den König aussprach, das Band mit der Eidgenossenschaft zu lösen,der jedoch nicht entsprochen wurde; aber ebenso laut erhoben sich in Rathsälen undfreisinnigen Tagblättern Stimmen, welche foderten, daß Neuenburg, als ein Landmit Unterthanenverhältnissen, nicht länger im Bunde der Eidgenessen geduldetwerde. Neuenburg selbst verband sich mit Stadt Basel, dem Flecken Schwyz undden Cantonen Uri und Unterwalden, schloß den sarner Bund und protestirte gegenjede Veränderung des Bundesvertrags vom Jahr 1815. Die Annahme der neuen,in Luzern entworfenen, in Zürich berathenen Bundesverfassung durch die größern15 Cantone wird auch Neuenbürgs politische Stellung bestimmen. Seine gegen-wärtige ist dem Interesse der schweizerischen Eidgenossenschaft unter dem doppeltenGesichtspunkte der Neutralität und des Nationalsinns entgegen. Die Schweizaber ist nur stark durch eine kräftige Bewahrung ihrer Neutralität und durch ei-