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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
242
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242 Neuenburg

in Neuenbürg und Pfuel nahm ihnen den Eid der Treue ab. Die Verhand-lungen, welche in einem ofsiciellen Blatte bekannt gemacht wurden, gewährtenwenig Interesse; schon im Anfang Aug. wurde der Landtag, nachdem die ge-wöhnlichen Geschäfte beendigt, entlassen und der General von Pfuel reiste, mit derHoffnung, durch di/wenigen Concessionen, die den Volkswünfchen gemacht wur-den, die Ruhe auf lange Zeit gesichert zu haben, wieder ab. Aber die Ruhe warnur scheinbar hergestellt und mit Dem, was geschehen, keine Partei zufrieden. Schonim Aug. fanden auf dem Lande in der Seegegend und dem Berglande wieder po-litische Bewegungen statt; die Emancipationsfrage kam unverhohlen zur Spracheund die Parteien standen sich schroffer als je gegenüber. Sich ganzlich von Preußenzu trennen und einen selbständigen Canton der Schweiz zu bilden, war der Zweck dereinen Partei, welche die Masse des Volkes sowol am See als in den Thalern amJura für sich hatte; den alten Zustand und die Rechte des Fürsten aufrecht zu er-halten, die Absicht der andern, welche aus allen Vornehmen und Privilegirten undvielen Reichen bestand, und durch die von ihnen abhängige unterste Volksclasse,die kein politisches Interesse kennt, materiell unterstützt wurde. Auch in der StadlNeuenburg selbst fand die Emancipationsfrage unter dem Mittelstande vielen An-klang und am 12. Sept. hatte eine Mahlzeit statt, um das Vereinigungssest niirder Schweiz zu feiern. Es entstand Lärm wegen einer Patrouille, welche Leuteauf der Straße beleidigte. Die Ruhe wurde zwar wiederhergestellt; aber die Be-wegung unter der Bürgerschaft dauerte fort und mehre begaben sich zu dem Staats-rats und erklarten ihm frei die Lage der Dinge, daß jeder Widerstand vergeblichsein würde und den Bürgerkrieg zur Folge haben müßte. Am 13. Sept. rückteeine Abtheilung von mehren Hundert bewaffneten Landbürgern aus Val de Traversund der Seegegend unter der Anführung eines jungen Mannes der liberalen undschweizerischen Partei, des Lieutenants Alphons Bourquin, vor das Thor gegen Ser-rieres. Der Staatsrath Pourtales ging dahin, um die Landleute durch gütlichesAureden zum Rückzüge zu bewegen. Allein Bourquin erklarte, daß sie Alle eherzu sterben bereit wären, als ihr Unternehmen aufzugeben. Die Regierung könnenur durch ihre Abdankung Blutvergießen verhüten. Darauf zogen die Landleuteohne Widerstand in die Stadt ein, besetzten die Thore und das Schloß, bemächtig-ten sich des Zeughauses und zogen die Kanonen hervor. Der Staatsrath, seinerSchwäche sich bewußt, zog sich im ersten Schrecken nach Valengin zurück. In derStadt Neuenburg versammelten sich immer mehr Landbürger, welche zu dem Ge-schehenen ihre Zustimmung gaben. In der Hauptkirche wurde eine Art Volksver-sammlung gehalten und eine provisorische Regierung gewählt, welche aus demObersten Eourant, dem Banquier Fornachon, Obersten Droz von Brennets,Obersten Perrot, Advocat Bille, Jonas Berthoud, Calame von Motiers undSonga bestehen sollte, Männer, welche das Zutrauen des Volkes schon in den ge-setzgebenden Rath gewählt hatte, die aber größtentheils die neue Würde ablehnten.Wie nach der Stadt Neuenburg die Freunde und Anhänger der republikanischenPartei strömten, so versammelten sich die lttöniglichgesinnten in Valengin zumSchutze der dahin geflüchteten Regierung und bereiteten sich zum Widerstand. Jeneproclamirten Trennung von Preußen, Volkssouverainetät und Rechtsgleichheit,diese erklärten, die Verhältnisse mit Preußen und die bestehende Verfassung ausrechterhalten zu wollen. Eine durch Sandoz, den Präsidenten des Staatsraths, ausbeiden Parteien gebildete Eommission hatte als Vergleich vorgeschlagen: gänzlicheAmnestie des Vorgefallenen, Heimkehr aller Bewaffneten beider Parteien, Einbe-rufung von Urversammlungen, um ohne weitere Verhandlungen über die Frageder Trennung von Preußen durch geheime Abstimmung zu entscheiden. DerVergleich kam nicht zu Stande, weil die republikanische Partei darauf beharrte,das Schloß Neuenbürg mit 4M) Mann unter Bourquin besetzt zu halten. Spa-