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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
226
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226 Naturforscher-Versammlungen

Abends zerstreute man sich jedoch gewöhnlich, weil kein Gasthof in Berlin einen sogroßen Saal hat, welcher alle hätte fassen können, ein Übelstand, dem in der Folgegesteuert worden ist. Die Abendversammlungen sind für den eigentlichen Zweckder Fremden, nämlich sich kennen zu lernen, immer die vortheilhaftesten, weil siemehr Bewegung gestatten als die Mittagstafel. Am Ende der Woche unternahmdie Gesellschaft eine Fahrt nach der Pfaueninfel, wo sich viele seltene Thiers finden,und nach Potsdam, wo sie von den Honoratioren bei einem freundlichen Abend-mahl empfangen wurde. Die Medaillenmünze von Loos prägte eine geschmackvolleDenkmünze auf diese Versammlung, welcher nach und nach eine Reihe der berühm-testen Naturforscher und Ärzte folgen wird. Der Major von Ösfeld gab seineLandkarte heraus, worauf die Wohnorte aller Mitglieder der Versammlung ver-zeichnet waren. Der Bericht darüber in derIsis", 1829, Heft 3 und 4.Zuerst erschien hier ein amtlicher Bericht von den Geschäftsführern, auch einekritische Darstellung von der Wirksamkeit der Versammlung, von einem Arzte,und schon früher tägliche Berichte in den Zeitungen, besonders ein interessantervon Böttiger in derAllgemeinen Zeitung", welcher die größere Welt vonden Bestrebungen und Leistungen der Versammlung erst recht in Kennrniß ge-setzt hat.

Versammlung zu Heidelberg 1829. Man ging nun wieder nachSüddeutschland und zwar an den freundlichen Rhein, wo man von der Univer-sität und der gesammten Bürgerschaft Heidelbergs aufs Liebevollste aufgenommenwurde. Tiedemann und Gmelin waren Geschäftsführer; die Zahl der Mitgliederbetrug 272, wovon 31 aus Heidelberg; besonders waren viele Gelehrte aus Frank-furt, Darmstadt, Strasburg, Freiberg, Basel und Würzburg gegenwärtig, auch viele,.us Rußland, Polen, Ostreich, Böhmen, Ungarn, Italien, Frankreich, England,Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz. Es wurden wieder Zimmer vor-ausdestellt, die Sammlungen und Anstalten geöffnet, der Universitätsaal mitPflanzen geschmückt, die großen Säle des Museums zur Unterhaltung und zu denFachversammlungen eingeräumt und die Gelehrten nach den Fachern vertheilt inPhysiker, Mineralogen, Botaniker, Zoologen sammt Anatomen und Physiologenund Ärzte. Die Stadt ließ eine Denkmünze prägen und sie den Fremden zum Ge-schenk machen. Die Professoren gaben sich viele Mühe, die Fremden zu unterhal-ten und sie besonders Abends einzuladen. Da aber dadurch die Versammlungzerstreut wurde, so regte sich allgemein der Wunsch, daß in Zukunft währendder Versammlungswoche auch Abends keine Einladungen mehr stattfinden möchten,so gut dieselben übrigens auch gemeint wären. Ungeachtet das Wetter nicht ganzgünstig war, so machte man doch in der schönen Gegend fast täglich Ausflüge, na-mentlich ins Neckarthal und nach dem Garten von Schwetzingen. Tiedemann er-öffnete die Versammlung mit einer Rede über die Fortschritte der Naturwissen-schaften und Lichtenstein sprach die Danksagung. Es wurden nicht weniger als128 Vorträge gehalten. Auf den Vorschlag des Leibarztes von Wedekind ver-einigten sich die Ärzte durch ganz Deutschland, um reine Untersuchungen überdie Wirkungsart jedes einzelnen Arzneimittels anzustellen und das Ergebnißjährlich der Versammlung mitzutheilen. Die Versammlung suchte ferner durcheine öffentliche Anerkennung der Wichtigkeil desöulletin universel" von Ferus- ^sac ein allgemeines Zusammenwirken für diese wahrhaft kosmopolitische Zeitschrifthervorzubringen. Loos schickte die indessen fertig gewordenen Denkmünzen aufReil und A. von Humboldr ein. Der Kupferstecher Rosmäsler begann hier eineSammlung von Kupferstichen der Naturforscher und Ärzte. Auch kam wiedereine Landkarte mit den Wohnorten der Naturforscher heraus. Bei der Wahldes Versammlungsorts zeigte I)r. Fricke von Hamburg an, daß man die Ver»sammlung daselbst gern sehen würde. Man nahm diese freundliche Einladung