Naturforscher - Versammlungen
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A. von Humboldt und Lichtenstein zu Geschäftsführern. Bericht hierüber in der„Isis", 1828, Heft 5.
Versammlung zu Berlin 1828. Hier bekam die Versammlung eineganz neue Gestalt, thells durch die große Menge der Mitglieder, theils durch denScharfsinn und das Einrichtungstalent der Geschäftsführer, welchen von den ber-liner Gelehrten und Behörden aufs Bereirwilligste die Hand geboten wurde. Alleöffentlichen Sammlungen und Anstalten, wozu die Mitglieder Karren erhielten,wurden geöffnet; für die Fremden wurden vorläufig mehre Hundert Zimmer ge-miether; um denselben den Gang zur Policei zu ersparen, reichte ihre Einzeich-nung bei den Geschäftsführern hin; die berliner Naturforscher und Ärzte verban-den sich zur Förderung der Versammlung und vertheilten unter sich die Geschäfte,namentlich die Leitung der Tafel, wo jeder Tisch eine eigne Nummer und eineneignen Aufseher hatte. Gewöhnlich setzten sich die Gelehrten eines Faches zusam-men. Die Zahl der Theilnehmer betrug nicht weniger als 466, sodaß für jedes ein-zelne Fach hier mehr Gelehrte versammelt waren als vorher fast für alle Fächer zu-sammen. Besonders waren zum ersten Mal mehre aus Schweden, auch aus Polen,Rußland und England zugegen; am meisten fanden sich ein aus Bonn, Breslau,Dresden, Greifswald und München; die Zahl der Berliner betrug 132. DieSitzungen wurden daher in allgemeine und besondere getheilt, und für jede ein beson-derer Saal angewiesen. Die allgemeinen Sitzungen dauerten von 10—2 Uhr, wor-auf man zur gemeinschaftlichen Tasel ging; die besondern Sitzungen hatten theilsMorgens, theils Abends statt und zerfielen in die der Physiker, Chemiker, Minera-logen, Botaniker, Zoologen und Analomen. Da der Raum vielen Zuhörern denEintritt gestattete und bei der vielseitigen Bildung in Berlin sich unter allen Elastsen Theilnahme regte, so wurden für die allgemeinen Sitzungen solche Vorträgegewählt, welche auch das größere Publicum ansprechen konnten; die strengwissen-schaftlichen zogen sich in die Fachversammlungen zurück. Dadurch wurde freilichdas Interesse an den allgemeinen Sitzungen vermindert, dagegen an den besondernum so größer, welche noch überdies den Vorrheil gewährten, daß die Männer desbetreffenden Fachs sich über ihre Gegenstände weitläufiger mündlich unterhaltenund sich daher naher kennen lernen konnten. Diese Einrichtung ist in der Folgeauch, wo die Zahl der Mitglieder immer beträchtlich war, beibehalten worden, undes mußte geschehen, weil sonst unmöglich alle Vortrage in der allgemeinen Ver-sammlung zur Sprache hätten kommen können, was auch nicht mehr passend ge-wesen wäre, da bereits in Berlin Frauen sich einfanden, die bei den folgendenVersammlungen immer häufiger erschienen, sodaß es den Geschäftsführern oftschwer wurde, solche allgemeine Vorträge auszusuchen, welche für ein völlig gemisch-tes Publicum paßten. Die wissenschaftlichen Verhandlungen find basier größten-theils auf die Fachversammlungen beschrankt, und die allgemeine dauert gewöhmlich nicht länger als zwei Stunden. Die Prinzen, die Minister und alle Mitglie-der der höhern Stände beehrten die Versammlungen mit ihrer Gegenwart. AmVorabend gab die Singakademie unter Zelter den Naturforschern ein Eoncert mitmehren Hundert Stimmen; am Abend nach der ersten Versammlung gab A. vonHumboldt ein großes Fest in dem sinnig und geschmackvoll gezierten Concertsaaldes Theaters, welchem der König sammt seinem Hofe beiwohnte, und welches eineAuswahl der besten Musiker unter der Leitung von Zelter und Mendelssohn durchihre Kunstleistungen verschönerten. Auch sang die Liedertafel einmal wahrenddes Mittagsmahls. Die Versammlung dauerte cine ganze Woche und wurdevon A. v. Humboldt durch eine Rede über den Geist und Nutzen derselben er-öffnet; Martius hielt die Dankrede. Es kamen über 150 Gegenstände zurSprache. Damit die Fremden nicht von der Mittagstafel entfernt würden, sprachLichtenstein den Wunsch aus, daß reine Privateinladungen stattfinden möchten.
Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. 0l. 15