Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
224
Einzelbild herunterladen
 

224 Naturforscher - Versammlungen

gestatteten Sammlungen für Kunst und Wissenschast wurden nach der Bequem-lichkeit der Fremden geöffnet und die Vorsteher angewiesen, in den bestimmtenStunden anwesend zu sein; auch der Zutritt in Arnold's große Leseanstalt wardaufs Liberalste angeboten; Exkursionen wurden in die schöne Umgegend gemachtund unter Anderm ein Fest über Mittag in dem herrlich gelegenen Linke'schen Badegegeben, wohin man auf der Elbe in gezierten Gondeln unter den Tönen der türkischenMusik fuhr, und von den Abgeordneten des dresdner zu diesem Zwecke zusammenge-tretenen Vereins bewillkommt wurde. Viele Gedichte sprachen die Freude der Einhei- jmischen aus und taglich wurde Bericht in den Blattern der Stadt von den Verhand-lungen dem Publicum mitgetheilt, was übrigens auch schon in Frankfurt der Fall ge-wesen; man war in der Stadt der Minerva. DieZahl der Mitglieder war l51, wo-runter viele Breslauer, 57 aus Dresden und mehre aus Ostreich. Zum ersten Malkann man sagen, waren Naturforscher aus allen Gauen Deutschlands gegenwär-tig; zum ersten Mal der Graf Kaspar von Sternberg aus Prag, weil ihn Krank-heit verhindert hatte, nach Halle zu kommen. Von dieser Zeit an war er fastbei jeder Versammlung mnd hat durch Wort und That große Dienste gelei-stet. Der Vortrage waren so viele, daß sie nicht alle mündlich mitgetheilt werdenkonnten, obschon die Sitzungen 6 Tage dauerten; es waren ihrer 40. Seilereröffnete die Versammlung mit einer freundlichen Anrede, Carus schloß die-selbe mit einer ahnlichen Abschiedsrede, und Maitz mit der Dankrede im Namender Fremden. Hier war es, wo Böttiger die neue Herausgabe des Plinius unterMitwirkung sämmtlicher Naturforscher Deutschlands in Anregung brachte und be-reits sind die meisten Codices in Europa verglichen. Da nun die Versammlung inganz Deutschland mit dem größten Beifall aufgenommen war, so konnte man sieregelmäßig zwischen Nord-und Süddeutschland abwechseln lassen, wie auch beider Wahl der Geschäftsführer immer daraus sehen , daß nach den zwei Bestand-theilen der Versammlung ein Naturforscher und ein Arzt gewählt werden. DerBericht findet sich mit den vielen Vortragen in derIsis", 1827, Heft 4 und 5.

Die nächste Versammlung 1827war in Münch? n, wo sie sich besonders derAufmerksamkeit des Königs zu erfreuen hatte, der ihr die Ehre erwies, sie in sei-nem Palaste zu einem Symposion zu versammeln. Die vielen kunsi- und wissen-schaftlichen Schätze waren gleichfalls geöffnet und der Zutritt zu der großen Lese-anstalt im Museum angeboten. Die Minister beehrten gleichfalls die Versamm-lung mit ihrem Besuche. Die Zahl der Mitglieder betrug 150, worunter 6!laus München, mehre aus Ostreich und Rußland. Döllinger und Martius wa-ren Geschäftsführer; Jener eröffnete die Versammlung, wozu der Magistrat dasRathhaus eingeräumt und dessen Saal mit südlichen Blumen und Bäumen ge-ziert hatte, mit einer Rede, Martius schloß dieselbe, und Reum aus Tharandsprach die Danksagung im Namen der Fremden. Es wurde nämlich allmäligzur Regel, daß ein Geschäftsführer oder, wenn dieser fehlte, ein Anderer von demvorigen Versammlungsorte die Danksagung übernahm. Den Schluß machte einConcert, welches der Musikverein der Gesellschaft des Frohsinns der Versammlunggab, und endlich die Tafel bei dem König. DerKönig verwilligte zur Verglei-chung der Handschriften des Plinius in Italien eine Summe von 300 Gulden,l )r. Jan beendigte dieses Geschäft zur Zufriedenheit Thiersch's und Sillig's, welche ^die philologische Bearbeitung übernommen hatten. Es wurden hier wieder so vieleVorträge gehalten, 59 an der Zahl, daß die Versammlung gleichfalls eine ganzeWoche dauerte. Hier war es, wo 10 gelehrte Gesellschaften sich vereinigten, umihre Schriften gemeinschaftlich mit denen der kaiserl. leopoldinischen Akademie derNaturforscher herauszugeben. Bei der Berathung über den nächsten Versamm-lungsort zeigte Lichtenstein an, daß man mit Vergnügen die Versammlung zu Ber-lin sehen würde. Man nahm diese ehrenvolle Einladung dankbar an, und wählte