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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
208
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208 Nassau

Wagen und der Bespannung, Verkleinerung zu großer Stationen, Einrichtunganstandiger Passagierstuben am Orte der Umspannung, gute und billige Bewir-thung: Vortheile, die nicht ohne Geldaufopferungen zu erlangen sind; und dochhat die preußische Postverwaltung nicht allein sich zu erhalten, sondern auch als ertrag-gebendes Regal dem Staatsschatze bedeutende Summen zuzuführen. In der Uber-sicht des preußischen Staatshaushalts für 182022 war der Ertrag derPostenmit800,000 Thlr. Einnahme verzeichnet; dieser ist unter N. bedeutend gestiegen, mehrdurch eigentliche Verbesserungen als durch erhöhte Posttaxe, welche nach gleichmä-ßigem Regulative vom Dec. 1824 geordnet ist. Hierbei wurde die geographische,wirkliche Entfernung der Briefsendung, nicht die durch Postwege entstandenen zureinzigen Norm angenommen, sodaß bis zu zwei Meilen 1 Silbergroschen, 2 4Meilen 11 Sgr., 4? Meilen 2 Sgr., von 2030 Meilen 5 Sgr. und jedeMeilenweite 1 Sgr. mehr Porto gezahlt wird, in einem Verhältnisse, nach wel-chem von einem Brief, je weiter er geht, um so weniger Postgeld gezahlt wird.Nur der Normalsatz des gewöhnlichen Briefes von 4 Loth wird hierbei lastig; dochdie Industrie weiß sich durch sehr dünnes Papier zu Helsen. Postcontraventionenwerden zwar siscalisirt, aber mehr mit Berücksichtigung der Billigkeit als mit ju-ridischer Strenge abgemacht. Die in der gesammten Postverwaltung sichtbareSorgfalt zur Vervollkommnung berücksichtigte auch mehr als irgendwo denStand der Postillons, welche der Dienstherrenwillkür der Posthalter entzogenwurden und für mehrjährige gute Dienstführr.ng Pensionsversicherungen er-hielten.

Der hier angedeutete weite Geschäftskreis, in welchem N. sich großen Ruhmerwarb, hinderte ihn nicht, schon 1824 als preußischer Gesandter nach Frankfurtzu gehen, wo seitdem sein Wohnsitz ist, insofern Ferien ihm nicht verstatten, fastjahrlich einige Wochen Berlin, den Sitz der Generalpostverwaltung des preußi-schen Staats, zu besuchen. Viele Ansprüche an seine Zeit und Thätigkeit entfrem-deten ihn nicht der Liebe zur Kunst. Er gehört zu den gebildetsten Kennern undfleißigsten Sammlern Deutschlands. Ausgezeichnet sind seine Kunstkammern analten Glasmalereien aus der Blütenzeit dieser Kunst, an plastischen Werken, be-sonders geschnittenen Elfenbeinen, an köstlichen Handzeichnungen und selte-nen Kupferstichen, ohne der eigentlichen Gemälde zu gedenken. Sie gehörenzu den ausgezeichnetsten Lichtpunkten des regen Kunftlebens. der preußischenHauptstadt. (10)

Nassau. Die seit dem Anfang des gegenwartigen Jahrhunderts vereinigteRegierung der Fürsten Friedrich August von Nassau-Usingen und Friedrich Wil-helm von Nassau-Weilburg zeichnete sich durch unendlich wichtige Fortschritte indec Civilisation aus. In schnell sich folgenden Gesetzen hoben diese Fürsten dieLeibeigenschaft und den größten Theil der von derselben herrührenden Abgaben, so-wie die Frohnen und den Dienstzwang, mit Ausnahme der Jagodienste, auf, unterZusicherung einer Entschädigung aus Staatsmitteln an alle Standesherren,Grund-herren, andere Gutsbesitzer und geistliche und weltliche Staatsdiener; sie stelltendie Strafe der körperlichen Züchtigung ab, gaben ein auf dem Grundsatz gleichheit-licher Besteuerung beruhendes Steuergesetz, mit Aufhebung aller bis dahin bestan-denen Steuerfreiheiten, und erließen endlich Gefetze, die ihrem Volke unbeschrankteFreiheit des Gewissens, der Gewerbe, des Buchhandelsund der Presse.zusicher-ten. Sie waren auch die ersten unter den Fürsten Deutschlands, welche bald nachBeendigung des Kriegs am 2. Sept. 1814 ihrem Volke eine Constitution*) ga-ben, die nach ihren eignen Worten die Tendenz hatte,Allem, was für die Ein-führung einer liberalen, den Bedürfnissen der Zeit und des Staats entsprechenden

*> Pölitz'sEuropäische Verfassungen" (Leipzig 18SS), Bd. 1, S. 1009 fg.