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auch in allen übrigen Landern Europas und jenseit der Meere, soweit europäischeEultur gedrungen ist. Trotz diesem ausgezeichneten Talent für das Leichte, dieMenge Ansprechende, besaß N. doch vorzugsweise einen ernsten Sinn für diewissenschaftlichen, tiefern Studien berühmter Meisterwerke. In dieser Beziehunghat er sich mehrfach als Kritiker ausgesprochen, wie denn überhaupt seine Gelehr-samkeit sowol, als seine Ansicht von der Kunst überhaupt, sowie von den besondernErscheinungen in derselben überall eine tiefbegründete ist. In neuerer Zeit gerieth erin Streit mit dem Heidelberger Rechtsgelehrten Thibaut, der zwar vortreffliche alteSachen gesammelt hat, in der Kunst selbst aber von einseitigen Ansichten ausgeht;es leidet keinen Zweifel, daß der unendlich sachverständigere N. auf diesem Gebiet derSieger blieb, wiewol der sonst geistreiche und gelehrte Thibaut eine größere Gewandt-heit in der Vertheidigung seiner Meinungen zeigte. N.'s Verdienste als praktischerLehrer bestehen vorzüglich in der Stiftung einer großen Gesangsschule, mit der er zuZürich,wie sachverstandige Zeugen berichten,sehr Erfreuliches in Ausführung gebrachthat. Er hat auch eine ausführliche Gesangsschule mit Beispielen herausgegeben, diebesonders auf die Chorausbildung abzweckt,und des Verfassers Erfahrung undKennt-nisse bethätigt. Als Musikhandler gab N. dem Geschäft einen sehr achtungswerthenSchwung. Er war es, der zuerst durch seine Verzeichnisse, die mit großer antiqua-rischer Kenntniß verfaßt sind, eine gewisse Wissenschaftlichkeit in den Musikhandelbrachte. Späterhin war er, zu einer den Künsten ungünstigen Zeit, dennoch nurein Begünstiger des Vortrefflichen, wovon sein bereits im Jahr 1800 an erschie-nenes „Repertoire ckes clavecmistes", in welchem er Werke der berühmtesten Pia-nofortecomponisten, als Dussek, Cramer, Beethoven, Aft'oli, Haak, Reicha, Weyse,Wölfl, Tomaschek u. A., zusammenstellte. Zugleich war diese Unternehmung dieerste, welche mit dem werthvollsten Inhalt eine so ausgezeichnet typographischeSchönheit verband, daß sie damals in dieser Beziehung allgemeines Aufsehen erregteund noch jetzt, wo man doch theils wegen mancher technischer Vervollkommnungen,theils durch die Mode gezwungen, ungleich mehr in dieser Hinsicht thut, mit unterdie elegantesten Ausgaben gezählt werden kann. Eine ähnliche Unternehmungmacht N. gegenwärtig, indem er ein Repertoir deutscher Contrapunktisten heraus-gibt, welches eine interessante Sammlung von Musikstücken verspricht, da die be-sten lebenden Componisten dazu aufgefodert sind. Endlich wird N. auch noch alsMitstifter der schweizerischen Musikfeste genannr, welche seit länger als 20 Jah-ren dazu beitragen, den musikalischen Sinn und die Ausbildung für die edlere Kunstdaselbst zu befördern. (20)
Nagler (Karl Ferdinand Friedrich von), preußischer Generalpostmeisterund Gesandter bei der Bundesversammlung, geboren um 1767 zu Anspach,stammt aus einer Familie, die in mehren Verzweigungen zu dem höhern Beamten-stande der fränkisch-brandenburgischen Fürstenthümer gehörte. Sorgfältig vorge-bildet, trat er in den Staatsdienst des Markgrafen von Anspach und Baireuth,und unter die jungen Eingeborenen, die Hardenberg's, des dirigirenden Ministers,Aufmerksamkeit auf sich zogen, gehörte auch N., der 1801 als Assessor beim erstenSenate der Kriegs- und Domainenkammer zu Anspach stand, aber außerdem unmit-telbar von Hardenberg beschäftigt, dessen Vertrauen gewann und nach Berlin ge-zogen wurde, als der Minister in das dortige Cabinetsministerium trat, mit Beibe-haltung des fränkischen Departements, in welchem letztern sich N. als Expedientso vortheilhaft auszeichnete, daß man auf seine Wirksamkeit großes Gewicht legte.N. trat 1904, als Hardenberg die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten erhielt,in diese neue Ministerialsphare mit hinüber. Er gelangte zu der entschiedenenGunst des Königs, als der Hof nach Preußen flüchtete, dem sich N. anschloß.Mit dem tilsiter Frieden trat der Zeitpunkt ein, wo Napoleon's Ausspruch denMinister Hardenberg aus dem Cabinete entfernte, was aber auf N. nicht nach-