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Mysticismus und Pietismus der neuesten Zeit 20l
lung von Predigten und 1853 eine Reihe geistlicher Reden auf alle Sonn- undFesttage des Jahres in zwei Banden heraus. Einen Theil seiner in periodischenSchriften zerstreuten Abhandlungen hat er ins Deutsche übersetzt und in einerSammlung unter d^m Titel: „Kleine theologische Schriften" (1825), herausge-geben. Ein Anhang enthalt seinen tresslichen Aufsatz: „Over Lesstng's Nathanden Vise", der zuerst in den Schriften der skandinavischen Literaturgesellschaft zuKopenhagen gedruckt wurde. Zwei 1830 und 1831 zu Kopenhagen erschienenekleine Schriften: „Grundrids af Psychologien" und „Om Begrebet af den chrifte-lige Dogmatik" (Grundriß der Psychologie und Über den Begriff der christlichenDogmatik), sind Früchte der von ihm in dem Pastoralseminarium gehaltenen Vor-lesungen. Eine Auswahl seiner Predigten ist in einer deutschen Übersetzung (Riga1830) erschienen. In den „Theologischen Studien und Kritiken" von Ullmannund Umbreit (1, Heft, 1832), hat er eine Charakteristik feines verstorbenen Schwie-gervaters, des Bischofs Münter, geliefert. (4)
Mysticismus und Pietismus der neuesten Zeit. Dievielfach verschlungenen polemischen Richtungen, welche vornehmlich in den letztenJahren den Zustand der Wissenschaft bewegt haben, lassen sich alle mehr oder we-niger auf die gleich Jrrsternen über der Zeit schwebenden Begriffe des Mysticismusund Pietismus zurückführen. Mysticismus, Pietismus, Separatismus, Ob-skurantismus und Jesuitismus heißen abwechselnd, aber doch verwandtschaftlichmiteinander zusammenhangend, diese Angeln der Bewegung, welche neuerdingsdas gesellschaftliche wie das politische Leben gleicherweise durch ihren Einfluß auf-geregt und bedingt haben, und jene Namen und Begriffe lassen sich noch in man-cherlei Abstufungen chamäleonartig modisicirt erblicken, je nachdem sie von der einenRichtung zur andern hinüberspielen und in dieser oder jener Seite des Lebens undWissens wurzeln. Ihnen gegenüber befinden sich, theils als angegriffene, theilSals ebenfalls angreifende Gegensatze, die nicht minder der Zeit eigenrhümlichenBewegungen des Rationalismus, Liberalismus, Jdentitätsidealismus und derspeculativen Philosophie überhaupt, welche dem Glauben und Gefühl das Wissenund Bewußtsein gegenüberstellt. Diese Hauptrichtungen der inner« Zeitgeschichte,die das allgemein aufgezogene und sogar der Mode dienende Aushangeschild derwissenschaftlichen Tagespolemik sind, zeigen sich zwar in einem unablässigen Par-teikampf gegeneinander, der von allen Sekten auf Tod und Leben geführt wird,aber man darf diesen Kampf nicht als einen solchen ansehen, in welchem für die eineoder die andere Partei ein entscheidendes Resultat, durch das sie zu siegen und zuherrschen berufen würde, hervorgehen könnte. Vielmehr bestehen und erzeugen sichdiese Gegensätze selbst eben nur in der wechselseitigen Reibung und Reaction, inder sie sich zueinander befinden, und sie existiren nur in der Polemik, welche sieausüben. Sie sind aber ihrer Erscheinung nach nichts Anderes als die Phänomeneeiner großen Gahrungs- und Durchgangsperiode, aus welcher eine neue Umgestal-tung der intellektuellen Cultur des Geschlechts allmalig herauswachsen wird; siesind die Nebelschleier, durch welche das an ihnen sich brechende Licht der Wissen-schaft sich hindurchzuringen hat, um sich im Kampf zur vollendeten Einheit ihrerIdee immer siegreicher zu entwickeln. Weil aber der heimische Grund und Bodender in Rede stehenden Begriffe die Polemik ist, in der sie gegen sich auftreten unddurch die sie sich erzeugen,so folgt daraus auch schon der schwankende und widerspruchs-volle Charakter dieser Begriffe selbst, die auf der Spitze, zu welcher sie der immervielseitiger und verwickelter gewordene Parteistreit unserer Tage hinaufgetriebenhat, keiner sie streng fesselnden Definition Stand halten, und in mancher Bezie-hung sich so vermischen und sogar in ihre eignen Gegensätze überschlagen, daß esbei der Bezeichnung des einen oder andern dieser Begriffe sehr darauf ankommt,M welcher Seite sie ausgeht, und unter welchen subjektiven und selbst lokalen