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Münchner Kunstschätze
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oder aus Schleißheim, wo auch die ehemalige Boisseree'sche Sammlung sich befin-det, oder aus Lustheim, wo der König einen Schatz altitalienischer Meisterwerkeaufbewahrt, die er meist selbst erworben hat, oder auch aus dem Privatbesitz desKönigs, wie die Sammlung schöner weiblicher Portraits, oder den Rafael aus demflorentinischen Palast Tempi und vieles Andere aufzunehmen. Gewiß wird in die-ser Beziehung künftig keine interessantere Gemäldesammlung zu finden sein. DasGebäude ist so eingerichtet, daß in die mittlem großen Säle das Licht von oben, indie Cabinete hinter denselben durch Seitenfenster einfällt, und daß an der ganzenFronte des Gebäudes ein Corridor mit offenen Loggien hinläuft, welche nach denEntwürfen von Cornelius durch einige seiner Schüler und den Professor Zimmer-mann -u sresco, und zwar mit einer poetischen Darstellung der Geschichte der Ma-ler und Malerei geschmückt werden. l2) Die Allerheiligen- oder Schloßkapelle,von Klenze im sogenannten byzantinischen Styl erbaut, ist soweit vollendet, daß be-reits seit 1832 Professor Heinrich Heß an den Frescomalereien, mit welchen erdas Innere schmücken soll, arbeitet. Diese umfassen in einem Cyklus die Haupt-lehren und Erzählungen des Alten und Neuen Testamentes in einem diesem Bauangemessenen Styl. Der Reichthum dieser Darstellungen wird weder in Deutsch-land noch selbst in Italien ein Vorbild finden. 3) Die neue Residenz, von Klenzenach dem Muster des Palazzo Pitti in Florenz erbaut, ist bis auf die innere Ein-richtung vollendet. In fünf der untern Säle wird Julius Schnorr die Helden unddie Begebenheiten des Nibelungenliedes in cyklischem Zusammenhang al irescodarstellen, und er hat bereits die obern Räume des Eingangssaals vollendet. Fürdie obern Säle wählte der kunstsinnige König zum Schmuck die vorzüglichsten grie-chischen und deutschen Dichterwerke, sodaß für Homer, Sophokles, Pindar, Ana-^kreon, für Goethe, Wieland, Schiller, Tieck w., und die ältern, Wolfram vonEschenbach und Andere, für jeden ein Saal oder Zimmer angewiesen ist, worin Dar-ftellungen aus ihren Werken und zwar in antiker Enkaustik gemalt werden sollen.Mit dieser Arbeit sind mehre Freunde und Schüler von Cornelius, Schnorr undHeß beschäftigt. 4) Die neue Ludwigskirche wird vom,Professor Gärtner erbaut,und zwar in einem Style, der seine Motive aus der sogenannten vorgothischenBaukunst nimmt. Das Innere wird mit einer umfassenden Darstellung der Leh-ren des Christenthums u! t'resco von Cornelius ausgeschmückt, wozu bereits dieCartons gezeichnet sind. 5) Die neue Bibliothek wird von demselben Baumeisternach einem dem vorigen ähnlichen Style erbaut, und soll mit Fresken geschmücktwerden. 6) Die kolossale sitzende Statue des verstorbenen Königs Max, modellirtvon Professor Rauch, in Erz gegossen von Stieglmayer, wird den Platz vor derneuen Residenz zieren. 7) Ein Obelisk zu Ehren der im russischen Feldzug geblie-benen Baiern, aus türkischem Kanonenerz gegossen, wird vor dem Vazar in derLudwigstraße aufgestellt werden. 8) Die kolossale Reiterstatue Maximilian I.,Kurfürsten von Baiern, modellirt von Thorwaldsen, wird in München gegossenund auf dem Odeonplatz aufgestellt werden.
Unter die Werkstätten der Künstler, in welchen reiche Kunstschätze anzu-treffen, sind die von Eberhard, Schwanthaler, Bändel, Peter Heß, Dom.Quaglio, Stieler, Rottmann und Andern und das Gießhaus von Stieglmayr zurechnen. In der Porzellanfabrik werden die Glasfenster für den regensburgerDom gemalt nach Zeichnungen von Rüben und Schorn. Unter den Privatsamm-lungen sind auszuzeichnen die des Geheimraths Kirschbaum, des Professors Hau-ber mit dem Originalbild vom malenden Lukas von Van Eyk, des Posisecre-tairs von Binder mit Rafael's Skizze zur Transfiguxation, ferner mit Werkenneuerer Kunst, die der Herren von Eichthal, der beiden Grafen von Arco und desKunsthändlers Bolgiano. Vgl. Schottky, „Münchens Kunstschätze" (1. Abth.^München 1832. (13)