196 Münchner Kunstschatze
gedanke Sieg des Geistigem über die Gewalt oder des Neuen über das Alte ist,wie er sich in dem Mythus der alten Welt ebenfalls ausspricht. Eros als Bezwin-ger der Elemente bildet den Schlußstein des Kreuzgewölbes; durch Jahres- undTageszeiten kommt man zu den individuellen Mythen der Aurora, des Apollo, derDiana und der Nacht, bis in den großen Bildern an den Wanden die Reiche desJupiter, Neptun und Pluto sich aufschließen, jedoch alle in gewisser Abhängigkeitvon der Gewalt des Menschengeistes. So wird im Olympos Hercules um seinerVerdienste Willen unter die Schar der Götter aufgenommen; so folgt Neptun mitseiner Wasserwelt dem Arion, und Orpheus zwingt mit seinem Saitenspiel die fin-stere Gewalt der Unterwelt. Der trojanische Sa"l enthalt die Geschichte des troja-nischen Kriegs von der Hochzeit des Peleus und der Thetis an bis zur ZerstörungTrojas. In dem letztern Bilde sowie im Kampf um den Leichnam des Patroklusspricht sich mehr als irgendwo der großartige Sinn des Cornelius und die Gewaltseiner Kunstdarstellung aus. Der folgende Saal, Heroensaal genannt, der neuntein der Reihenfolge, enthalt ausgezeichnete Werke der spatern griechischen und rö-mischen Kunst, die Statuen eines Alexander, Nero :c., die Büsten des Demosthe-nes, Perikles, Themistokles w. Der zehnte ist der Römersaal, mit plastischen Wer-ken aller Art und vorzüglich mit Bildnissen aus den drei römischen Kunstepochen,der Zeit des Scipio, des Augustus und des Trajan. Der elfte Saal enthalt far-bige Bildwerke, Mosaiken nnd Bronzen; der zwölfte endlich Sculpturen derneuem, unter denen sich die Sandalenbinderin von Rudolf Schadow, die Venusvon Canova, der Adonis und das Bildniß des Königs Ludwig von Thorwaldsenauszeichnen. Alle Wände der Glyptothek sind mit verschiedenfarbigen Stuckmar-mor bekleidet, die Fußboden mit Marmor ausgelegt, und die Decken reich mit Ca-setten oder goldenen Verzierungen geschmückt. Der Glanz, der auf die Aus-schmückung des Innern verwendet ist, laßt sich aus der Einfachheit des Außemnicht errathen. Die Vorhalle wird von 12 ionischen Säulen getragen, die Seiten-wände sind ohne Fenster, und in den daselbst angebrachten Nischen, sowie im Gie-delfelde, fehlen bis jetzt noch die dafür bestimmten und wenigstens zum Theil vollen-deten statuarischen Arbeiten. 2) Das königliche Odeon, bestimmt zu Concertenund Ballen, in den Jahren 1826—28 vonKlenze erbaut, mit Deckengemälden imgroßen Saal von Anschütz, Eberle und Kaulbach, Schülern von Cornelius. 3) DieArcaden des königlichen Hofgartens, mit 16 historischen Darstellungen aus derbairischen Geschichte nl iresco von Förster, Zimmermann, Röckel, Stürmer,Hermann, Stilke, Hiltensperger, Lindenschmitt, Schilgen, Gassen, Eberle, Mon-ten, Folz; ferner mit mehren allegorischen Gestalten von Kaulbach und Andern,sämmtlich Freunden oder Schülern von Cornelius; in der Fortsetzung mitpom-pejanischen Verzierungen ai »ecco und einer Reihe italienischer Landschaftenvon Rottmann al fr-esco. 4) Der Kunstverein, in dessen Zimmern man eine fort-währende Ausstellung der neuesten Staffeleigemälde der in München wohnendenoder sonst dem Verein angehörigen Künstler und viele andere interessante Kunst-werke, als Handzeichnungen, Lithographien, Kupferstiche, Sculpturen:c. findet.5) Die protestantische Kirche mit einem Deckengemälde, die Himmelfahrt Christivorstellend, von Hermann (Schüler von Cornelius). 6) Nahe bei der Stadt imDorfe Sendling ei:: Frescobild an der Kirche, den Verzweiflungskampf der send-linger Bauern gegen die Ostreicher vorstellend, von Lindenschmitt. 7) Das Pa-lais des Herzogs Max von Baiern, vom Oderbaurath Klenze erbaut und mitFresken von Robert von Langer, Zimmermann und Kaulbach, ferner mit Sculptu-ren von Schwanthaler, Bändel und Mayr ausgeschmückt.
Im Entstehen sind: 1) Die Pinakothek, zu welcher der Grundstein im Frühjahr1826 gelegt, und die, nach dem Plan und unter Leitung Klenze's im Äußern vollen-det, nur noch des innern Ausbaues bedarf, um, ihrem Zweck gemäß, die Samm-lung der vorzüglichsten Gemälde aller Schulen, aus der Centralgalerie in München,