Münchner Kunstschätze 195
steln vom Sebaldus-Grabmal aus Nürnberg und den gewirkten Copien der vatica-nischen Stanzengemälde Rafael's. 2) Das Kupferstichcabinet, unter der Leitungdes Jnspectors Brulliot. 3) Die Bibliothek, mit sehr bedeutenden Miniaturen inHandschriften aus dem 9. und spatern Jahrhunderten, auch mit Originalhandzeich-nungen A. Dürer's zu einem Gebetbuch. 4) Das Elfenbeincabinet, mit einerSammlung sehr kunstreicher Arbeiten, auch einer pietü von Michel Angelo, und miteiner großen Anzahl von Handzeichnungen, vornehmlich alterer bairischer Künstler.5) Das Antiquarium mit einer bedeutenden Sammlung antiker Bronzen, Gem-men tc. 6) Die königliche Gemäldegalerie, mit Werken der vorzüglichsten Maleraller Zeiten und Schulen, von welchen hier nur der heiligen Familie Rafael's undeines Bildnisses von ihm, einer Anbetung der Jungfrau von Francia, einiger Por-traits von Tizian, Giorgione, Paris Bordone u. A., der Himmelfahrt Mariä vonGuido Reni, zahlreicher Bilder von Rubens und Van Dyk, dann der Apo-stel von A. Dürer, vieler vorzüglicher altdeutscher Werke und niederländischerGenregemälde, endlich der vortrefflichen Betteljungen des Murillo gedacht werdensoll. Diese Galerie hat noch die besondere Einrichtung, daß der erste Saal eineÜbersicht der Entwickelung der Höhe und des Verfalles der Kunst in einer Aus-wahl von Gemälden gibt. 7) Die Galerie des Herzogs von Leuchtenberg, eine Aus-wahl fast lauter vortrefflicher Werke, sowol der Malerei als der Plastik, von wel-chen letztern eine Kindergruppe Algardi's vor Allen, selbst vor den vielen vorhande-nen Arbeiten Canova's, bemerkenswerth ist. Unter den Malereien zeichnen sicheinige Jugendarbeiten Rafael's, eine heilige Familie des Francia, ein Familienstückvon Paul Veronese, ein Velasquez, und von Andern auch mehre moderne deutscheund französische Gemälde aus. Zugleich sieht man in dieser Sammlung untereinem kleinen Marmortempel den kleinen silbernen Adler, das einzige SilberzeugNapoleon's auf St.-Helena, vom Kaiser seinem Stiefsohn testamentarisch ge-schenkt. Unter den Kirchen ist fast nur die Frauenkirche mit ihrer etwas leblosenGothik, einigen c;uten alten Gemälden und dem Denkmal Ludwig's des Baiern hierzu erwähnen. Ältere statuarische Werke sind fast nicht vorhanden, doch verdienender Otto von Wittelsbach in einem der Schloßhöfe Aufmerksamkeit, auch dasGrabdenkmal einer königlichen Prinzessin in der Theatinerkirche von K. EberhardBeachtung.
Unter neuern Kunstschätzen Münchens nennt man mit Recht zuerst die Glypto-thek. Dieses Gebäude, Privateigenthum des Königs, bestimmt zur Aufstellung anti-ker Originalwerke,wurde 1816 angefangen und 1830 geendet, und ist nach demPlaneund unter der Leitung des geheimen Oberbauraths von Klenze ausgeführt worden.Gewissermaßen als Einleitung oder Vermittelung sind zwei Säle ausschließend fürdie Darstellung der Götter- und Heroenwelt in Frescobildern bestimmt, deren Ent-wurf und Vollendung das Werk des Directors Peter von Cornelius sind. In Be-zug auf die Aufstellung der Kunstwerke hat man — und dadurch ist das Gebäudeselbst motivirt — sich großentheils von historischer Ansicht der Kunftentwickelungleiten lassen, sodaß im ersten Saale ägyptische Kunstwerke aufgestellt sind, im zwei-ten griechische Jncunabeln, im dritten die kostbare Sammlung vom Tempel desZeus Panhellenios zu Ägina, im vierten der berühmte Apollo Citharödus mitWerken der Kunstepoche vor Phidias, im fünften, dem sogenannten Bacchus-saal, der Barberini'sche Faun nebst andern Werken aus der Zeit des Praxiteles undPhidias (freilich auch einigen römischen), im sechsten, dem Niobidensaal, eben-falls mit römischen Arbeiten gemischte griechische Werke von höchster Vollendung,wie das Fragment aus der Gruppe der Niobe und der liegende Niobide. An die-sen schließen sich die mit Frescomaleceien geschmückten Säle der Götter und dertrojanische Saal, und zwischen beiden eine ebenfalls mit Bildern geschmückte Halle.Der Göttersaal enthält gewissermaßen eine Theogonie, deren Anfangs- und End-
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