Münchhausen
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viele sich über Betrug im Handgelde beschwerten, trug er einen lahmen Finger da-von. Nach der Ankunft in Amerika bezogen die Hessen ein Lager an der Küstezwischen Halifax und den endlosen Binnenwaldern. M. befehligte die Compagnie,die dem Saume der Walder am nächsten stand, wo die Schildwachen zur Nacht-zeit oft von den aus dem Dickig hervorbrechenden Baren so heftig angefallen wur-den, daß sie sich mit den Bayonneten vertheidigen mußten. Einst als M., mitBüchse und Degen bewaffnet, zu den Vorposten schlich, um an dem BärenkampfTheil zu nehmen, hörte er eine Feldwache ein Lied singen, das die hessische StadtZiegenhain, den Recrutendepotort, höchst lebendig schilderte. Er fragt, von wemdas Lied sei, und man antwortet ihm, der Recrut Seume habe es an Ort undStelle gedichtet. Er suchte ihn in derselben Nacht auf, befchied ihn zu sich undreichte ihm bei der ersten Zusammenkunft den Corporalstock, auf welchen Seume?Ius ultra schrieb. Seitdem waren Beide unzertrennlich. M. gab seinem neuenFreunde poetische Aufgaben und machte sich dabei selber mit der Kunst des Vers-baues genauer bekannt. Auf der Rückreise nach Europa kamen die beiden Freundeauf verschiedene Schisse, und da ein Sturm die Flotte trennte, sahen sie sich nichtwieder. M. hatte-mit dem Offizier der Abtheilung, zu welcher Seume gehörte, ver-abredet, was für seinen Freund geschehen sollte, und dieser ward auf der ganzenReise frei gehalten, mit seinen Handschriften zu Bremen ausgeschifft, mit Reise-geld versehen und aus dem Zwangdienste entlassen. Seitdem folgten die beidenFreunde den verschiedenen Lebenswegen, auf welchen ihr Schicksal sie führte. M.wurde 1788 von dem Landgrafen von Hessen zu dem Feldjägercorps versetzt, undtrug viel zu der hohen taktischen Ausbildung bei, durch welche sich dasselbe spaterauszeichnete. In den Feldzügen gegen die Franzosen am Rhein rückte er bis zumHauptmann auf, erwarb bei mehren Gelegenheiten, wie bei der Kanonade vonValmy, bei Hochheim und bei Weiler, großen Ruhm und entschied mehre Ge-fechte, wie bei Bingen und Karlsberg, oder kämpfte allein gegen feindliche Über-macht, wie bei Jockrim in Elsaß und bei Weilburg. Seiner Tapferkeit ungeach-tet enbehrte er lange die äußere Anerkennung, die er verdient hatte, aber als aucher wieder bei einer Gelegenheit, wo zwei Orden an das Iägercorps kamen, über-gangen wurde, und der Prinz von Hohenlohe ihm diese Auszeichnung anbietenließ, wenn er nur einige Zeilen an ihn schreiben wolle, gab M. zur Antwort:„Erfochten habe ich ihn, erschreiben will ich ihn mir nicht. Ich danke." Als dashessische Contingent vor der unglücklichen Schlacht von Weissenburg in das Vater-land zurückgekehrt war, kam M. mit dem Iägercorps nach Schmalkalden. Seitseiner Trennung von Seume hatte er ununterbrochen nach dem Schicksale seinesehemaligen Schützlings geforscht, bis er endlich erfuhr, daß Seume als Privat-docent in Leipzig lebte. Er schickte dem Freunde, der sein Versprechen, ihm Kundevon sich zu geben, „es möchte vom Scheitel des Vesuvs, aus Algiers Ketten, oderaus den Klüften des Kaukasus sein", nicht erfüllt hatte, jene Strafode, die in den„Rückerinnerungen" (Frankfurt am Main 1797) abgedruckt ist. Seitdem knüpftesich eine neue Verbindung zwischen den beiden Freunden an. Bei seiner Rückkehrvon dem Spaziergange nach Syracus über Paris besuchte Seume ihn in Schmal-kalden und blieb acht Tage bei ihm, die unter häufigen Besprechungen über poli-tische Angelegenheiten und Literatur verlebt wurden, aber bei vielen abweichendenAnsichten waren sie nur in der Meinung von Bonaparte einig, den Seume früherangebetet hatte, seit seinem Aufenthalte in Paris aber haßte. Der Einfall derFranzosen in Hessen führte für M. eine unglückliche Zeit herbei. Er hatte vor demAusbruche des Sturmes dem Kurfürsten den Plan vorgelegt, das stehende Heerdurch die verabschiedeten Veteranen, durch die dienstpflichtigen Jünglinge, dienach einem Feldzuge ihrer Pflicht entbunden sein sollten, und durch Freiwilligefür doppelten Sold die Streitkräfte zu vermehren, mit Sachsen unter OstreichsConv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. III. 13