Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

192

Münch-Bellinghausen Münchhausen

landen" (1. Abthl., 2 Bde., Leipzig 1832). EineAllgemeine Geschichte derneuesten Zeit" hat er 1833 (Stuttgart) begonnen. In seinen frühern historischenSchriften findet man viele Spuren der Eile und Flüchtigkeit, und obgleich er sichseitdem mehr ausgebildet hat, so ermangelt er doch namentlich in seinen Werkenüber die Hauser Oranien und Fürstenberg auch jetzt noch der Kunst, seinen Stoff zubeherrschen. Ein bleibendes Verdienst erwarb er sich durch seine Bemühungen fürdie Emancipation und Resorts» der katholischen Kirche, die ihm seit 1818 vielfacheAnfechtungen der Ultramontanen und Jesuiten zugezogen haben. Eine Rechtferti-gung seiner publicistisch-literarischen Wirksamkeit gibt er in seinenDenkwürdig-keiten" (1. Heft, Stuttgart 1832).

Münch-Bellinghausen (Joachim Eduard, Graf von), östreichischerPräsidialgesandte am Bundestage, geboren 1786 zu Wien, der jüngste Sohndes Reichshofraths Münch-Bellinghausen, trat in den östreichischen Staatsdienst,nachdem er in seinen jüngern Jahren in Reichsgeschäften gearbeitet hatte. DieKriegsjahre 1809 und 181315 waren auch für ihn Epochen derAuszeichnung.Kaum 30 Jahre alt, erhielt er die wichtige Stelle eines Stadthauptmanns inPrag, und hatte in diesem Dienstverhaltnisse vorzüglich die Beförderung des Han-dels und der Gewerbe im Auge, wozu Böhmen so viele und so großartige Gelegen-heiten darbietet, insbesondere die Elbschissahrt. Er war eines der thatigsten Mit-glieder des Elbschissahrtscongresses, welcher sich auf Ostreichs Betrieb 1819 zuDresden versammelte, und nach 44 Conferenzen am 23. Jun. 1821 einen Ver-lrag zu Stande brachte, der die Elbe von dem Punkte, wo sie schissbar wird, bisin die offene See, dem Verkehr frei gab und seit dem 1. Marz 1822 ins Lebentrat. M. hatte durch den Antheil an jenen Verhandlungen, welche seine, dievielfachen Schwierigkeiten lösende Geschicklichkeit bedeutend förderten, das be-sondere Vertrauen des Fürsten Metternich gewonnen, und ward in die deut-sche Section des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten nach Wien be-rufen, worin aber bald der Freiherr von Kreß sein Nachfolger wurde, da ihm dieGunst des Fürsten Staatskanzlers den durch die Abberufung des Grafen Buol-Schauenstein erledigten »vichtigen Posten am Bundestage zutheilte. Seine aufganz Deutschland einwirkende Thätigkeit in diesem Verhältnisse gewann ihm außervielen europäischen Orden die Erhebung in den Grafenstand'. Er hat denGrund zu einem neuen Familienstand gelegt, indem er von dem Hause Dietrich-stein die Herrschast Merkenstein unweit Baden bei Wien kaufte. Sein 1831 ver-storbener Bruder, Anton Kasimir, war Sraatsrath und Referendar im Ju-stizministerium und ein jüngerer, Anton Kasimir, Referendar im Finanzmi-nisterium und 1831 32 »vegen Unterhandlungen über Handelsangelegenheitenin München.

Münchhausen (Karl Ludwig August Heino, Freiherr von), aus demHause Oldendorf, wurde auf einer damals noch umfluteten Weserinsel im Schaum-burgischen, die sein Vater, Karl Ludwig Philipp von M, angebaut hatte,am 11. Febr. 1759 geboren. Durch häuslichen Unterricht vorgebildet, überließer sich früh der Neigung zur Literatur und Kunst, besonders zu den zeichnendenKünsten, zugleich aber erweckten die Erzählungen und die Beschäftigungen seinesWaters, der einst Seefahrer gewesen war und mit Schiffbauten und Weserschissahrtsich beschäftigte, in dem Knaben den lebhaften Wunsch, Seereisen zu machen.Der hessische Kriegsdienst konnte die Aussicht dazu eröffnen, da der damalige Land-graf Soldaten zum Kampf gegen die Amerikaner an England verkaufte. M. tratum 1780 in Dienste, und ging, trotz allen Einladungen in Kassel zu bleiben, mitdem letzten Recrutentransport von 1000 Mann, einem bunten Gemisch aus allenStänden, nach Nordamerika. Während der Fahrt auf der Weser unterdrückte ereinige Aufstände, und bei der letzten Empörung der erbitterten Recruten, deren