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Dritter Band (1833) M bis R
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Münch

ihn für den 4. Oct. 1830. Im Sept. aber brach die Revolution aus, die denHerzog Karl verjagte. Einer der ersten Schritte der neuen Regierung war es, derHauptstadt den Besitz so ausgezeichneter Talente zu sichern. Indeß war die neueKunstbildung gewonnen, und sie sollte wenigstens nicht ganz unbenutzt verblühen.Die Brüder M. machten zuerst eine Reise nach Hamburg, wo sie ungemeinenBeifall ernteten; dann gingen sie im Sommer 1832 nach Berlin. Da man dortdas tressliche Möser'sche Quartett jeden Winter hört und mit den Leistungen ähn-licher Künstlervereine im Laufe des Winters gegen 30 öffentliche Quartettabendegehabt hatte, wollte sich anfangs schwer ein Publicum finden. Die BrüderM. be-gannen mit 12 Abonnenten; aber das Urtheil aller Kenner und das Entzücken ih-rer Zuhörer trug den Ruf der ausgezeichneten Virtuosen bald durch die ganzeStadt, und in den drei letzten ihrer Versammlungen war nicht nur der Saal, son-dern auch die Vorsäle erfüllt, und selbst auf den Treppen saßen und standen lau-schende Hörer. Ohne Zweifel ist nun ihr Ruhm für immer begründet; die mu-sikalische Welt ist um eine ganz neue Gattung der Leistungen bereichert, denn Je-dermann gesteht, daß alles andere Quartettspiel, gegen dieses gehalten, nur ein un-vollkommener Versuch gewesen ist. Ohne Zweifel werden Frankreich und Englanddiese Künstler auch hören, und Deutschland wird abermals stolz auf die Erfolge sei-ner eingeborenen Talente im Auslande sein dürfen. (20)

Münch (Ernst Herman Joseph), Hofrath und Bibliothekar zu Stuttgart,geboren am 25. Oct. 1798 zu Rheinfelden, einer der ehemaligen östreichischen,jetzt zum Canton Aargau gehörenden Vier Waldstädte am Rhein, erhielt seine Bil-dung auf dem Gymnasium zu Solothurn und auf der Universität zu Freiburg, woer den juristischen Studienkreis durchlief, während seine Neigung zur Poesie ihn zu-gleich einem geistigern Leben zuführte. Er wollte sich der dramatischen Literaturwidmen, nachdem er seinen ersten VersuchEponine" herausgegeben hatte, und zudiesem Zwecke studirte er mit Eifer die Geschichte, aber hauptsächlich war es die Be-geisterung, welche dieses Studium in ihm erweckte, und die Anregung, die erdurch das öffentliche Leben erhalten hatte, was ihn trieb, sich in einem andernwissenschaftlichen Gebiete anzusiedeln. Bei dem Studium der Geschichte beschäf-tigte ihn vorzüglich das Zeitalter der Reformation. Er begann die erste vollstän-dige Ausgabe der Werke Ulrich's von Hutten, welche er in fünf Banden (Berlin182125) vollendete. Nach Beendigung seiner Studien zuerst als Gerichts-secretair im Bezirksgericht zu Rheinfelden angestellt, war er von 1819 21 Leh-rer an der Cantonschule zu Aarau, nahm aber seine Entlassung, um sich in Deutsch-land seiner Lieblingsneigung freier hingeben zu können. Die Theilnahme, die derFreiheitskampf der Griechen in ihm erweckte, veranlaßte die Schrift:Die Heer-züge des christlichen Europas wider die Osmanen und die Versuche der Griechenzur Freiheit" (5 Bde., Basel 1822 26). Seit er 1824 als Professor der hi-storischen Hülfswissenschaften in Freiburg angestellt war, widmete er sich mit er-neutem Eifer der Geschichte des 16, Jahrhunderts, wovon das biographische Werk:Franz von Sickingen" (3 Bde., Stuttgart 1824 29);Charitas Pirkhei-mer" (Nürnberg 1822), und eine neue Ausgabe derLpistolae obs^urvi-nm v>-rorum", mit kritischen Erlauterungen (Leipzig 1827), Zeugniß geben. Die ba-dische Regierung und der Großherzog Ludwig zeigten sich aber der geistigen Rich-tung M.'s nicht günstig, und der Umstand, daß die 1818 von ihm bewirkte Stif-tung des engern Vereins der Burschenschaft zu Freiburg aus den Untersuchungs-acten hervorging, wie der Ton seiner Schriften und seine Freundschaft mit Rotteckund andern freisinnigen Männern, hatten ihn verdächtig gemacht. Mehre ein-trägliche Stellen wurden ihm abgeschlagen und er diente lange ohne alle Besoldung.Die Gründung der historischen Gesellschaft in Freiburg verdächtigte ihn dem Hostaufs Neue und der Großherzog von Baden lehnte sogar das Protectorat derselben