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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
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Müller (Brüder)

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hochbejahrten Vater bei der Kaiserin, deren Vorleserin sie war, eine dauernde Un-terstützung auszuwirken, und starb am 20. Jun. 1830. Selten flössen einerSchauspielerin so viel Thränen innigster Theilnahme nach. Ihr Vater hat durchden Grafen Mailäth das Stammbuch der Künstlerin mit mehren Kunstbemerkun-gen und Poesien der Seligen herausgegeben, eine Reliquie, welche den Wunder-glauben eher schwachen als starken könnte, denn ihr Andenken lebt schöner in denHerzen ihrer Bewunderer, als es hier die schriftlichen Zeugnisse enthusiastischerFreunde, in ersten Ergießungen (nicht für den Druck) niedergeschrieben, docu-mentiren. (9)

Müller (Brüder). Diese vier an sich schon ausgezeichneten Künstler sindes noch mehr durch ihr gemeinschaftliches Wirken. Sie bilden das eingeübtestetrefflichste Quartett, welches vielleicht jemals existirt hat und existiren wird. Allevier Brüder wurden von dem Vater, welcher bei der Kapelle in Braunschweig ange-stellt war, auf das sorgfaltigste, zugleich aber auch sehr streng, für die Musik erzo-gen, und der Zweck, sie zu ausgezeichneten Virtuosen zu bilden, ist erreicht. Nurder älteste der Brüder, Karl Friedrich, geboren am 11. Nov. 179? zu Braun-schweig, kam im 14. Jahre nach Berlin, wo er nach dem vorübenden Unterrichtdes Vaters auch den des Concertmeisters Möser genoß. Wahrend der westfäli-schen Herrschast in Braunschweig hatte der Vater seinen Posten in der Kapelle ver-loren, und reiste mit seinem schon damals zum tresslichen Violinisten gebildetenSohne in Deutschland umher. Späterhin hat sich derselbe durch eignen Fleiß undselbständiges Studium zu einem der größten Virtuosen, die Deutschland aus diesemInstrument besitzt, ausgebildet. Eine glanzende Fertigkeit, Pracht und Fülle desTons und energische Wirkung charakterisiren sein Spiel. Er spielt in dem Quar-tett mit den Brüdern die erste Violine. Die Bratsche ist durch den zweiten Bru-der, TheodorHeinrichGustav, geboren am 3. Der. 1800, vortrefflich be-setzt; das Cello spielt der dritte Bruder, August Theodor, geboren am 27. Aug.1803, meisterhast; die zweite Violine endlich ist durch den jüngsten Bruder,Kranz Ferdinand Georg, geboren am 29. Jul. 1809, ausgezeichnet be-setzt. Wenn es schon selten ist, vier so treffliche Virtuosen in einem Quartett ver-einigt zu finden, so ist es noch seltener, und hat zugleich etwas erfreulich Rühren-des, wenn man vier Brüder zu einer solchen Kunstleistung vereinigt sieht. So nahees liegt, daß vier Meister auf den gedachten Instrumenten, Brüder, sämmtlich ineinem Orte, ihrem gemeinschaftlichen Geburtsort, lebend, sich zum Quartettspielvereinigen und etwas Tressliches leisten, so mußten doch außerordentliche Umständeeintreten, um die ungemeine Vollendung des Zusammenspiels zu erzeugen, welchedie Brüder M. errungen haben. In der für Braunschweig furchtbaren Zeit,wo der Herzog Karl seine Tyranneien mit frecher Willkür gegen die Ein-wohner ausübte, erließ er unter Andcrm auch den empörenden Befehl an dieMusiker der dortigen Kapelle, daß es bei schwerer Strafe Jedem verboten sein solle,sein Talent in irgend einer Gesellschaft oder in einem Concert hören zu lassen.Auf die reine Mechanik des Theaterdienstes beschränkt, mußte allen bessern Künst-lern jede Freude an der Kunst und am Leben verloren gehen. So auch den BrüdernM., die daher ihren Abschied zu nehmen beschlossen. Da sie sich aber nichttrennen wollten, und vier Künstler, zumal nebst Familie, nicht so leicht ein gemein-sames sicheres Unterkommen finden konnten, dachten sie auf ein Mittel, ihre Exi-stenz auch ohne bestimmtes Engagement, wenigstens auf einige Zeit zu sichern.Sie beschlossen, sich im Concertspiel aufs höchste zu vervollkommnen, und kamenjeden Vormittag mehre Stunden zusammen, um sich miteinander einzuspielen.Hier sah man, was der ernste Fleiß ausgezeichneter vereinigter Künstler vermag.Bald erreichten sie eine so vollendete Höhe der Ausführung, daß sie wol fühlten,Niemand könne es ihnen gleich thun. Jetzt fodetten sie den Abschied und erhielten