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Müller (Sophie)
M.'s „Dänische Synonymik" ist ein für die Sprachwissenschaft sehr schatzbaresWerk. Von 1805 — 32 war M. Redacteur der „Danischen Literaturzei-tung". Er wurde 1830, nach Münter's Tode, zum Bischof von Seeland er-nannt. (4)
Müller (Sophie). Kürzer als irgend eines andern glanzenden Gestirns amdeutschen Theaterhimmel war die Erscheinung und der Glanz dieser ausgezeichne-ten Künstlerin. Ihre Erinnerung wird langer leben als das Wirken der Lebendengedauert hat. Wiewol sie nicht das Höchste erreicht hat, wußte sie doch die höchsteTheilnahme der Edlern zu erwecken und ihr Scheiden in der Blüte ihrer Erschei-nung wirft auf sie eben noch einen letzten Zauberfchein. Tochter eines zu seiner Zeitgeschätzten und gebildeten Künstlers aus den ältern Tagen deutscher Kunst, trat siezuerst auf einem oberrheinischen Theater auf und verließ Manheim schon mit sehrgünstigem Rufe, um am wiener Burgtheater mit einem bald lebenslänglichen En-gagement sich zu einer der ersten tragischen Künstlerinnen Deutschlands auszubilden.Doch bedarf, was in Wien gebildet ist — trotz der ergiebigen Quelle von Talen-ten, trotz dem sorgsam erhaltenden Princip, das dort wie im Staate so auf demTheater herrscht — erst der Anerkennung auswärts, um deutschen, allgemein gül-tigen Ruf zu erhalten. Dieser Brief und Siegel ward ihr in Dresden beim er-sten Gastiren daselbst. So entzückte der Adel ihres Spiels, die Fülle aus dem In-nern ausströmender Begeisterung, daß die sämmtlichen Schauspieler sich auf dieleeren Bänke des Parterres setzten, und — aller Neid, alle Künstlerrücksichtmschwanden — durch lauten Beifall die ihnen mitgetheilte Begeisterung kund gaben.Dies lautere Aeugniß ward später überall, wo sie auftrat, namentlich in Berlin,fast einstimmig bestätigt. Sophie M. war zur Tragikerin geboren und hatte nichtsversäumt, durch Studium Das auszubilden, wozu sie die Natur berief. Sie erreichtenicht jene Höhe der Kunst, die mit den Empfindungen und Leidenschaften, wah-rend sie dieselben darstellt, spielt; sie war mitten darin, der Schmerz, die Weh-muth waren in ihr lebendig. Geboren, gestaltet in ihr, traten sie heraus, die so-nore Sprache schwelgte darin, der Blick war trunken, Auge und Lippen jauchztenin der Wollust des Schmerzes. Aber nie wurde das Maß überschritten, der höchsteAdel verließ sie nie auf dem höchsten Gipfel der Leidenschaft. Wir glauben, dieKünstlerin hatte erreicht, was sie erreichen konnte. Ob dieses Feuer der Empfindungausgedauert hätte, ist zweifelhaft, nicht zweifelhaft aber, daß ihr jene unbewußteHeiterkeit des Gemüthes abging, die, unerläßlich für andere Rollen, wohlthätigauch für die wird, in denen sie geglänzt. Jedes Nachtstück wirkt nur durch einenLichtschein, von woher er auch komme. Der höchste Schmerz in der höchsten Tra-gödie ist aber dann am ergreifendsten, wenn die Natur ursprünglich gesund war,und der tröstende Lichtstrahl aus dem Wesen selbst, aus der leidenden Brust auf-steigt. So vertragen sich, so bedingen sich, ja so sind in der höchsten Tragödie un-erläßlich verbunden Schmerz und Heiterkeit. Eben darum vollendete vielleicht derTod ihre Kunst, ehe die höchst gesteigerten Anfoderungen ihr Manier und Einsei-tigkeit vorwerfen konnten. Ihre Kunst hat einen Abschluß erreicht. Sie war diemelancholische Tragikerin im edelsten Sinne des Wortes. Edel war Alles an ihr;die Schule in Wien hatte in ihr den gemessenen Anstand gefördert, ihre sittlicheTiefe war sorgsam gepflegte Gabe. Auch ihr Tod hatte etwas melancholisch Edles.Ein Unwohlsein, aus Überanstrengung, oder, wie ein sehr unverbürgtes Gerüchtsagte, aus tieferer Herzensbewegung, führte eine anderthalbjährige Krankheit her-bei, über deren Ausgang sie selbst entschieden klar und mit sich abgeschlossen war.Einem Freunde, der sie, als die Ärzte große Hoffnung gegeben, fragte, in welcherRolle sie nach ihrer Genesung auftreten werde, antwortete sie: „In Vater undTochter". Dieses Raupach'sche Stück fängt bekanntlich mit der Zeitungsnach-richt an: „Miß Miller ist todt!" Sie sorgte noch auf dem Todtenbette, ihrem
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