Müller (Alexander)
Müller (Karl Otfried) 185
Müller (Alexander), geboren um 1780 zu Zell im ehemaligen BisthumFulda, wo sein Vater als Justiz- und Rentbeamter angestellt war, studirte dieRechte in Fulda und Gießen, und wurde 1804, nachdem der Prinz von Oraniendas Bisthum als Entschädigung für seine Verluste erhalten hatte, als Referendarin der Regierung zu Fulda angestellt. Er war Mitglied des Justiztribunals da-selbst, als der Fürst, dem M. stets seine innige Anhänglichkeit weihte, 1806 dasLand verlor. Unter der Regierung des Großherzogs Karl von Dalberg seit 1810wurde M. Justizbeamter und Maire des Bezirks Geis und blieb es, bis dasLand 1815 an Kurhessen siel, worauf er 1816 als Mitglied der Regierung nachWeimar kam, wo er später als Regierungsrath und Mitglied der Vormundschafts-deputatkon angestellt wurde. Er verließ dieses Dienstverhältniß 1830 und lebtemeist in Leipzig, bis er sich 1832 nach Mainz begab. Im katholischen Glaubengeboren und in seinem Bekenntnisse beharrend, gehört er zu Denjenigen, die denKatholicismus in seiner Reinheit wiederherstellen wollen. Für diesen Zweck hat erseit einem Jahrzehend mit einem rüstigen Eifer gestritten, in welchem ein Zugals vorherrschend hervortritt, seine Abneigung gegen den Jesuitismus in allen Ge-stalten. Seine Schriften „Uber Regentenbevormundung" (Ilmenau 1822);„Das Institut der Staatsanwaltschaft" (Leipzig 1825) und einige andere abge-rechnet, behandeln die übrigen das Verhältniß der Kirche zum Staate und dieneuesten Reactionsversuche zum Vortheile der römischen Hierarchie. Dahin gehö-ren : „Kirchenrechtliche Erörterungen in besonderer Beziehung aus Weimar" (Wei-mar 1823); „Preußen und Baiern im Concordat mit Rom" (Neustadt an derOrla1824); „Die neu auflebende Schirmvoigtei des östreichischen Kaisers überdie römisch-katholische Kirche und den päpstlichen Stuhl" (Erfurt 1829) undmehre Flugschriften. Sein „Encyklopädisches Handbuch des gesammten inDeutschland geltenden katholischen und protestantischen Kirchenrechts" (1. Bd.Erfurt 1829, 2. Bd. Leipzig 1832) ist noch unvollendet. Im Jul. 1830 begann„Der canonische Wächter, eine anti-jesuitische Zeitschrift für Staat und Kircheund für alle christlichen Confesfionen", der bis zu Ende des Jahrs 1832 in Hallegedruckt ward, und seit 1833 in Mainz fortgesetzt wird. Die im März 1830 vonM. bekannt gemachte Ankündigung, worin die Tendenz der neuen Zeitschrift „gegencanonisches Unrecht und gegen klerikalischen Unfug, gegen den dogmatischen Sauer-teig, den Schrift und Vernunft verschmähen, gegen alle Machwerke des Aberglau-bens und der Barbarei, gegen Pfaffentrug und Pfaffenlug, gegen eiteln papisti-schen Schimmer und Flimmer, gegen alles Concordatenwesen, gegen alle Hebelder vermaledeiten Versinsterungssucht unserer Tage" kräftig ausgesprochen wurde,hatte die Folge, daß der sächsische evangelische Kirchenrath in Dresden die Zeitschriftvor ihrer Erscheinung verbot und auf die von dem Verleger in Leipzig dagegenerhobene Beschwerde zwar die Erscheinung derselben in Sachsen gestatten, aberden Herausgeber als einen Katholiken nach einer Verordnung von 1807 der Cen-sur des apostolischen Vicariats in Dresden unterwerfen wollte. M. konnte sicheiner Bedingung nicht fügen, welche die Ausführung.seines Plans unmöglich ge-macht haben würde, und ließ seine Zeitschrift in Halle unter preußischer Censurdrucken. Seit 1832 gibt er in Mainz das „Archiv für die neueste Gesetzgebungaller deutschen Staaten" heraus, das sich zu einer reichhaltigen Sammlung aus-bildet.
Müller (Karl Otfried), einer der größten Alterthumsforscher unserer Zeit,ist 1797 zu Brieg in Schlesien geboren, wo sein Vater, der nachher Pastor zu Ohlauwurde, Feldprediger war. Er wurde als 10jähriger Knabe auf das Gymnasiumnach Brieg geschickt, wo zuerst durch Lotheisen ein lebendiges Interesse an den altenSprachen in ihm erweckt wurde. Dieser Mann besaß bei einem sonst veraltetenVortrage die Gabe, die jungen Geister durch beständige Anwendung der Regeln