Mösting
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richt von dem Concertmeister Haake erhielt. M. rückte durch sein Talent bald auf-wärts. Da er aber mit der Eigenschaft eines trefflichen Virtuosen auch die eines keckunternehmenden wohlgebildeten jungen Mannes verband, so wurde er dadurch in vieleVerhältnisse mit dem weiblichen Geschlecht verwickelt, und kam unter andern auch ineine Verbindung mit der Gräsin von der Mark, einer natürlichen Tochter des Kö-nigs. Dieses Verhältniß wurde jedoch entdeckt, und der kühne Virtuos, der seinAuge zu doch erhoben hatte, zur Strafe aus den preußischen Staaten verbannt.Der König hatte ihm jedoch großmüthig ein Reisegeld von 100 Dukaten zustel-len lassen, womit M. über Braunschweig nach Hamburg reiste. Dort gewannihm sein Talent bald viele Freunde; wichtiger aber war für ihn die Bekanntschaftmit Viotti, Franzel und Rode, welche er hier machte. Er benutzte die Lehren Viot-ti's und Rode's, zumal aber des Erstem, mit großem Eifer und bildete nach ihnensein ganzes Violinspiel um, sodaß er in drei Monaten, seinem eignen Geständm'ßzufolge, ein ganz anderer Künstler geworden war. M. trat nun mit großem Bei-fall nicht nur in Hamburg, sondern auch zu Kopenhagen und Ehristiania auf.Später ging er nach London, wo er aber in einer ungünstigen Jahreszeit eintraf;der Concertmeister Salomen erkannte indeß sein großes Talent und gewann ihnfür die nächste Spielzeit gegen einen Gehalt von 200 Guineen. M. aber, ganzseiner alten Weise getreu, vergaß diese vortheilhafte Anstellung in den Banden, dieeine schöne Italienerin zu Stockholm ihm anlegte. Nach Friedrich Wilhelm II.Tode durfte M. in sein Vaterland zurückkehren. Von nun an begann für ihn eingeniales, aber üppiges Künstlerleben, welches er in der Bekanntschaft mit demgeistreichen Prinzen Louis Ferdinand und dessen steten musikalischen GesellschafternHimmel und Dusseck führte. Er ging 1804 nach Wien, wo er Beethoven's undHaydn's Bekanntschaft machte und durch sein geniales Spiel, zumal aber durchden Vortrag der Quartette dieser Meister deren großen Beifall gewann. Der un-glückliche Krieg 1806, der so viele Verhaltnisse löste, änderte auch M.'s Schicksal.Er ging nach Warschau und von dort nach Petersburg, beurlaubt bis auf bessereZeiten. In Petersburg machte M. die anziehenden Bekanntschaften Boyeldieu's,Lafont's, Steibelt's und anderer Künstler. Er kam 1811 nach Berlin zurück, wo ervom Publicum mit enthusiastischem Beifall aufgenommen und in der Kapelle alsConcertmeister angestellt wurde, bis er 1825 zum Musikdirector aufstieg. Er reistespäter nach Paris, wo er sich nicht ohne Beifall hören ließ, doch wollte man ihmnur eine zweite Stelle in der Virtuosität einräumen. M.'s Lebensgeschichte istnoch in mancher andern Beziehung sehr anziehend, und es wäre zu wünschen, daß erder Feder so mächtig wäre, um Memoiren herausgeben zu können. Als Spielerzeichnet ihn vorzüglich seine große Vielseitigkeit aus, indem er jeden Styl aufzufas-sen weiß; sein Vortrag ist lebendig, keck, oft sogar feurig, in seiner Jugend abersoll er ein großartiges Spiel gehabt haben. Einer seiner Söhne scheint das Talentdes Vaters geerbt zu haben. (20)
Mösting (Johann Sigismund), danischer Staatsminister, geboren am2. Nov. 1?59 auf der danischen Insel Möen bei Seeland, studirte die Rechte aufder Universität Kopenhagen, und nachdem er Auscultant in der Rentkammer unddarauf Amtmann im haderslebener Amt gewesen war, wurde er zum Präsidentender schleswig-holsteinischen Kanzlei in Kopenhagen ernannt, leitete die Geschäftedes wahrend des Kriegs 1808 errichteten Feldcommissariats und war eine Zeitlang zugleich einstweiliger Präsident der dänischen Kanzlei. Er kam 1814 statt desvon der Finanzverwaltung abgegangenen Staatsministers Grafen Schimmel-mann an die Spitze dieses Departements und gab die Kanzleiprasidentenstelleauf. In einer für den dänischen Staat und besonders dessen Finanzen sehr schwie-rigen Zeit trat er in seinen neuen Wirkungskreis. Ein vieljahriger, mit der Weg-nahme der Kriegsflotte angefangener, mit dem Verlust Norwegens geendigterConv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. III. 12