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Georg von Meiningen, der die Sommermonate gewöhnlich in Altenstein unweitFrauenbreitungen zubrachte, auf dem Schlosse zu predigen. So kurz die ihm zurVorbereitung vergönnte Zeit war, so gelang ihm doch die Lösung der Aufgabe sogut, daß sie auf seine Lebensereignisse einen entscheidenden Einfluß hatte. DerHerzog schenkte ihm seine Gunst, und einige Jahre nach dem Tode desselben, alsauch er 1805 seinen Vater verloren hatte, auf dessen Stelle er keinen Anspruchmachen zu dürfen glaubte, erhielt er von der verwitweten Herzogin den Auftrag,die Erziehung ihres einzigen Sohnes, des fünfjährigen Herzogs Bernhard, zuübernehmen. Er leitete seitdem die Bildung des Prinzen bis zu den Universitats-jahren ohne Zuziehung eines Oberhofmeisters, begleitete dann den jungen Fürstennach Jena und Heidelberg und auf seinen Reifen nach der Schweiz, Oberitalien,Belgien, Holland und Frankreich. Nach dem Regierungsantritte des Herzogs1821 erhielt M. die ihm bestimmte Stelle im Oberconfistorium zu Meiningen,die er noch jetzt bekleidet. Einzeln sind mehre seiner Predigten aus der Zeit seinerfrühem Amtsthätigkeit gedruckt, in welche auch die „Gottgeweihten Morgen- undAbendstunden in landlicher Einsamkeit" (Hildburghausen 1821) gehören. ZuFriedrich's Taschenbuch „Selitha" lieferte er mehre Beitrage. Bei dem vom Her-zogBernhard unter der Luthersbuche bei Altenstein zurJubelfeier der augsburgischenConfession 1830 veranstalteten erhebenden Feste hielt er vor 5000 Zuhörern einekraftige Rede, die er in seiner Beschreibung der Feier: „Das Jubelfest an der Lu-thersbuche" (2. Ausg., Meiningen 1830), mittheilt. Seine drei VolkSschulschriftenfür die untern, mittlem und obem Classen haben in den meiningifchen Schulen wohl-thatig gewirkt. Als Erzähler hat M. verdiente Anerkennung gefunden. Sein ersterVersuch: „Bilderleben", erwarb ihm einen Ruf,den seine, in dem Taschenbuche„Urania" (1822) abgedruckte, durch einen Preis ausgezeichnete Erzählung: „Siegder Kunst, des Künstlers Lohn", erhöhte. Er vereinigte später seine, in verschiedenenperiodischen Schriften zerstreuten Erzählungen in den Sammlungen: „Reisegefähr-ten" (3 Bde., Frankfurt a. M. 1825—28); „Drei Freunde auf Reisen" (3Bde,Leipzig 1828); „Liebenstein und die neuen Arkadier" (2. Aufl., Frankfurt amMain 1820); „Sommerabendstunden" (2 Bde., Hildburghausen 1831). Nir-gend ist seine Absicht blos auf flüchtige Unterhaltung, sondern immer auch aussittliche Anregung zum Guten, Wahren und Schönen gerichtet. Das Andenkenseines Jugendgespielen Ernst Wagner ehrte er durch feine „Briefe über den Dich-ter Ernst Wagner" (2 Bde., Schmalkalden 1826), und durch die Sammlung derWerke desselben (10 Bde., Leipzig 1824), welchen zwei Ergänzungsbände folg-ten, die das Leben des Freundes und manche Züge aus seinem eignen erzählen.
Möser (Karl), einer der ausgezeichnetsten Violinspieler Deutschlandsund gegenwärtig Musikdirektor bei dem königlichen Orchester in Berlin, wo er am24. Jan. 1774 geboren wurde. Er zeigte schon sehr früh große Anlage zur Mu-sik, sodaß sein Vater (Stabstrompeter beim Ziethcn'schen Husarenregiment), alsder Knabe noch nicht volle sechs Jahr alt war, ihn die Violine spielen lehrte. Im8. Jahre trat M. zum ersten Male öffentlich auf und spielte ein Concert vonBorghi mit allgemeinem Beifall. Von nun an mußte er sich vielfach öffent-lich hören lassen und spielte oft in mehren damals beliebten Abendgesellschaftenund öffentlichen Concerten und wählte meist Stücke von Lolli, Giornovichi undStamitz. Auf diese Weise lernte Friedrich Wilhelm II. das Talent des Knabenkennen, und auf dessen Vermittlung wurde M., als er 14 Jahr alt war,in der Kapelle des Markgrafen von Schwedt angestellt. Nach dem Tode die-ses Fürsten kehrte der junge Virtuos nach Berlin zurück. Hier gewann er dieNeigung eines gewissen Baron Bague aus Paris, der Unterricht von ihm nahm,ihn reichlich bezahlte und dem Könige wieder in Erinnerung brachte. Dies veranlass-te M/s Anstellung als Zögling in der königlichen Kapelle, wobei er zugleich Unter-